Open-Air-Konzert

Classic Open Air - ein Schaulaufen der Sänger

Bei der „First Night“ auf dem Gendarmenmarkt treffen Popstars, Klassiker und Schauspieler aufeinander.

Peter Maffay tritt mit dem Filmorchester Babelsberg bei Classic Open Air auf. Ein Gespräch im Vorfeld

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Berlin. Es gibt Open-Air-Konzerte, da traut man sich kaum ohne Survival-Ausrüstung hin, wenn hingegen die Wetter-App unendlich viel Sonne verspricht, herrscht große Entspanntheit in den Besucherreihen. Das diesjährige „Classic Open Air“ auf dem Gendarmenmarkt beginnt im Glück.

Es ist ja vor allem auch ein Wohlfühlfestival. Vielleicht ist es auch das Geheimnis seines Erfolgs. Es ist jene Mischung aus Vertrautheit und Überraschung. Wenn anderswo häufig Programme von der Stange oder durchgestylte Reiseshows zu erleben sein, bleibt der Festivalauftakt immer eine handgemachte Gala des Unberechenbaren.

Klassik erklingt neben Pop und Chanson, Defa-Erfolge mischen sich jetzt mit Bernstein-Hits, und plötzlich laufen auch noch vertraute Schauspieler über die Bühne und singen. Dazu gibt es lustige Plaudereien.

Das Classic im Titel steht für die Vielseitigkeit der Musik

Der Verdacht liegt nahe, dass wir mit diesem wilden Eröffnungspotpourri einen Blick in die Seele der Festivalmachers werfen. Gerhard Kämpfe gehört zu jenen, die fest daran glauben, dass sich die Entwicklung der Klassik im Musical und in der Filmmusik fortsetzt. Das schließt auch die Grenzgänge zwischen U- und E-Musik ein.

Nicht ohne Grund hat Kämpfe von Anbeginn der 90er-Jahre auf die Schreibweise Classic im Titel der Veranstaltung gesetzt, um sich von der konservativeren Klassik abzusetzen. Was ihn in diesem Festivaljahr aber auch nicht daran gehindert hat, Hardliner-Musik von Richard Wagner, italienische Opern-Schmachtfetzen und vier Klaviervirtuosen ins Programm zu nehmen.

Und auch in der „First Night“ sind neben der Film- und Pop-Mehrheit einige Klassiker vertreten. Der junge amerikanische Tenor Robert Watson, der zur Deutschen Oper Berlin gehört, stellt sich mit Leoncavallos berühmter Arie „Vesti La Giubba“ („Lache, Bajazzo“) vor. Zuvor präsentiert sich Nicole Chevalier, Barrie Koskys Vorzeigesängerin an der Komischen Oper, mit Puccinis „O Mio Babbino Caro“. Später werden die beiden Opernleute auch noch Bernsteins „Tonight“ aus der „West Side Story“ singen.

Die Allrounderin Kim Fischer führt erstmals durch das Programm, das diesmal eine Reise durch die Filmgeschichte darstellt. Das großartige, vielseitige Filmorchester Babelsberg, das mit der Gala sein 100-jähriges Jubiläum feiert, bleibt das Fundament der „First Night“. Von Babelsberg nach Hollywood ist der historische Auftakt überschrieben.

Die Ufa- und Defa-Erinnerungen werden von Katharine Mehrling, Dagmar Manzel, Lars Redlich und Cassandra Steen untereinander aufgeteilt. Die Mehrling singt ein Marlene-Dietrich-Medley mit „Ich bin von Kopf bis Fuß“, „Die fesche Lola“ und „Ich habe noch einen Koffer in Berlin“.

Blockbuster-Sound und charakterstarke Hymnen

Für den Defa-Erfolg „Solo Sunny“ ist DDR-Jazzlegende Günther Fischer mit seiner Tochter Laura aufgetaucht. Ansonsten lebt ein solcher Abend eben nicht nur vom modernen Blockbuster-Sound, sondern auch von den charakterstarken Hymnen.

Der Ex-Puhdy Dieter „Maschine“ Birr hat zwei Defa-Filmmusik-Klassiker von 1973 im Langzeitrepertoire. Damals entstand in Babelsberg mit „Die Legende von Paul und Paula“ einer der erfolgreichsten in der DDR gedrehten Spielfilme. Die dafür entstandenen Filmsongs machten die Puhdys erst richtig populär, Birr knüpft mit „Wenn ein Mensch lebt“ und „Alt wie ein Baum“ an diese Zeiten an.

Stargast Peter Maffay hat seine eigene Hymne im Gepäck, mit der er den Bogen von West nach Ost spannt: „Über sieben Brücken musst du geh’n“ stammte ursprünglich von Karat. Das Finale der „First Night“ bildet traditionell ein musikalisch durchchoreografierten Feuerwerk. Es ist der Moment, in dem das Festival über den Gendarmenmarkt hinausstrahlt.

Das Classic Open Air bis Montag

Wagner in Licht und Feuer: Am 6. Juli mit Stargast Nadja Michael. Es spielt die Anhaltische Philharmonie Dessau unter Leitung ihres Generalmusikdirektors Markus L. Frank.

Nessun dorma: Am 7. Juli mit Melodien aus italienischen Opern. Es spielt das Philharmonische Orchester Vorpommern, es moderiert Theaterintendant Dirk Löschner.

Vier Pianisten: Am 8. Juli mit Joja Wendt, Sebastian Knauer, Axel Zwingenberger und Martin Tingvall. Was sie verbindet: Hamburg.

Classic of Soul & Funk: Am 9. Juli mit Earth, Wind & Fire („September“, „Boogie Wonderland“ oder „Shinings Star“ und Sister Sledge „We Are Family“.

Beginn jeweils 19.30 Uhr, Ticket-Hotline 01806-999 000 606

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