Kultur

Ein Museumsumzug und ein Neustart in der Hauptstadt

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Gabriela Walde

Josephine Gabler übernimmt die Leitung des Kollwitz-Museums

Ganz leicht wird ihr Neustart in Berlin sicher nicht werden. Josephine Gabler, die am 1. April nächsten Jahres das Amt als Direktorin des Käthe-Kollwitz-Museums antritt, trifft auf die unsichere Standortfrage des Hauses. Bernd Schultz, Ex-Patron der Villa Grisebach, dessen „Stiftung Bernd Schultz in Erinnerung an Hans Pels-Leusden“ das Haus gehört, plant ein neues Exil-Museum, das künftig in den Räumen der Fasanenstraße sein Domizil haben könnte.

Auf diese Situation ist Gabler, Jahrgang 1961, eingestellt, derzeit leitet sie noch das Museum Moderner Kunst Wörlen in Passau. Berlins Museumsszene kennt sie gut, die Stadt ohnehin, sie wuchs hier auf, machte ihr Abitur, ihr Studium der Kunstgeschichte schloss sie an der Freien Universität ab. Das Thema Käthe Kollwitz war Teil ihres Abschlusses. Bis 2007 war sie Mitarbeiterin im Georg-Kolbe-Museum in Westend, dort zuständig nicht nur für Planungen und Organisation, sondern auch für den Anbau und Renovierungsarbeiten im Haus. Diese Erfahrungen dürften ihr im Kollwitz-Museum helfen.

Im Haus geht man nach wie vor davon aus, dass die Kündigung Ende 2018 wirksam wird. Der Trägerverein ist weiterhin auf der Suche nach einem geeigneten neuen Standort. Es gibt Optionen, mehr möchte keiner sagen. „Das Kollwitz-Museum wird 2019 in Berlin präsent sein“, so formuliert es Eberhard Diepgen, der Vorstandsvorsitzende des Museums. Die bisherige Direktorin des Kollwitz-Museums, Iris Berndt, hatte ihr Amt im Sommer aufgegeben, wohl auch wegen der unsicheren Situation.

Wissenschaftlich ist das Haus gut aufgestellt, die Einrichtung des Depotraums hatte Iris Berndt vorangetrieben. Gabler setzt weiterhin auf bewährte Sonderausstellungen, den Bereich Museumspädagogik, der ihr besonders am Herzen liegt, möchte sie ausweiten. Kollwitz, die drei Systeme erlebte und als erste Frau in die Akademie aufgenommen wurde, sei in der Rezeption vor allem sozialpolitisch verankert, sagt sie. In der öffentlichen Wahrnehmung würde oft „der Blick auf sie als Künstlerin“ verstellt. Dieses Thema möchte sie in den Fokus nehmen. Da wäre dann ein Brückenschlag in die Gegenwart sinnvoll. Stärker herausarbeiten möchte sie zudem die Wirkung von Kollwitz als Person der Zeitgeschichte.

( Gabriela Walde )