Berliner Volksbühne

Volksbühnen-Intendant Chris Dercon tritt zurück

Der umstrittene Intendant der Berliner Volksbühne, Chris Dercon, wirft mit sofortiger Wirkung hin.

 Chris Dercon

Chris Dercon

Foto: Ricarda Spiegel

Berlin. Chris Dercon beendet seine Intendanz an der Berliner Volksbühne. Darauf hätten sich Dercon und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) einvernehmlich geeinigt, wie es in einer Pressemitteilung am Freitagvormittag hieß. Zuvor hatte der RBB über den Rücktritt berichtet. Einzelheiten sollten am Vormittag auf einer internen Personalversammmlung der Volksbühne genannt werden.

"Beide Parteien sind übereingekommen, dass das Konzept von Chris Dercon nicht wie erhofft aufgegangen ist, und die Volksbühne umgehend einen Neuanfang braucht", heißt es in der Mitteilung. Mit Dercons Rückzug sei nun die Chance gegeben, "diesen notwendigen Neustart einzuleiten".

Lederer habe den designierten Geschäftsführer der Volksbühne, Klaus Dörr, gebeten, die Geschäfte des Intendanten kommissarisch zu übernehmen. "Im Übrigen ist es mir wichtig zu betonen, dass die persönlichen Angriffe und Schmähungen aus Teilen der Stadt gegen Chris Dercon in der Vergangenheit inakzeptabel waren. Solche Formen der Auseinandersetzung sind unwürdig und entbehren jeder Kultur", teilte Lederer mit.

Der Belgier Chris Dercon, der als Kurator international Karriere machte und die Volksbühne vom geschassten Frank Castorf übernahm, ist in Berlins Kulturszene heftig umstritten und bekam von Anfang an viel Gegenwind. Ihm wurde vorgeworfen, aus der Traditionsbühne eine "Eventbude" zu machen. Im September 2017 war die Volksbühne von Dercon-Kritikern aus Protest besetzt worden. Die ersten Inszenierungen unter der Intendanz von Dercon seit Beginn der Spielzeit im Herbst 2017 kamen bei Publikum und Kritik sehr gemischt an.

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