Film

Eine erfrischend andere Beziehungskomödie

„Zwei im falschen Film“ ist eine Beziehungskomödie links gestrickt. Darin glänzen Laura Tonke und Marc Hosemann mit irren Wendungen.

Foto: Friede Clausz / dpa

Ein junges Paar sitzt im Kino. In dem Liebesfilm auf der Leinwand, das ist der Clou, spielen dieselben Darsteller, die auch in den Sitzen sitzen. Von Anfang an hält der Film damit eine Meta-Ebene. Aber die zwei im Saal können so gar nichts mit der Schnulze anfangen. Viel zu vorhersehbar. Viel zu unrealistisch. Und wer, mäkeln sie, braucht heute noch so eine verklärte Romantik?

Hans (Marc Hosemann) und seine Freundin (Laura Tonke), die sich burschikos Heinz nennt, führen eine explizit andere Beziehung, unangepasst und alternativ. Sie sind glücklich, erzählen sie zumindest jedem. Auch wenn Hans nur einen Copyshop leitet und Heinz sich als Stimme für Kindertrickfilme verdingt. Auch wenn sie nur im Hinterzimmer des Copyshops hausen. Den Film haben sie sich zu ihrem Jahrestag angeguckt. Und er bringt sie tief ins Grübeln.

Sie haben das verflixte siebte Jahr krisenlos überstanden. Aber das große Kribbeln ist weg. Als Hans dann noch dem Ex-Freund von Heinz begegnet und ihm, statt eifersüchtig zu werden, ihre Nummer gibt, schrillen bei Heinz die Alarmglocken. Flugs wird eine Liste erstellt mit all den Dingen, die eine große, filmreife Liebe ausmachen. Um sie dann Punkt für Punkt abzuarbeiten. Nur um festzustellen: Nichts ist so wie im Film.

Zwei im falschen Film“ ist eine erfrischend andere Beziehungskomödie. Nicht eine jener routinierten RomComs, die seit Jahren über die deutschen Leinwände gespült werden. Sondern eine freche und erfrischend hintergründige Parodie auf das ganze Große-Gefühle-Genre.

Regisseurin Laura Lackmann hat bislang erst einen Film ins Kino gebracht, „Mängelexemplar“ (2016) nach dem Roman von Sarah Kuttner, wo eine junge Frau ihre gesamte Lebenssituation einer Überprüfung unterzieht. Darin hat auch Laura Tonke als beste Freundin mitgespielt, wofür sie einen Deutschen Filmpreis erhielt (sie erhielt am selben Abend noch einen zweiten, aber das ist eine andere Geschichte). Nun kommen die beiden Lauras mit einem neuen Werk, das nur so strotzt vor Ideen und Pointen. In dem diesmal ein Paar seine Bindung überprüft. Wofür Marc Hosemann einen kongenialen Spielpartner stellt.

Man glaubt den beiden sofort, dass sie seit Jahren zusammen sind. Und es ist hübsch mit anzusehen, wie sie sich bei ihren Versuchen, die alten Emotionen wiederzubeleben, ständig ins Stolpern und Straucheln geraten. Die große Liebe, das ist die Erkenntnis dieses Films, gibt es nicht, sie ist eine Erfindung und Überhöhung der Künste.

„Zwei im falschen Film“ ist vielmehr ein Plädoyer für die, nennen wir es ruhig so, kleinen Gefühle. Aber auch die können ganz groß sein. Man muss sie nur als solche wertschätzen. Und so gibt es zum Schluss dann doch ein augenzwinkerndes Happy End, vor dem man sich am Anfang noch so geschüttelt hat.

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