Dercon-Rücktritt

Claus Peymann: "Die erwartete Katastrophe ist eingetreten"

Mit markigen Worten macht Theatermacher Claus Peymann die Berliner Politik für das Scheitern von Chris Dercon verantwortlich.

Claus Peymann (Archivbild)

Claus Peymann (Archivbild)

Foto: DAVIDS/Darmer

Berlin. Der langjährige Intendant des Berliner Ensembles und Kritiker der Entscheidung für Chris Dercon als Intendant der Volksbühne hat der Politik vorgeworfen, unfähig zu sein. Die Erklärung im Wortlaut:

„Die erwartete Katastrophe ist also eingetreten. Vor zwei Jahren habe ich davor gewarnt, dass die Schauspielkunst und das Ensemble an der Volksbühne gekillt werden und stattdessen eine weitere „Eventbude“ in Berlin etabliert wird.

Verantwortlich ist allerdings nicht der gänzlich überforderte, nette Herr Dercon (Überforderung ist schließlich kein persönliches Vergehen), sondern die Politik, in allererster Linie der damalige Regierende Bürgermeister Berlins und Kultursenator Klaus Wowereit und sein Nachfolger im Amt Michael Müller.

Die Anmaßung und gleichzeitige Unfähigkeit der Politik, derartige Entscheidungen zu fällen oder auch nur zu beurteilen - in ihrer Eitelkeit gegen jede Beratung resistent - ist einmal mehr sichtbar geworden.

Die Zerstörung der Volksbühne ist im kulturellen Bereich das gleiche Fiasko wie die nicht endenwollende Tragikomödie mit dem BER. Warum eigentlich knöpft man sich nicht diese beiden Herren vor und lässt sie für die Schulden aufkommen, die in der zahlungsunfähigen Volksbühne jetzt entstanden sind? Über den damaligen Staatssekretär für Kultur Tim Renner möchte ich kein Wort verlieren, denn jedes Wort wäre schon ein Wort zuviel.

Dem interimistischen Intendanten und künftigen Geschäftsführer der Volksbühne Klaus Dörr wünsche ich ein kollegiales toi toi toi. Mögen Sie den Schaden, den das kulturelle Berlin erlitten hat, reparieren - auf dass das ruhmreiche Haus am Rosa Luxemburg-Platz wieder blühen möge!

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