Sophie Rois hat die Volksbühne verlassen – nachdem sie dort 25 Jahre lang Triumphe gefeiert hat. Ein bedauerlicher Schritt. Aber überraschend war ja eher, dass die schrullige Österreicherin mit der schrillen Stimme überhaupt geblieben ist. Als die Ära Castof an der Volksbühne so unwürdig beendet wurde, haben fast alle Weggefährten mit ihm zusammen das Haus verlassen. Nur ausgerechnet Sophie Rois, deren Karriere so eng mit der seinen verknüpft war, blieb als eine von nur ganz wenigen Schauspielern im Ensemble. Das hat keiner verstanden. Sie nahm dann auch erst mal eine Auszeit.

Damals kursierten Gerüchte, sie sei schwer erkrankt und würde die Anstellung als Rückversicherung beibehalten. Nun aber bezog sie erstmals Stellung, und die klingt ganz anders. „Ich habe mir ein Jahr frei genommen, um zu beobachten, was da passiert“, sagte die 53-Jähirge am Freitag. Sie tat das nicht etwa in Berlin, sondern im Hessischen Rundfunk.

Späte Kritik an Renner und Dercon

In Hessen hat sie gerade den Gertrud-Eysoldt-Ring verliehen bekommen. Pikanterweise „als ausdrückliche Würdigung für ihr langjähriges Bekenntnis zum Ensembletheater an der Berliner Volksbühne“, wie es in der Würdigung hieß. Ob sie so Ausgezeichnete nun um mehr Haltung bemüht ist?

Reichlich spät wettert sie gegen Tim Renner und seine Ernennung von Chris Dercon: Da „kam ein Manager von einer Plattenfirma und hat mal so launig eine Entscheidung getroffen.“ Ihren Abschied habe sie bereits am 2. Dezember eingereicht. Dieser Schritt, meint sie, „war überfällig“. Da werden viele zustimmen. Fragt sich halt nur, warum sie ihn nicht längst getan hat.