Die Deutsche Oper will eine Neuinszenierung von Richard Wagners Mammutwerk „Der Ring des Nibelungen“ (vier Opern, 16 Stunden Musik) an der Bismarckstraße starten. Bereits vor einem Jahr wurde Regisseur Stefan Herheim für 2020 angekündigt.

Inzwischen ist bekannt, dass auch die Staatsoper, die dann bereits wieder in ihrem für 400 Millionen Euro sanierten Stammhaus Unter den Linden spielen wird, einen von Dmitri Tcherniakov gestylten „Ring“ anbieten möchte.

Dieser Doppelschlag der Starregisseure klingt spannend, ist aber nach den Regeln der Opernstiftung untersagt. Ein Opernhaus wird zurücktreten müssen. Was einfacher klingt, als es ist. Der Streit schwelt.

Weltweit einmalig

Dabei ist der Vorgang bemerkenswert: Eine Opernstadt wie Berlin kann ein solch exklusives Wagner-Angebot erwägen. Die Häuser und Künstler stehen bereit, das ist weltweit einmalig. Andererseits wird es vielen unanständig erscheinen, wenn sich eine Stadt, in der Behörden chronisch überfordert sind, man nicht weiß, wie man Bedürftige unterbringen kann, Schulen und Sportanlagen langsam verrotten, einen solchen kulturellen Luxus leistet.

Die Opernstiftung ist mal in Berliner Finanzkrisenzeiten gegründet worden, damit sich die Opernleute untereinander auf das attraktivste und vernünftigste Angebot für Berlin einigen. Diesmal drohen die Absprachen schiefzugehen. Die künstlerische Konkurrenz ist manchmal doch größer als das Miteinander.

Wer will einem Weltstar absagen?

Die Deutsche Oper beharrt darauf, ihren Anspruch auf einen neuen „Ring“ bereits 2012 angemeldet zu haben. Die Staatsoper hat vor allem ein Argument: Stardirigent Daniel Barenboim. Wer sagt schon einem Weltstar, dass er auf etwas verzichten soll, wofür die Menschen von weither anreisen?

Georg Vierthaler, Generaldirektor der Opernstiftung, will jetzt die Staatsoper davon überzeugen, ihren „Ring“ zu verschieben. Möglicherweise erleben wir gerade den Anfang vom Ende der Berliner Opernstiftung. Barenboim hat bereits sein Interesse bekundet, in die Obhut des Bundes zu wechseln. Der Hauptstadtkulturvertrag zwischen Bund und Land Berlin wird gerade verhandelt. Der „Ring“-Streit offenbart, dass sich die Opernstiftung überlebt hat.