Kultur

Unterschiedliches Zeitgefühl

Die Planungen Berlins im Humboldt-Forum stocken – Kritik am Regierenden Bürgermeister im Kulturausschuss

Michael Müller hievt einen dieser grauen Aktenordner auf den Tisch im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Der Regierende Bürgermeister blättert darin, schaut sich einzelne Seiten noch einmal durch. Neue Ideen zum Konzept „Welt.Stadt.Berlin“, vermutlich denken das die meisten Abgeordneten an diesem frühen Nachmittag. Es geht ja um den Stand des neuen Berliner Ausstellungskonzeptes, überhaupt um die Entwicklung des Humboldt-Forums. Sind technische Umbauten im Schloss nötig für die Berlin-Schau?

Richtig laut wird Gabriele Hiller von der Linkspartei. „Sie sollten sich sputen“, schimpft sie. „Das ist konzeptionslos, ein Skandal.“ Der Schlossbau wachse, doch inhaltlich Konkretes läge nach wie vor nichts vor. Auch Sabine Bangert (Grüne) kann diese Gelassenheit überhaupt nicht verstehen, mit der Michael Müller und sein Staatssekretär Tim Renner agieren. Hier werde, sagt sie, suggeriert, man hätte alle Welt der Zeit. Ganz an den Haaren herbeigezogen scheint das nicht. Der schottische Museumsmanager Neil MacGregor ist in die Generalintendanz berufen, dazu Paul Spies als Chefkurator für die „Welt.Stadt.Berlin“, doch beide sind als Direktoren derzeit noch bis mindestens zum Jahresende ihren Museen in London und Amsterdam verpflichtet. Nur „halbtags“ in der deutschen Hauptstadt. Vermutlich reichen die PS da nur bedingt für Berlin. Zumal sich Spies erst einarbeiten muss.

4000 Quadratmeter bekommt die Schau „Welt.Stadt.Berlin“

Hinzu kommt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren Plänen für die außereuropäischen Kulturen im zweiten und dritten Stock – alle beteiligten Institutionen müssen für die Gesamtplanung unter einen Hut kommen. Und da geht es natürlich auch um Empfindlichkeiten. Müller und Renner wiegeln ab, für eine normale Ausstellung plant man mit zwei bis zweieinhalb Jahren, vier hätte man noch bis 2019 zur Eröffnung. Doch 4000 Quadratmeter „Welt.Stadt.Berlin“ sind nicht normal, zumal das Humboldt-Forum als ein „Weltmuseum“ beschworen wird, ein internationales Aushängeschild der ganzen Republik.

Ein wenig absurd klingt es da schon, wenn Renner berichtet, lediglich eine Toilettenanlage wurde umgeplant, die ursprünglich die Flächen von Humboldt-Universität und der anfangs geplanten „Welt der Sprachen“ trennen sollte. Schließlich will man sich nicht abschotten, sondern fließende Übergänge zwischen den Sektionen. Kostenpunkt? 180.000 Euro. Wenigstens eine gute Nachricht angesichts der Millionen, die im Humboldt-Forum stecken. „Wir bekommen das hin, ohne Verzögerung des Bauablaufes im Humboldt-Forum“, meint Renner.

Müller erklärt noch einmal die senatseigenen Kulturprojekte mit Sitz im Podewil, sie sind der operative Arm der Kulturverwaltung. Doch ohne Gesamtkonzept läuft auch dort nur wenig. „Wir müssen sehen“, verteidigt sich Müller, „welchen Rahmen die Generalintendanz bietet.“ Mr. MacGregor muss jetzt dringend ran.