Ausstellung

„Die Stadt und die Gesellschaft ist ein wichtiges Thema“

Paul Spies, Chefkurator im Humboldt-Forum und neuer Chef des Märkischen Museums setzt auf Berliner Bürgersinn.

Paul Spies, neuer Direktor des Stadtmuseums Berlin

Paul Spies, neuer Direktor des Stadtmuseums Berlin

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Es ist gut, dass Paul Spies weiß, was man in Berlin von ihm will: „Ich muss liefern“, sagt er, lacht, „ehrlich und transparent“. Um den Zeitplan für seinen Masterplan zu erklären, hat er ein Livestream nach Spandau schalten lassen. Dort befindet sich das Depot des Märkischen Museums mit einigen Mitarbeitern, die Abteilungsleiter des Museums sitzen in der ersten Reihe im Saal. Überrascht hat den Holländer schon, wie groß das Interesse am Humboldt-Forum und am Stadtmuseum ist, welche „unwahrscheinliche Hoffnung“ und welche „sehr hohe Erwartung“ an seine Person geknüpft sind.

Sanierung des Märkischen Museums und des Marinehauses

Spies hat eine nicht leichte Doppelfunktion, seit 1. Februar ist er offiziell im Amt. Er soll das Konzept „Welt.Stadt.Berlin“ für das Land Berlin als Chefkurator im Humboldt-Forum entwickeln und gleichzeitig das Stadtmuseum mit seinen fünf Standorten neu aufstellen. Dazu gehört auch die Sanierung des denkmalgeschützten Märkischen Museums („ein Labyrinth“) und zudem das Marinehaus („Ruinehaus“), das als ganz neues Ausstellungsdomizil erschlossen werden soll. Immerhin hat Spies Geld, mit 65 Millionen Euro von Bund und Land kann er kalkulieren. Viel Zeit aber hat er nicht, im Juli will er seinen Masterplan für beide Projekte vorstellen. Mit der Sanierung für das Märkische Museum und Marinehaus rechnet er ab 2019 – also nach der geplanten Eröffnung des Humboldt-Forums.

An der Wand lässt er ein riesiges Organigramm tanzen, um zu zeigen, welche Funktion ein modernes Stadtmuseum überhaupt hat. Es sei mehr als „ein Gebäude mit vier Wänden. Es ist ein Netzwerkmuseum, das in der Stadt anwesend ist, nicht immer prominent, aber stets aktiv.“ Berlinische Galerie, Topographie des Terrors, Holocaust-Mahnmal, Checkpoint Charlie, die Bezirksmuseen – all diese Häuser und Gedenkstätten sieht er quasi als Filialen einer Stadtlandschaft, die ihre Ressourcen gemeinsam in den Dienst des Publikums stellen mit Themen, die aufeinander abgestimmt sind. Die Stadt und ihre Gesellschaft sei ein wichtiges Thema, genauso wie die Religionen. Die Einrichtungen seien gut beraten, „nah an der Gesellschaft zu stehen und Bürgersinn und gemeinsame Verantwortung zu fördern“, findet er. Für viele mag das abstrakt klingen, aber Spies tickt eben anders als mancher Berliner Museumsmann. Erst die Themen und Erzählungen entwickeln, dann kann man sich über die einzelnen Objekte Gedanken machen. Ohnehin findet er Artefakte in Vitrinen nicht mehr zeitgemäß, „Glas schafft Distanz“.

Bauliche Veränderungen sind nicht möglich

Und die „Welt.Stadt.Berlin“ im Humboldt-Forum? Natürlich soll es nicht um ein „City-Marketing“ gehen, sondern um die Diskussion der Chancen und Probleme, die eine internationale Großstadt heute hat. „Berlin ist hier nur pars pro toto“ – ein Teil für das Ganze, sagte er. Er plant mit 10 Millionen Euro. Wenn es nach ihm geht, soll die Ausstellung länger als nur über die Eröffnungsphase bestehen, „weil sie sich beweisen muss“ und immer wieder neue Besucher und Gäste in die Stadt kämen. Der Berlin-Teil habe eine „Brücken“-Funktion zwischen der Stadt draußen und den Weltmuseen in den oberen Etagen. Allerdings müsste man sich die Frage stellen, was „das Schloss für die Berliner bietet, die alles schon gesehen haben“. Schließlich aber gäbe es noch die Sonderausstellungsflächen.

Große bauliche Veränderungen seien nicht nötig, versichert Spies. Am Klima und dem Licht könne man ohnehin nichts mehr ändern. Er wolle lediglich auf einige noch nicht hochgezogene Wände verzichten, die noch für die Bibliothek geplant waren. „Ich brauche keine Büros, ich brauche schöne Räume.“