Museen

„Der Umzug ist ein wichtiger Schritt“

Josephine Gabler ist die neue Direktorin des Käthe-Kollwitz-Museums, das ans Schloss Charlottenburg umzieht. Ein Treffen.

Heimkehr nach Berlin: Josephine Gabler, die neue Direktorin des Käthe-Kollwitz-Museums, hat zehn Jahre in Bayern gearbeitet.

Heimkehr nach Berlin: Josephine Gabler, die neue Direktorin des Käthe-Kollwitz-Museums, hat zehn Jahre in Bayern gearbeitet.

Foto: Maurizio Gambarini

Sie kommt - und das Käthe-Kollwitz-Museum in der Fasanenstraße bereitet sich auf den Umzug vor. Josephine Gabler, Jahrgang 1961, trat am Dienstag nach Ostern ihr Amt als neue Direktorin an und empfängt uns in ihrem lichten Büro. Mittlerweile ist klar, dass das Museum an den Spandauer Damm 19 zieht, gleich gegenüber von Schloss Charlottenburg und direkt neben der Sammlung Berggruen. Das Gebäude soll künftig Domizil für ein neu zu gründendes Exilmuseum sein. Berlin kennt Josephine Gabler gut, sie wuchs hier auf, studierte an der Freien Universität Kunstgeschichte. Das Thema ihrer Abschlussarbeit: „Die Plastiken der Käthe Kollwitz“. Über die Jahre hatte sie losen Kontakt zum Museum, auch zur Familie Kollwitz. Zum 25. Bestehen des Hauses kuratierte sie die Ausstellung „Bildhauerin aus Leidenschaft“. 2008 ging sie nach Bayern ans Museum Moderner Kunst Wörlen. Ein erstes Treffen .

Als Sie Ihren Vertrag unterschrieben haben im vergangenen Jahr, war die Zukunft des Museums noch unklar. Am Standort bleiben oder umziehen, war die Frage. Das war nicht gerade eine komfortable Situation für Sie.

Josephine Gabler: Mein Gefühl war, wir müssen dieses Haus in ruhige Bahnen führen und in eine sichere Zukunft. Das will ich gerne in die Hand nehmen.

Der Standort in der Fasanenstraße ist über 30 Jahre etabliert. Kann man Käthe Kollwitz so einfach verpflanzen?

Natürlich kann man Kollwitz verpflanzen. Und der Standort hier am Kudamm ist keineswegs so ideal wie er auf den ersten Blick scheint. Wir sind in einer Shopping-Gegend, doch die Besucher, die unser Haus anschauen, kommen gezielt zu uns, genauso wie an einen anderen Standort. Schwer vorstellbar, dass jemand bei Bulgari einkauft, und anschließend ins Kollwitz-Museum geht. Das ist ein unterschiedliches Klientel.

Welchen Vorteil hat der neue Standort am Schloss Charlottenburg? Ist das neue Domizil größer?

Von der Ausstellungsfläche her ist das Haus etwa gleich groß. Das ehemalige Alt-Berliner Mietshaus wurde in den 80er-Jahren für kulturelle Zwecke hergerichtet, das Erdgeschoss in einen Ausstellungsbereich umgebaut, der natürlich modernisiert werden muss nach über 30 Jahren. Wir bekommen zum gesamten Erdgeschoss zwei halbe Etagen dazu. Wir werden Nebenräume haben, die wir in der Fasanenstraße nicht haben und dringend brauchen für Depots, Lager, Büros, Museumspädagogik. Wir bekommen behindertengerechte Zugänge, all das, was wir hier nicht haben.

Anders als bei Ihrer Vorgängerin klingt es bei Ihnen so, als sei der Umzug Richtung Schloss eine durchaus gute Lösung?

Für das Haus als Museum ist das ein wichtiger Entwicklungsschritt.

Der neue Standort liegt im Westen, wäre einer im Osten der Stadt, Nähe Kollwitzplatz, wo die Künstlerin gelebt und gearbeitet hat, nicht authentischer gewesen?

Darüber wurde nachgedacht, es gab auch Angebote für den Prenzlauer Berg. Doch wir sind unserem Stifter Hans Pels-Leusden verpflichtet, einem West-Berliner Urgestein, dem das Museum die Sammlung verdankt. Darauf muss man Rücksicht nehmen.

Die junge Generation kennt Käthe Kollwitz nicht mehr. Wie wollen Sie das ändern?

Mein Anliegen ist es, die jüngeren Generationen an wirklich qualitätsvolle Kunst heranzuführen und Bildung Ernst zu nehmen, das geht immer über die Museumspädagogik. Sie muss an diesem Haus massiv verstärkt und ausgebaut werden. Über diesen Zugang – von Schulen bis hin zu Universitäten – kann man jüngere Leute für Kollwitz auch interessieren und begeistern.

Im vergangenen Jahr wurde in Berlin Kollwitz’ 150. Geburtstag groß gefeiert. Wie aktuell ist die Künstlerin heute noch?

Was man von Kollwitz unbedingt lernen kann, ist Empathie. Dieses Mitfühlen mit Menschen ist in der heutigen Zeit verloren gegangen. Käthe Kollwitz hat Bilder gefunden für ganz essentielle Themen wie „nie wieder Krieg“ und Hunger. Und wenn wir uns heute die Kriegsschauplätze anschauen, all die Flüchtlingsdramen, kann man sagen, sie hat in den 1910- und 1920er Jahren Bilder entworfen, die heute verstanden werden. Sie ist so aktuell wie lange nicht mehr. Wobei mich am meisten interessiert, sie stärker in ihre eigene Zeit einzubinden. Verständlich zu machen, was für eine Künstlerin sie war, sie war eine Größe in der Kulturszene, bestens vernetzt. Das ist in den bisherigen Darstellungen immer so ein bisschen vernachlässigt worden gegenüber ihrem großen sozialen Engagement.

Und was kann man in der Museumspädagogik tun?

Wir sind als Haus zum Glück so klein, dass wir dem Besucher abverlangen können, dass er sich ein bisschen Zeit nimmt, um „sehen zu lernen“. Es gibt in der Museumspädagogik mittlerweile eine Bewegung „Slow Art“, die ich hier am Haus einführen möchte. Man hetzt eben nicht in einer Viertelstunde durch das Museum, sondern beschäftigt sich eine halbe Stunde mit nur einem einzigen Kunstwerk. Man sieht Details, verlässt sich auf seine Gefühle. Da gibt es eine wachsende Anzahl an Liebhabern, die das zu schätzen weiß. Vielleicht werden wir das zur „Langen Nacht der Museen“ in Berlin starten.

Wie sieht der Zeitplan aus? Wann ziehen Sie aus?

Der Vertrag läuft Ende des Jahres aus, wobei wir in der Fasanenstraße bleiben können bis unser Quartier hergerichtet ist. Das soll 2019 sein, davon gehen wir aus.

Zehn Jahre haben Sie am Museum in Passau gearbeitet. Was hat sich seither verändert in der Berliner Kunstszene?

Es ist alles sehr viel schneller geworden im Bereich der bildenden Kunst, auch bei den Museen. Ich sehe manche Tendenzen, etwas zu verknappen, sich auf Highlights zu konzentrieren, um sich dem schnellen Nutzen anzupassen. Manchmal macht mir das Sorgen. Denn manchmal fehlt die Tiefe.