Musical in Berlin

Zum Heulen gut: Musical "Ghost" im  Theater des Westens

Das Musical nach dem bekannten Film mit Patrick Swayze startete am Donnerstag in Berlin. Es gibt packenden Bühnenzauber.

Alexander Klaws und Willemijn Verkaik als Sam und Molly in "Ghost"

Alexander Klaws und Willemijn Verkaik als Sam und Molly in "Ghost"

Foto: Johan Persson/Stage

Berlin. Aufmerksamkeit. Jedes Bühnenstück buhlt darum, jeder Schauspieler sowieso. Und Zusammenarbeit – ohne die läuft nichts am Theater. Da ist es schon sehr knifflig, ja geradezu kontraproduktiv, wenn ein Stück davon handelt, dass einer auf der Bühne steht und keiner ihn wahrnimmt. Dass alle an ihm vorbei-, ja fast in ihn hineinlaufen und er mit keinem kommunizieren kann. So geht es Sam Wheat in "Ghost – Das Musical", das am Donnerstag triumphale Premiere im Theater des Westens feierte. Gerade ist der Mann auf der Straße getötet worden, noch rennt er seinem Mörder nach, vergeblich, kehrt zu seiner Freundin zurück. Doch die beugt sich über eine Leiche. Seine Leiche. Sam ist tot, er steckt aber fest, kann noch nicht ins Jenseits. Und muss damit leben, dass keiner ihn wahrnimmt. Sowas klappt ja nicht immer auf der Bühne. Man hat schon Geister gesehen, die gegen Kulissen rennen, und Castmitglieder, die den Geist anrempeln. Aber hier klappt das vorzüglich. Und die absolute Isolation wird grausig nachvollziehbar.

Jeder kennt den Film aus den 90er-Jahren. Damals, in "Ghost – Nachricht von Sam" spielte der Schmachtestar Patrick Swayze den Sam. Und Demi Moore seine Molly, die er beschützen muss, weil sein Mörder auch ihr auflauert. Und Whoopi Goldberg gab die quasselige Spiritistin, die behauptete, mit Geistern in Kontakt zu treten, und es mit Sam das erste Mal auch wirklich kann. Der Film lebte von so schnulzigen wie urkomischen Momenten. Und von ein paar damals irren Spezialeffekten, wie der Geist lernt, durch Türen zu gehen und Dinge zu bewegen. Das klappt auch hier vorzüglich. Gerade noch schwelgen Alexander Klaws als Sam und Willemijn Verkaik als Molly in ihrer Liebe, da muss sie ihre Trauer herausschreien und er seine Einsamkeit. Als Liebesduett ohne Berührung. Da verschwindet Herrn Klaws' Hand wirklich in der Tür. Und dann geht er leibhaftig durch sie hindurch. Großartiger Budenzauber, magische Illusion.

Und dann kommt Marion Campbell ins Spiel, in der Rolle, die Whoopi Goldberg einen Oscar brachte. Diese Oda Mae sorgte schon im Film für die nötigen Lacher, um die Tragik aufzuhellen, und das gelingt auch Miss Campbell. Aber die bringt mit ihrer röhrenden Stimme auch noch Gospel-Groove in das bis dahin ziemlich balladenhafte Musical, so dass man gleich noch an einen anderen Goldberg-Stoff denken muss, "Sister Act", was ja auch kürzlich am Theater des Westens als Musical zu sehen war.

Endlich mal wieder eine Deutschland-Premiere

Nachdem "Ghost – Das Musical" schon am Broadway und am Londoner West Ende zu sehen war, kommt es nun ans TdW, womit das Haus endlich mal wieder eine Deutschland-Premiere feiern kann. Und Regisseur Matthias Davids findet wie mühelos die Balance zwischen tollem Klamauk und großen Gefühlen. Sein Bühnenbild ist ziemlich leer, nur ein paar Säulen, die die Baustelle von Sams und Molly neuer Wohnung darstellen, aber sich mittels Bildprojektionen schnell in eine Bank, eine U-Bahn oder Oda Maes Spiritistensalon verwandeln. Grandios auch die vielen kleinen Bühnentricks, wenn Objekte wie von Geisterhand durch die Luft sausen oder die Tür flüssig wird. Bei den Proben, so hört man, soll das noch nicht immer geklappt haben. Zur Premiere aber ist die Illusion perfekt.

Alexander Klaws, den viele noch immer nur als ersten Finalisten von "Deutschland sucht den Superstar" kennen, obwohl er sich in den letzten Jahren als großer Musical-Darsteller entwickelt hat, kehrt jetzt als Sam ans TdW zurück, wo er einst 2006 mit "Tanz der Vampire" sein Bühnendebüt gab. Es ist eine triumphale Heimkehr. Willemijn Verkaik ist ganz anders als Demi Moore im Film, viel selbstbewusster, viel stärker und auch stimmlich überwältigend. Und Marion Campbell als Oda Mae rockt den Laden und droht den anderen ständig die Schau zu stehlen.

Nur die Lieder von Dave Stewart und Glen Ballard zünden nicht immer. Nur einige Titel wie "Hier und jetzt" oder das Finale vor der Pause haben das Zeug für einen Ohrwurm. Und "Unchained Melody", den Song, der schon im Film ein Hit war, wird hier noch mal zu einer ganz großen Nummer. So ist "Ghost – Das Musical" mit wenigen Abstrichen packender Bühnenzauber und berührendes Melodram zugleich. Bei dem am Ende keiner ohne Pipi im Auge bleibt.

Stage Theater des Westens, Kantstr. 12, Charlottenburg. Kartentel.: 0180-54444. Di-So 19.30 Uhr, Mi 18.30 Uhr, Sa/So auch 14.30 Uhr.

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