Film

Lachen über Hitler: Dani Levys Nazi-Satire „Mein Führer“

Hauptrolle Berlin: Am Dienstag stellt Regisseur Dani Levy „Mein Führer“ im Zoo Palast vor. Seine Antithese zum Hitler-Drama „Der Untergang“.

Jeder Klamauk ist willkommen: Hitler (Helge Schneider) spielt Schiffeversenken im Schaumbad

Jeder Klamauk ist willkommen: Hitler (Helge Schneider) spielt Schiffeversenken im Schaumbad

Foto: dpa-Film X-Verleih / picture-alliance/ dpa

Wer am 5. März 2006 am Berliner Lustgarten vorbeiflanierte, glaubte seinen Augen nicht zu trauen: Riesige Hakenkreuzfahnen hingen vor dem Berliner Dom, Männer in SS-Uniformen standen Spalier, eine riesige Menschenmasse rief „Heil“. Und dann fuhr ein offener Wagen vor dem Alten Museum vor, dem ein Adolf Hitler entstieg, um auf den Treppen eine Rede zu halten. Nicht wenige Passanten waren irritiert und geschockt.

Aber es waren nur Dreharbeiten für einen Film. Dani Levy drehte hier die letzte Szene seiner Hitler-Komödie „Mein Führer“. Nun, zehn Jahre später, stellt er sie in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“; mit der der Zoo Palast und die Berliner Morgenpost an jedem ersten Dienstag im Monat einen genuinen Berlin-Film präsentiert, noch einmal vor.

Die erste Komödie über Hitler aus Deutschland

Mit den Dreharbeiten brandete gleich wieder die uralte Diskussion auf, ob man über Hitler lachen darf. Dabei wurde die schon zu dessen Lebzeiten längst beantwortet: mit Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ (1942), vor allem aber mit „Der große Diktator“ (1940), in dem Charles Chaplin den anderen Schnurrbarträger mit unverständlichem Schtonk-Gebrüll parodierte.

Seither ist der einstige Volksverführer längst zur Witzfigur der Popkultur verkommen. Nur in Deutschland hatte es bis dahin – trotz einiger Versuche von Achternbusch („Heilt Hitler“) oder Schlingensief („100 Jahre Hitler“) – keine nennenswerte Hitler-Parodie gegeben. Dann aber kam Levy.

Der Wahlberliner aus der Schweiz (dessen Mutter einst als Jüdin aus Berlin fliehen musste) hatte gerade erst mit „Alles auf Zucker!“ dem deutschen Film das zurückgeschenkt, was der Nationalsozialismus völlig ausgemerzt hatte: den jüdischen Witz. Damit hatte Levy den Deutschen auch gelehrt, dass man über Juden guten Gewissens lachen konnte. Da wagte er schon das nächste Tabu: die Hitler-Satire.

Sein Film setzt 1944 ein. Der totale Krieg scheint verloren, Hitler ist depressiv und glaubt nicht mehr an den Endsieg. Da fällt sein Propagandaminister Goebbels (Sylvester Groth) auf eine infame Idee: Ausgerechnet ein jüdischer Schauspieler, der ihn vor vielen Jahren schon einmal für den Reichsparteitag gecoacht hat, soll ihm zu alter Kraft verhelfen.

Dem Führer verschlägt es die Sprache

Eine Idee, die gar nicht so weit hergeholt ist: 1932 ließ Hitler sich von dem Opernsänger Paul Devrient im Wahlkampf begleiten. George Tabori hat daraus seine bissige Theaterfarce „Mein Kampf“ gemacht, in dem der Ausbilder zum Juden wird. Levy ging noch einen Schritt weiter, indem er seinem Juden Grünbaum (Ulrich Mühe), der auch noch mit dem Vornamen Adolf geplagt ist, dafür eigens aus dem KZ Sachsenhausen holen lässt. Heil Hitler wörtlich genommen: nicht als Gruß, sondern als Befehl. Den Grünbaum – „typisch jüdisch“ (O-Ton Levy) – derart übererfüllt, dass Hitler am Ende bekennt: „Der Jud tut gut.“

„Der große Diktator“ ist Levys erklärter Lieblingsfilm, ein (asiatisches) Originalplakat hängt in seinem Büro in Tiergarten und fällt jedem beim ersten Besuch dort sofort auf. So ist Levys „Führer“ auch eine Verbeugung vor jenem Klassiker. Und ähnlich wie bei Chaplin wo am Ende der Jude anstelle von Hitler eine Rede hält, muss hier Grünbaum dem „Führer“, dem es die Sprache verschlägt, soufflieren.

