Für ihn war es, als würden Weihnachten und Neujahr auf einen Tag fallen: Mit Bernhard Henrich ist auch die Hauptstadtregion im Rennen um die begehrten Oscars. Der 63-Jährige ist in der Kategorie „Production Design“ für den vom Studio Babelsberg koproduzierten Film „Bridge of Spies“ des Regisseurs Steven Spielberg nominiert.

„Ich habe die Bekanntgabe in meiner Berliner Wohnung über das Internet verfolgt. Als ich meinen Namen gelesen habe, hat mich glatt der Schlag getroffen“, erzählt Henrich, der in Babelsberg arbeitet. „Welcher Deutsche wurde als Set Decorator schon einmal für einen Oscar nominiert?“

„Mein Gott, jetzt muss ich mir auch einen Smoking zulegen“

Viel Zeit, um sich von dieser Überraschung zu erholen, hatte der 63-Jährige nicht. „Plötzlich klingelte das Telefon.

Der große amerikanische Production Designer Adam Stockhausen war am Apparat und sagte, dass ich auch nach London zum britischen Filmpreis Bafta kommen müsste. Auch hier würde ich auf der Nominiertenliste stehen.“ Wieder musste Henrich kräftig schlucken.

„Mein Gott, jetzt muss ich mir auch einen Smoking zulegen. Die Verleihung findet im Kensington Palace statt. Vielleicht sind da ja auch Royals.“

Einst war Theaterplastiker am Schiller-Theater

Henrich wurde 1952 in saarländischen Niederwürzbach geboren. Früh habe er seinen Hang zum Gestalten und Dekorieren entdeckt. Als er sich zum Schaufensterdekorateur ausbilden ließ, waren seine Eltern vom Berufswunsch ihres Jungen wenig begeistert. Später zog es ihn nach Berlin, er wurde als Theaterplastiker vom Schiller-Theater engagiert.

Oscars 2016 - Das sind die Nominierten

Zwei Oscars hat sie schon, Ende Februar könnte ein dritter dazu kommen: Filmstar Cate Blanchett ist für ihre Rolle in der Literaturverfilmung „Carol“ für die Auszeichnung nominiert. In dem Drama  spielt die Australierin Carol, die sich im New York der 50er Jahre in eine andere Frau verliebt.
Zwei Oscars hat sie schon, Ende Februar könnte ein dritter dazu kommen: Filmstar Cate Blanchett ist für ihre Rolle in der Literaturverfilmung „Carol“ für die Auszeichnung nominiert. In dem Drama spielt die Australierin Carol, die sich im New York der 50er Jahre in eine andere Frau verliebt. © (Credit too long, see caption) | Mike Windle
Jennifer Lawrence ist für ihre darstellerische Leistung in „Joy“ nominiert.
Jennifer Lawrence ist für ihre darstellerische Leistung in „Joy“ nominiert.© Getty Images | Nicholas Hunt
Die irische Schauspielerin Saoirse Ronan muss ständig ihren Vornamen erklären (er wird Ssörscha ausgesprochen):  Für ihre Arbeit in „Brooklyn“ kann sie jetzt auf einen Oscar hoffen.
Die irische Schauspielerin Saoirse Ronan muss ständig ihren Vornamen erklären (er wird Ssörscha ausgesprochen): Für ihre Arbeit in „Brooklyn“ kann sie jetzt auf einen Oscar hoffen. © REUTERS | MARIO ANZUONI
Die britische Schauspielerin Charlotte Rampling ist für „45 Jahre“ nominiert.
Die britische Schauspielerin Charlotte Rampling ist für „45 Jahre“ nominiert. © Getty Images | Clemens Bilan
Einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin hat Brie Larson schon für „Room“ gewonnen. Bekommt sie am 28. Februar auch noch einen Oscar?
Einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin hat Brie Larson schon für „Room“ gewonnen. Bekommt sie am 28. Februar auch noch einen Oscar? © REUTERS | MARIO ANZUONI
Das sind die Nominierten in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ auf einen Blick: Brie Larson, Saoirse Ronan, Charlotte Rampling, Jennifer Lawrence und Cate Blanchett (v.l.).
Das sind die Nominierten in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ auf einen Blick: Brie Larson, Saoirse Ronan, Charlotte Rampling, Jennifer Lawrence und Cate Blanchett (v.l.).© REUTERS | STAFF
Und das sind die Schauspieler, die als bester Schauspieler auf einen Oscar hoffen
Und das sind die Schauspieler, die als bester Schauspieler auf einen Oscar hoffen© REUTERS | STAFF
Hollywood-Star Leonardo DiCaprio ist für seine Rolle im  Rache-Thriller „The Revenant – Der Rückkehrer“ nominiert.
Hollywood-Star Leonardo DiCaprio ist für seine Rolle im Rache-Thriller „The Revenant – Der Rückkehrer“ nominiert.© dpa | Paul Buck
Der Brite Eddie Redmayne spielt in "The Danish Girl" eine transsexuelle Frau.
Der Brite Eddie Redmayne spielt in "The Danish Girl" eine transsexuelle Frau.© REUTERS | LUKE MACGREGOR
Matt Damon ist für seine Rolle in „The Martian“ nominiert.
Matt Damon ist für seine Rolle in „The Martian“ nominiert.© dpa | Paul Buck
Der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender könnte für seine Darstellung von Apple-Mitgründer Steve Jobs im gleichnamigen Film einen Oscar gewinnen.
Der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender könnte für seine Darstellung von Apple-Mitgründer Steve Jobs im gleichnamigen Film einen Oscar gewinnen.© dpa | Andrew Cowie
Bryan Cranston ist für seine darstellerische Leistung in „Trumbo“ für einen Academy Award nominiert.
Bryan Cranston ist für seine darstellerische Leistung in „Trumbo“ für einen Academy Award nominiert. © REUTERS | MARIO ANZUONI
Diese Herren hoffen in der Kategorie bester Nebendarsteller auf eine Auszeichnung von der Academy of Motion Pictures.
Diese Herren hoffen in der Kategorie bester Nebendarsteller auf eine Auszeichnung von der Academy of Motion Pictures.© REUTERS | STAFF
Christian Bale ist für seine Arbeit in „The Big Short“ nominiert.
Christian Bale ist für seine Arbeit in „The Big Short“ nominiert. © REUTERS | MARIO ANZUONI
Sylvester Stallone hat schon einen Golden Globe für „Creed“ bekommen, jetzt hofft er auch noch auf einen Oscar.
Sylvester Stallone hat schon einen Golden Globe für „Creed“ bekommen, jetzt hofft er auch noch auf einen Oscar.© dpa | Will Oliver
Mark Ruffalo spielt in „Spotlight“ einen Journalisten und könnte am 28. Februar dafür ausgezeichnet werden.
Mark Ruffalo spielt in „Spotlight“ einen Journalisten und könnte am 28. Februar dafür ausgezeichnet werden. © REUTERS | DANNY MOLOSHOK
Tom Hardy ist als bester Nebendarsteller in „The Revenant – Der Rückkehrer“ nominiert.
Tom Hardy ist als bester Nebendarsteller in „The Revenant – Der Rückkehrer“ nominiert. © REUTERS | MARIO ANZUONI
Mark Rylance könnte für seine Rolle in „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ausgezeichnet werden.
Mark Rylance könnte für seine Rolle in „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ausgezeichnet werden.© imago/Landmark Media | imago stock&people
In der Kategorie „Beste Darstellerin in einer Nebenrolle“ treten Alicia Vikander, Rachel McAdams, Rooney Mara, Kate Winslet und Jennifer Jason Leigh (v.l.) gegeneinander an.
In der Kategorie „Beste Darstellerin in einer Nebenrolle“ treten Alicia Vikander, Rachel McAdams, Rooney Mara, Kate Winslet und Jennifer Jason Leigh (v.l.) gegeneinander an.© REUTERS | STAFF
Rooney Mara spielt in „Carol“ die Frau, in die sich Cate Blanchett verliebt.
Rooney Mara spielt in „Carol“ die Frau, in die sich Cate Blanchett verliebt. © (Credit too long, see caption) | Mike Windle
Alicia Vikander ist für ihre Rolle neben Eddie Redmayne in „The Danish Girl“ nominiert.
Alicia Vikander ist für ihre Rolle neben Eddie Redmayne in „The Danish Girl“ nominiert. © Getty Images | Frazer Harrison
Kate Winslet könnte für ihre Rolle in „Steve Jobs“ ihren zweiten Oscar gewinnen.
Kate Winslet könnte für ihre Rolle in „Steve Jobs“ ihren zweiten Oscar gewinnen.© Getty Images | Frazer Harrison
Jennifer Jason Leigh ist für ihre Arbeit in Quentin Tarantinos Western „The Hateful Eight“ als beste Nebendarstellerin nominiert.
Jennifer Jason Leigh ist für ihre Arbeit in Quentin Tarantinos Western „The Hateful Eight“ als beste Nebendarstellerin nominiert.© Getty Images | Randy Shropshire
Die Kanadierin Rachel McAdams könnte für ihre darstellerische Leistung in „Spotlight“ einen Oscar gewinnen.
Die Kanadierin Rachel McAdams könnte für ihre darstellerische Leistung in „Spotlight“ einen Oscar gewinnen.© REUTERS | MARIO ANZUONI

