Ghost – Das Musical

Alexander Klaws: "Berlin ist wie nach Hause kommen"

Im Theater des Westens gab der erste DSDS-Sieger 2006 sein Musicaldebüt. Jetzt kehrt Alexander Klaws mit „Ghost – Das Musical“ zurück.

Hier hat er 2006 sein Bühnendebüt gegeben, hier spielt er nun ein Jahr lang in „Ghost“: Alexander Klaws im Theater des Westens

Hier hat er 2006 sein Bühnendebüt gegeben, hier spielt er nun ein Jahr lang in „Ghost“: Alexander Klaws im Theater des Westens

Foto: Reto Klar

Berlin. Als "Ghost - Nachricht von Sam" 1990 ins Kino kam, war er gerade mal sieben Lenze jung. Alexander Klaws hat den Film erst so mit elf, zwölf Jahren, so genau kann er sich nicht erinnern, im Fernsehen gesehen. Aber der Film hat sich eingebrannt. Ein Geist, der durch Türen gehen kann. Und stöhnende Schatten, die aus dem Boden kommen und den Bösen mit nach unten ziehen. In seiner Jugend seien die Filme mit Patrick Swayze dann hoch und runtergelaufen, die hätten einen unweigerlich begleitet.

Nun steht der 34-Jährige auf der Bühne des Theaters des Westens, um ebenfalls eine Nachricht aus dem Jenseits zu schicken. In "Ghost – Das Musical", das derzeit geprobt wird und am Donnerstag Premiere hat. Mit Klaws in Swayzes Rolle als Sam Wheat, der getötet wird, aber noch nicht in den Himmel kann, weil er seine Frau, mittels eines menschlichen Mediums, warnen muss.

"Es sind definitiv große Fußstapfen, in die ich da trete", gibt der Wahl-Hamburger zu. Es ist zehn Uhr morgens im Spiegelfoyer des Theaters, die Proben beginnen erst in einer Stunde. Und klar, jetzt werden ihn alle mit Swayze vergleichen. Aber es gibt ja auch ein paar Parallelen. "Ich kann nicht so leicht ,Ich liebe dich' sagen, wie Swayze im Film", gibt Klaws offen zu.

Diesen Teil seiner Figur könne er total nachempfinden. "Und als ich 2014 bei ,Let's Dance' mitgemacht habe, habe ich Swayzes großes Finale aus ,Dirty Dancing' nachgetanzt. Damit war ich schon mal erfolgreich." Natürlich sei sein Sam eine ganz andere Figur. Aber er sei sich der Verantwortung schon bewusst. Es könnten ja einige Zuschauerinnen kommen, die noch Swayze nachschmachten.

Übers Musical neu erfunden

Es werden freilich auch nicht wenige kommen, um ihn selbst anzuschmachten. Alexander Klaws, das war der Gewinner der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". 2003 war das, er war gerade 19 und plötzlich berühmt. Dieter Bohlen produzierte Platten mit ihm, die sich millionenfach verkauften.

Ein einziges Mal in der ganzen Castingshow konnte man wirklich glauben, dass der Gewinner danach ein Star werden könnte. Klaws hat sich dann aber bald von Bohlen getrennt. Macht seither seine eigene Musik. Und hat dann noch eine richtige Musical-Ausbildung absolviert. Er war an einem Punkt angelangt, wo es mit der Musik nur schlechter werden konnte. "Ein Negativhype war auch schon zu spüren." Übers Musical habe er sich dann noch mal neu erfunden.

Sein Bühnendebüt gab er dann in Berlin, im Theater des Westens (TdW): 2006 als Alfred in "Tanz der Vampire". Seither hat er sich zu einem der erfolgreichsten deutschen Musical-Darsteller gemausert. "Tarzan" in Hamburg und Oberhausen oder "Jesus Christ Superstar" in Dortmund und Basel. Ohne darüber seine eigene Musik zu vernachlässigen. Bei "Tarzan" hat er auch seine Jane, die Musical-Kollegin Nadja Scheiwiller kennengelernt, mit der er auch oft auf der Bühne steht.

Was ist extremer, was laugt mehr aus? Eine Rolle, die physisch fordert wie der Tarzan, der an Lianen meterhoch über den Bühnensaal saust? Oder ein Jesus, der Tag für Tag gepeinigt und gekreuzigt wird? Bei einem "Tarzan", meint er, sei man zwar nach der Vorstellung völlig fertig und ausgelaugt, geht aber ganz vergnügt nach Hause. Es ist ja ein Disney-Stoff, und Tarzan bekommt am Ende seine Jane. Vor allem hat man auch viel Sport gemacht. Der Jesus sei dagegen ein Seelenstriptease, das mache was mit einem, das werde man auch nicht mehr so schnell los.

Auch "Ghost" sei so ein Seelenritt. Jeden Abend wird er auf der Bühne feststellen, dass er tot ist. Und dass er doch noch nicht gehen kann, bevor er seiner Molly doch noch seine Liebe gestanden hat. Das wird auch für seine Partnerin Willemijn Verkaik ein tägliches Tal der Tränen. Dagegen muss man sich wappnen. Aber da hat Klaws ja ein ganz natürliches Mittel: Er ist vor zehn Monaten Vater geworden. Und will, wenn er jetzt ein ganzes Jahr in seiner Berliner Zweitwohnung wohnt, so viel wie möglich von seinem Kind mitbekommen. "Das allein wird mich schon gehörig erden."

Wird Klaws eigentlich immer noch auf "DSDS" angesprochen? Für einen kurzen Moment schaut er uns fast ungläubig an. Ja, klar! "Aber", sagt er und betont: "großes Aber! Damals war es noch ein großes Kompliment, da zu gewinnen." Die neuen Staffeln hätten nichts mehr mit dem Ursprung zu tun. "Damals mussten wir auch alle Karten auf den Tisch legen, damit sie uns schützen konnten. Heute ist es eher so, dass man alle Karten auf den Tisch legen muss, damit die richtig ausgeschlachtet werden."

Man merkt ihm förmlich an, wie stolz er darauf ist, sich daraus befreit zu haben und einen eigenen Weg gegangen zu sein. Wie fühlt sich das nun an, wieder im Theater des Westens zu spielen? Dem Haus, in dem seine Musical-Karriere begann? "Das ist jetzt wie nach Hause kommen", sagt der Sänger. "Alles hat hier angefangen." Damals war er ja noch ganz aktiv bei "Top the Pops" und "Deutschland Konservativ Pop".

"Für mich war das hier der Startschuss in eine andere Welt." Das TdW sei nicht nur eine der schönsten Bühnen der Welt, in deren Wänden viele Erinnerungen steckten. Aber es stecken auch schon Erinnerungen von ihm drin. "Und jeder Verlaufer, der mir in diesen Treppenhäusern passiert ist", grinst er, "passiert mir gerade wieder."

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