Eine große Freiluftbühne inmitten der Stadt. Virtuose Musiker, meist strahlender Sonnenschein. Zwischen Französischem und Deutschem Dom auf dem „schönsten Platz Berlins“, wie manche meinen. Das war das „Classic Open Air“ 2018 auf dem Gendarmenmarkt. Furios beendet von den Funk- und Soullegenden der Band „Earth, Wind & Fire“. Ein Wohlfühlevent, das auch in diesem Jahr wieder viel mehr war, als ein reines Festival klassischer Musik.
Bevor „Earth, Wind & Fire“ am Montag die große Bühne betraten, hatte Organisator Gerhard Kämpfe Grund zur Freude: „Wir sind begeistert! Besucherrekord, schönes Wetter und begeistertes Publikum“, sagte er der Berliner Morgenpost. Etwa 24.000 Menschen sahen in den vergangenen Tagen die vielfältigen Konzerte. Am letzten Abend wurden auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Ex-CDU-Chef Frank Henkel gesichtet.

Den Abschluss sollte nun also die bunteste und populärste Funk-Formation der 70er- und 80er-Jahre bilden. Als die Musiker um 21 Uhr auf die Bühne stürmten, stand das Publikum bereits. Besonders die Potsdamer Vorband „Footprint Project“ hatte den Zuschauern mit treiben Funkbeats und einem beatboxenden Frontmann eingeheizt.
“Do you remember? 21st of September?“
So hatten „Earth, Wind & Fire“ leichtes Spiel, das Publikum mit Super-Hits wie „September“ zu begeistern. Einen Song, den jeder schon einmal irgendwann gehört haben dürfte: “Do you remember? 21st of September?“ Aber auch Hits wie „Boogie Wonderland“ oder „Let’s Groove“ wurden gespielt. Das Publikum klatschte mit Bier oder Sekt in der einen oder einer Bratwurst in der anderen Hand begeistert mit. Lediglich der Sound lies an diesem Abend etwas zu wünschen übrig.
Wenn Kämpfe erklärt, dass Soul und Funk wieder angesagt seien, dann hat ihm dieser Abend recht gegeben. Das Konzept, das „Classic Open Air“ auch in diesem Jahr für verschiedenste Musikrichtungen zu öffnen, ging auf.
Mehr als 1000 Künstler bislang beteiligt
Nicht ohne Grund hat Kämpfe von Anbeginn der 90er-Jahre auf die Schreibweise „Classic“ im Titel der Veranstaltung gesetzt, um sich von der konservativeren Klassik abzusetzen. Das hinderte ihn aber nicht daran, dass Festival im Jahr 1992 einst mit Star-Tenor José Carreras zu eröffnen und auch nicht daran, in diesem Jahr Wagner aufzuführen. Am Ende standen über 1000 Künstler verschiedenster Musikrichtungen auf der Bühne.
In der sogenannten „First Night“ traten musikalische Legenden auf wie Ex-Puhdys-Frontmann Dieter Birr oder Peter Maffay. Am zweiten Abend wurde die Stimmung mit Stücken aus Wagners „Tanhäuser“ oder dem „Lohengrin“ schwermütiger. Die Anhaltische Philharmonie Dessau überzeugte dabei mit exquisitem Spiel.

Der dritte Abend des Festivals stellte sich dem Publikum vor als italienische Nacht voller Leichtigkeit: „Nessun Dorma“ war das das Motto. Das Philharmonische Orchester Vorpommern überzeugte mit Melodien aus italienischen Opern.
Die Auswahl der Solisten setzte an diesem Abend vor allem auf musikalische Vielseitigkeit: Nach dem schweren Verdi folgte das Duett zwischen Adina und Nemorino aus Donizettis Liebestrank. Dabei überzeugten sowohl Tenor Semjon Bulinsky als auch Sopranistin Franziska Ringe durch eine enorme lyrische Leichtigkeit.
Am Sonntag dann war die Elbe zu Gast an der Spree: Die vier Hamburger Pianisten Joja Wendt, Sebastian Knauer, Axel Zwingenberger und Martin Tingvall präsentierten vor 3500 Zuschauern ihr ganzes können. Ihr Projekt „Vier Pianisten“, das war ein Mix aus Boogie Woogie, Klassik, Jazz und Pop. Bereichert durch die Einlagen des charmanten Publikumsunterhalters Joja Wendt.
Was für eine Sogwirkung das „Classic Open Air“ auch fast 30 Jahre nach seinem Entstehen hat, zeigten auch am letzten Abend wieder die vielen Zaungäste. Hunderte Menschen breiteten Picknickdecken und -Stühle auf dem umliegenden Pflaster aus. So wie es Tradition ist, seit vielen Jahren.


