"Der Vampyr" in Berlin

Bei dieser Oper muss man sich auf viel Blut einstellen

Regisseur Antu Romero Nunes inszeniert „Der Vampyr“ an der Behrenstraße. Dabei fließt viel Kunstblut. Auf Buhrufe ist er eingestellt.

Von Haus aus ist er Theterregisseur: Oper ist das zweite Standbein von Regisseur Romero Nunes Regisseur

Von Haus aus ist er Theterregisseur: Oper ist das zweite Standbein von Regisseur Romero Nunes Regisseur

Foto: Massimo Rodari

Antu Romero Nunes nennt es ganz beiläufig eine Horroroper, und auf Buhs ist er heute Abend auch eingestellt. An der Komischen Oper hat Heinrich Marschners frühromantische Oper „Der Vampyr“ Premiere. Nunes hat sie inszeniert. Er hat die dreistündige Oper kräftig eingestrichen auf knapp anderthalb Stunden. Dafür werden sich die Besucher auf viel Blut einstellen müssen.

Gleich anfangs wird genüsslich eine Frau ausgeweidet. „Der Vampyr muss innerhalb eines Tages den Untoten drei Frauen opfern“, so Nunes. „Er macht quasi den Don-Giovanni-Parcour durch die Frauenwelt. Es ist dieses Katz-und-Maus-Spiel, das ihn reizt. Wie lange kann er mit der Frau spielen, bis er sie erledigt.“

Wagner hat alles aufgesaugt

„Der Vampyr“, 1828 in Leipzig uraufgeführt, war seinerzeit der Durchbruch des Komponisten. Dass Marschner später in Vergessenheit geriet, hängt vor allem damit zusammen, dass ein Genie wie Richard Wagner das Werk in sein eigenes aufgesogen und anderes überflüssig gemacht hat. Aber Nunes lässt das nicht gelten. „Es sind viele Sachen aussortiert worden und kamen irgendwann wieder.“

Er fand das Genre interessant, gerade auch, weil man es nicht oft gesehen hat. „Ich mag es, wenn die Leute ins Theater kommen und nicht genau wissen, was auf sie zukommt.“ Aber natürlich muss auch Nunes sich an Wagner reiben. Der „Vampyr“ sei eine Vorlage für den „Fliegenden Holländer“, aber er sehe auch Mozarts „Don Giovanni“ darin.

Es habe ihn auch interessiert, so Nunes, „was es mit der Ekelhaftigkeit des Sujets, wie es Wagner sagte, zu tun hat. Er hatte den ,Vampyr‘ dirigiert und auch etwas Musik hinzu komponiert.“

Ein Vampir ist kein Brezelverkäufer

Der 32-Jährige, von Haus aus Theaterregisseur, gehört zu den querdenkenden, blitzgescheiten Shootingstars des deutschsprachigen Theaters. Ein bisschen sieht sich der Sohn einer Chilenin und eines Portugiesen als Außenseiter. Geboren in Tübingen, ausgebildet an der Ernst Busch-Schauspielschule in Berlin, war er der jüngste Hausregisseur am Gorki-Theater. Inzwischen ist er es am Hamburger Thalia Theater. Oper ist sein zweites Standbein. Oder wie er es ausdrückt: „Jeder sollte so viele Sportarten wie möglich ausprobieren.“

Bei einem Vampyr-Stoff hat er sich natürlich an heutigen Sichtweisen zu orientieren, schließlich müsse er auch mit dem Film spielen. Es gehe um das sich Weiden am Ausweiden. „Ich finde es eklig, aber auch schön“, sagt Nunes: „Da blutet sich jemand zu Tode, und der Vampyr singt eine romantische Arie dazu. Das ist schon krass.“ Aber eine „Vampyr“-Oper ohne Blut, das ginge nicht. „Es ist ein Vampyr, kein Brezelverkäufer.“

„Der Vampyr“ Komische Oper Berlin, Behrenstr. 55-57, Mitte. Kartentel.: