Der „Tatort“-Hype scheint allmählich nachzulassen. Eine Zeit lang sah es so aus, als müsste jeder Schauspieler, der was auf sich hält, in der erfolgreichsten Fernsehreihe der Nation eine Dienstmarke tragen. Aber immer mehr machen in letzter Zeit Schluss, wie Joachim Król, Martin Wuttke, Eva Mattes oder demnächst Devid Striesow und Sabine Postel. Stars, die dann durch nicht mehr ganz so prominente Kollegen ersetzt werden. Ein echter Exodus.

Besonders schmerzen dürfte es die ARD, dass gerade jüngere Schauspieler, mit denen man den notorisch hohen Altersdurchschnitt der öffentlich-rechtlichen Zuschauer senken will, zwar gern mal in die Krimireihe reinschnuppern, aber schon bald die Nase voll haben wie Alwara Höfels oder das ganze Erfurt-Youngster-Team um Friedrich Mücke.

Seit langem schon hadert Hoppe mit seiner Rolle

Bei dem ersten Abgang 2018 verhält es sich freilich anders. Andreas Hoppe ist schon seit 1996 der Ko-Kommissar in den Ludwigshafener Fällen mit Ulrike Folkerts. Und lange waren sie auch das seltsamste Ermittlerpaar beim „Tatort“, weil sie sogar zusammen wohnten. Die Zweck-WG indes war irgendwann vorbei, und in den letzten Jahren wirkte Hoppe arg lustlos.

Das war’s: Nach 21 gemeinsamen Jahren lässt Kopper Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) allein
Das war’s: Nach 21 gemeinsamen Jahren lässt Kopper Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) allein © dpa | Roland Suso Richter

Mal war er nach Italien verreist und nur per Handy präsent, und in der sehr experimentellen, aber auch umstrittenen Improvisations-Folge „Babbeldasch“, die an einer Laienbühne spielte, saß er nur grummelnd im Publikum. Seit das Team frauenquotentechnisch um die junge Kollegin Lisa Bitter verstärkt wurde, hadert Hoppe mit seiner Rolle. Und konnte sich mit Änderungswünschen nicht durchsetzen.

Wenn nichts mehr geht, dann geh’: Nach 21 Jahren ist Hoppes 57. Fall nun auch sein letzter. Den macht ihm der SWR immerhin zum Abschieds-Präsent. Die Folge heißt nicht nur „Kopper“, einmalig steht nicht Folkerts Figur Lena Odenthal im Fokus, sondern der grummelnde Mario Kopper. Dessen italienische Wurzeln wurden in den letzten Jahren immer mehr betont. Diesmal trifft er nun zufällig auf einen Freund aus Kindheitstagen (Michele Cuciuffo). Und wie das so ist, wenn Kommissare in Krimis privat werden wollen, wird dieser gleich von Mafiakillern umringt.

In seinem letzten Fall muss Kopper einen Jugendreund (Michele Cuciuffo) retten
In seinem letzten Fall muss Kopper einen Jugendreund (Michele Cuciuffo) retten © SWR/Roland Suso Richter | SWR

Kopper schießt in Notwehr, gerät deshalb selbst unter Mordverdacht. Und versteckt den Freund auch noch bei sich in der Wohnung, statt ihn aufs Revier zu bringen. Er macht also so ziemlich alles falsch, was man als Hauptkommissar falsch machen kann.

Ein solcher Gewissenskonflikt zwischen Freundschaft und Berufsvorgaben ist schon mal ziemlich viel für die doch eher drögen Ludwigshafener Fälle. Mit Roland Suso Richter hat man sich auch einen bewährten Spannungsregisseur gewählt, der das Nötigste an Drama herauszukitzeln sucht. Aber trotz alledem bleibt der Eindruck, dass dieses Team nach all den Jahren doch allzu routiniert agiert. Der Abgang Hoppes ist da nur konsequent. Fragt sich nur, ob nicht auch Ulrike Folkerts, die ja sogar schon seit über 28 Jahren die Kommissarin gibt, mal langsam ihren Dienst quittieren sollte.

„Tatort: Kopper“ ARD, 7.1., 20.15 Uhr