Ein paar Standing Ovations, ein paar Buhrufe – das Premierenpublikum der ersten Uraufführung an der neuen Volksbühne wirkt gespalten wie das Land bei der Bundestagswahl. Es sieht dabei – Altersstruktur, Outfit – aus wie ein ganz normales Premierenpublikum. Und irgendwie erinnert „Women in Trouble“ von Susanne Kennedy auch an die Jamaika-Verhandlungen: manchmal an die Substanz gehend, insgesamt zu lang und ohne eindeutiges Ergebnis.

Wenn Kennedy, 1977 geboren, jedoch etwas nicht sein will, dann eindeutig. Ihr Stück ist eine Meditation über Leben und Tod, über Subjekte und Entgrenzung, lose gewoben um die Krankheitsgeschichte der Schauspielerin Angelina Dreem (sprich: Traum). Andeutungen eines linearen Plots gibt es nur zu Anfang: Dreems Leben als mittelerfolgreiche Darstellerin, zwischen Mann, Mutter, Liebhaber und übergriffigem Regisseur. Eine Schwangerschaft. Verlust des Kindes. Dann die Diagnose: Krebs.

Ab der Hälfte des fast dreistündigen Abends mäandert die Inszenierung David-Lynch-artig durch assoziative Szenenfolgen. Alles spielt auf einer bunten, sich permanent drehenden Bühne. Mehrere Schauspielerinnen spielen die Schauspielerin Dreem, alle tragen Latexmasken, alle synchronisieren vorab produzierte Tonspuren: von Kennedy aus Serien, Büchern, Internet zusammengetragenes Material, das sie von Laien hat einsprechen lassen. Alles auf Englisch, mit deutschen Übertiteln. Wir sind ja in Berlin. Diese Ballung an Verfremdung ist eine Lieblingstechnik der Regisseurin. Spätestens wenn mehrere Dreem-Darstellerinnen in verschiedenen Bühnenräumen gleichzeitig in den Blick kommen, leicht versetzt denselben Text sprechen, als ginge eine Seele von einem Körper in den nächsten über, gewinnt das eine verstörende Kraft. Wer ist da Mensch, wer Cyborg? Und was bitte heißt „real“, was „Fiktion“?

Es gibt durchaus ermüdende Momente, in denen dieses Ambient-Theater sich endlos um sich selbst zu drehen scheint. Nach einer Weile glaubt man, das Prinzip verstanden zu haben. Leute stehen auf und gehen. Susanne Kennedy aber folgt einfach ihrem Werk, ohne sich irre machen zu lassen vom Trubel um Castorf, Dercon und Co. Das kann man beruhigend finden, oder ein wenig langweilig – je nachdem, welchem Lager man angehört. Gehört man keinem an, kann es einen auch seltsam indifferent entlassen. Vielleicht ist das ja die Zukunft der Volksbühne: ein beherztes „Na ja“.