Hauptrolle Berlin

Christoph Fisser stellt „Bridge of Spies“ im Zoo Palast vor

Hauptrolle Berlin: Steven Spielberg ließ für sein Agentendrama die Glienicker Brücke sperren. Der Film ist jetzt noch einmal zu erleben

Ein Mann will nach drüben: Unterhändler James Donovan (Tom Hanks, M.) will in den Osten der Frontstadt

Ein Mann will nach drüben: Unterhändler James Donovan (Tom Hanks, M.) will in den Osten der Frontstadt

Foto: © 2015 Twentieth Century Fox

Rund um den ersten Advent 2014 ging nichts mehr an der Glienicker Brücke. Der kleine Grenzverkehr zwischen Berlin und Potsdam war über mehrere Tage weiträumig lahmgelegt, auch der Schiffsverkehr wurde behindert. Selbst Journalisten und Zaungäste hatten keine Chance, sich das von nahem anzusehen.

Einen Gast gab es aber doch: Angela Merkel stand bei beißender Kälte auf der Brücke, zwischen Hollywoodstar Tom Hanks und Kultregisseur Steven Spielberg, die hier die große Schlusssequenz zu „Bridge of Spies“, ihrem Politdrama über den ersten Agentenaustausch im Kalten Krieg zwischen Amerikanern und Russen an eben jener Stelle, drehten.

Die Frontstadt mit dem Blick von außen

In der Reihe „Hauptrolle Berlin“, in der die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast an jedem ersten Dienstag im Monat einen genuinen Berlin-Film zeigen, waren bislang immer nur deutsche Produktionen zu sehen, die etwas über die Stadt, ihre Zeit-Bilder oder das Lebensgefühl dort erzählten.

Berlin ist aber natürlich immer wieder – und immer öfter – auch Kulisse für internationale Produktionen, die aktuelle Staffel „Homeland“ wurde hier ebenso gedreht wie Teile des jüngsten Marvel-Comicfilms „First Avenger: Civil War“, der nächste Woche startet. Es ist daher höchste Zeit, die Stadt auch einmal mit dem Blick von außen zu erleben.

Und welcher Film würde sich da mehr anbieten wie Spielbergs Brücken-Thriller, der im November in den Kinos lief, für sechs Oscar nominiert war (und einen gewann) und nun am 3. Mai, kurz vor dem DVD-Release, noch einmal auf großer Leinwand zu sehen ist. Dabei wird leider weder Steven Spielberg noch einmal anreisen noch Tom Hanks seinen aktuellen Aufenthalt verlängern.

Aber auf der Bühne wird dennoch Prominenz erwartet. Zu Gast ist Christoph Fisser, einer der Chefs von Studio Babelsberg, der den Film koproduzierte, und Setdesigner Bernhard Henrich, der einer der Oscar-Nominierten war.

Erst ein New-York-, dann ein Berlin-Film

Dabei ist „Bridge“ erst mal lange kein Berlin-, sondern ein New-York-Film. Hier wird im Jahr 1957 der russische Agent Rudolf Abel (Mark Rylance) gefasst. Ihm wird der Prozess gemacht, das Todesurteil steht eigentlich fest, aber um zumindest den rechtsstaatlichen Schein zu wahren, wird ihm ein Anwalt zur Seite gestellt. Der ist eigentlich Versicherungsanwalt.

Aber weil er James Donovan ist, der sich bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen Meriten verdient hat, und weil Tom Hanks ihn spielt, der Inbegriff des redlichen Amerikaners, der stets für die Grundwerte der Nation einsteht, zur Not auch gegen diese selbst, nimmt der Prozess eine Wendung.

Warum ihn zum Tode verurteilen, wo man selbst Agenten hat, die dem Feind in die Hände fallen könnten? Das geschieht dann auch bald, als der US-Pilot Francis Gary Powers bei einem Spionage-Flug abgeschossen wird.

Der Film ist da schon etwa eine Stunde gelaufen, bis Donovan nun auch noch berufen wird, bei diesem Austausch selbst den Unterhändler zu spielen. Inoffiziell, damit man in der Öffentlichkeit sein Gesicht nicht verliert. So landet Tom Hanks im winterkalten Flughafen Tempelhof, muss die eben errichtete Mauer passieren und dem eisigen Frost der Frontstadt trotzen.

Er muss nicht nur mit den Russen verhandeln, sondern auch mit DDR-Schranzen, die in der Weltpolitik auch eine Rolle spielen wollen. Und obwohl man ja eigentlich weiß, wie das historisch alles endete, ist das packend inszeniert.

Spielbergs Kindheit im Kalten Krieg

Seine erste Promotionsreise, die Spielberg je für einen Film gemacht hat, führte ihn, gleich mit seinem Erstling „Duell“, 1972 nach Berlin. Es war sein erster Aufenthalt überhaupt in Europa. Und gleich nach der Ankunft wollte er den Checkpoint Charlie sehen.

Spielberg war selbst ein Kind des Kalten Krieges, hat die Propaganda der Angst in der Schule eingetrichtert bekommen. Und sein Vater reiste just als Pilot Powers abgeschossen wurde, im Zuge eines Wirtschaftsaustauschprogramms, nach Moskau.

Nicht zufällig spielt eine zentrale Sequenz des Films zwischen Donovan und dessen Sohn, der dem Vater zeigt, welche Maßnahmen er gegen einen möglichen Atomschlag gelernt hat. In dem Jungen ist Spielberg selbst zu erkennen, den die Zeit der kollektiven Hysterie geprägt hat.

Deshalb hat er diesen Film gemacht, mit amerikanischen und deutschen Schauspielern, deshalb durfte der nicht in irgendwelchen Kulissen gedreht werden, sondern musste, zumindest in den Schlüsselszenen, den Genius loci atmen.

„Bridge of Spies“ ist ein Denkmal für diesen guten Amerikaner Donovan. Er ist aber auch ein Denkmal für so ziemlich alles, was Spielberg in der Politik derzeit vermisst. Aufrichtigkeit, Diplomatie, Grundsätze.

In dieser Hinsicht ist sein 28. Film – auch wenn er ganz historisch daher kommt und die Atmosphäre der kollektiven Angst von damals beklemmend einfängt – auch eine Metapher auf unsere Tage. Wo die USA in Guantanamo mit ihren Gefangenen eben ganz anders umgehen. Und wo Ost und West, die Russen und die Amerikaner sich erneut unerbittlich gegenüberstehen, sei es bei der Krim-Annexion oder im Syrien-Konflikt.

„Bridge of Spies“ Zoo Palast, 3. Mai, 20 Uhr, in Anwesenheit des Koproduzenten Christoph Fisser, des Setdesigners Bernhard Henrich und des Schauspielers
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