Berlin-Konzert

Disney liefert in der Waldbühne den Soundtrack zum Träumen

Tarzan, Dschungelbuch oder Arielle - Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin spielt die schönsten Disney-Klassiker in der Waldbühne.

Disney in Concert: Alexander Klaws singt Filmklassiker

Disney in Concert: Alexander Klaws singt Filmklassiker

Foto: Davids

Das hätte sich Walt Disney selbst nicht besser ausdenken können. Kaum zaubert sich das berühmte Schloss auf die Leinwand der Waldbühne, so wie zu Beginn jeden großen Disney-Märchens, klämpft sich die Sonne doch noch durch die Wolken. Und als das deutsche Symphonie-Orchester Berlin die Instrumente zur Hand nimmt, da ist der Himmel plötzlich blau.

Dabei waren die Voraussetzungen für „Disney in Concert“ nicht die besten. Die deutsche Nationalelf als Konkurrenz, den Himmel den ganzen Sonnabend voller Regenwolken, die Temperaturen herbstlich. Wer die Schlammlawinen der vergangenen Musikfestivals im Kopf hatte, die Konzertbesucher in ihren Plastikparkas und Gummistiefeln, der bangte schon um das Open-Air-Feeling.

Unnötig, klar. Denn die bewährte Disney-Diktion hat sich wohl um ein Happy End gekümmert. Peter Pan fliegt über die Leinwand, Mary Poppins hebt mit dem Regenschirm ab und Susi und Strolch geben sich ihren Spaghetti-Kuss. Ein wildes Disney-Medley beginnt den Abend. Da tänzelt sogar Micky Maus im Pagenkostüm über die Bühne.

Es geht ums Träumen. Dirigent David Newman ist da ein Spezialist. Er komponierte Musik zu mehr als 100 Filmen, führt Filmmusik in der größten Freilichtbühne Hollywoods auf. Jetzt treibt er die Berliner Musiker durch die Märchen-Zeitreise, immer mehr der Gegenwart entgegen.

Das kam im vergangenen Sommer ja bereits so gut an, dass man jetzt nachlegen wollte. Es ging nicht ganz auf. 11.000 Karten wurden verkauft, die Waldbühne war also nicht ausgelastet. Einige Ränge bleiben ganz leer. Die Disney-Crew und die fünf Solisten stört es nicht. Die verwandeln die Waldbühne in ein Musical.

Dschungel-Songs feuriger als im Film

Alexander Klaws und Willemijn Verkaik machen das routiniert. Die beiden Musicaldarsteller singen das Duett aus „Tarzan“ so feurig, dass die Phil-Collins-Romanze „Dir gehört mein Herz“ der Leinwand von der Bühnenversion übertrumpft wird. Sie schmachten sich über ihre Mikros hinweg an, halten Händchen, besingen die Liebe.

Mit den beiden haben sich zwei Profis für das Stück gefunden. Klaws spielte lange den Tarzan, Verkaik die Affenmutter in der Musicaladaption. Dass auch Lars Redlich und Lucy Scherer, die anderen Solisten, vom Fach sind, ist unzweifelhaft. Denn Redlich singt die Hymne des Affenkönigs „Ich wär so gern wie Du“ aus dem Dschungelbuch mit Chuzpe. Er lässt sich vom Orchester treiben, tanzt äffisch über die Bühne, während Mogli auf der Leinwand hinter ihm die Abenteuer im Urwald sucht.

Immer wieder taucht man so ab in einen anderen Disneykosmos. Mit der Sängerin Oonagh, die abseits der Bühne auf den Namen Senta-Sofia Delliponti hört, zum Beispiel in die Welt von Pocahontas. Die holt sie nach Berlin. Denn sie tanzt barfuß in einem glutroten Fransen-Kleid, lässt ihre Mähne genau wie die Leinwandheldin im Wind wehen, besingt inbrünstig die Schönheit der Natur. Bewährtes Terrain für die Berlinerin, gewann sie doch für ihren keltischen Ethnopop unlängst einen Echo.

Als Nebel über die Bühne zieht, Glitter so zart wie Schnee ins Publikum regnet und sich im Hintergrund das Eisschloss der Schneekönigin formt, versetzt es im Publikum die Mädels in den Prinzessinnenkostümen in Aufruhr, wohl die treusten Fans der Eisprinzessin Elsa. Denn Willemijn Verkaik, die ihr im Film „Frozen“ die Singstimme lieh, wirbelt in einem eisblauen Kleid durch den Schnee und singt von der Freiheit.

Von dort setzt sich die Märchenreise immer weiter fort. Fast hätte man ja vergessen, wie viele Welten Disney da mittlerweile bearbeitet hat. Die Waldbühne wird zur Unterwasserwelt von Arielle, zum fernen China mit Mulan, das Afrika des Königs der Löwen, sogar zum Piratenschiff der Karibik. Als die Symphoniker sich dorthin begeben, den Soundtrack von „Fluch der Karibik“ anspielen, jauchzt das Publikum. Erst tänzelnd, dann tragend, zeigt diese orchestrale Version die ganze Wucht ihrer Live-Musik.

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