„Mein Führer“ kam zwei Jahre nach „Der Untergang“, Oliver Hirschbiegels Bunker-Drama mit Bruno Ganz in der Monsterrolle, in die Kinos. Und war natürlich auch eine Replik, ja eine Antithese darauf. Levy hatte zwar als Filmemacher Respekt vor dieser Arbeit und dem Vorhaben als solches. „Aber in seinem verbiesterten Ernst, seinem unbedingten Anspruch, authentisch zu sein, die absolute Wahrheit zu zeigen“, sagte uns der Regisseur damals, „fand ich ihn irgendwann lächerlich, unfreiwillig komisch. Und auch ärgerlich.“

Noch als dieser gedreht wurde, hatte Levy ein „Jucken im Finger“, einen Gegenfilm zu machen, sein Untertitel „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ zeugt noch davon. Das musste er dann aber erst einmal hinten anstellen – wegen „Zucker“.

Levy, der bis dahin eine ganze Reihe von Flops hingelegt hatte und sicher war, diese mit „Zucker“ um einen weiteren zu bereichern, war selbst überrascht von dem Riesenerfolg und den vielen Preisen, die er damit einheimste. Und wusste: dass war die einmalige Chance, jetzt noch eins draufzulegen.

Gefühlt spielt in „Mein Führer“ jeder mit, der bei dem „Untergang“ nicht dabei war, Ulrich Noethen wiederholte sogar seine Rolle als Himmler, diesmal als Knallcharge. Und in der Titelrolle brillierte Helge Schneider, die bekennende „singende Herrentorte“, die bis dato als Schauspieler kaum in Erscheinung getreten war, Hitler aber schon mal für Schlingensief gegeben hatte und in einer bizarren Maske kaum noch zu erkennen ist.

Den Gröfaz durch den Kakao gezogen

Diesen Gröfaz entzaubert Levy durch allerlei Klamauk: Wenn er ihn im senfgelben Trainingsanzug Liegestütze trainieren lässt. Wenn Hitler im Schaumbad Schiffe versenken spielt. Wenn er bei Eva Braun (Katja Riemann) keinen hochkriegt. Oder wenn ihm kurz vor der kriegsentscheidenden Rede eine Maskenbildnerin aus Versehen den Diktatorenbart wegschnippelt.

„Natürlich hätte ich es noch härter machen können“, bekannte Dani Levy damals. Er fand es aber schon so böse und drastisch genug. „Dies ist die erste Komödie über Hitler aus Deutschland“, sagte er damals. „Und vielleicht öffnet das ja die Tür für noch Böseres.“

Vor der letzten Bosheit schreckte Levy zurück

Nach einer Testvorführung in München, in der keiner recht lachen mochte, trennte er sich allerdings von seiner gewagten Rahmenhandlung, in der Hitler selbst als Erzähler fungiert – und am Ende als 117-Jähriger in einer spießigen Reihenhaussiedlung wohnt, über Demokratie und Merkel meckert und meint, er stünde „als Reichskanzler wieder zur Verfügung“.

Hitler im Hier und Jetzt – davor schreckte selbst Levy zurück. Vielleicht hat er damit aber Timur Vermes für „Er ist wieder da“ erst die zündende Idee gegeben. Sein Buchbestseller handelt ja genau davon. Und ist auch erst vor kurzem in Berlin verfilmt worden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zoo Palast, 5. April, 20.30 Uhr, in Anwesenheit von Dani Levy.
Tickets unter www.zoopalast-berlin.de
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