„Normalerweise ist das ein Studienberuf. Aber ich konnte durch meine Ideen und Entwürfe überzeugen“, sagt er.

Mitte der 1970er wechselte er zum deutschen Film. „Als das Angebot kam, dort als Requisiteur anzufangen, habe ich nicht lange überlegen müssen.“ Mit der Literaturverfilmung „Der Zauberberg“ von Regisseur Hans W. Geißendörfer feierte Henrich seinen internationalen Durchbruch.

Auswahl, Budgetierung und Platzierung ist sein Job

In den 1990er Jahren stieg er zum Set Decorator auf, wie der Beruf in der US-Filmsprache heißt. Während der Requisiteur lediglich für die Beschaffung von beweglichen Ausstattungsgegenständen zuständig ist, sei der Set Decorator einige Stufen weiter oben angesiedelt.

„Ich trage konzeptionell mit Sorge dafür, dass die Vision von Szenenbild und Regie sich in der Einrichtung der Sets wiederfindet.“ Dazu gehöre die Auswahl, Budgetierung und Platzierung aller Dekorationsgegenstände, die die zu erzählende Geschichte unterstützen.

Studio Babelsberg: „Die machen alles möglich“

Henrich zählt heute in Europa zu den Führenden seiner Zunft. An 34 Filmen war er beteiligt - darunter Blockbustern wie „Monuments Men“ von Regisseur George Clooney, „Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat“ mit Tom Cruise und „Die Bourne Verschwörung“ mit Matt Damon.

Den Großteil seiner Filme hat Henrich mit Hilfe des Studios Babelsberg bewältigt. Die künstlerische Abteilung dort sei phänomenal. „Die machen alles das möglich, was woanders überhaupt nicht gehen würde“, sagt er.

„Auch Steven Spielberg schwärmt von dem Studio. Die Babelsberger haben es ihm ermöglicht, am Originalschauplatz auf der Glienicker Brücke zu drehen.“ Das habe allen Beteiligten einen „Extra-Kick“ versetzt.

„Oscars und die Baftas sind für mich total außerirdisch“

Dem 63-Jährigen stehen im Februar zwei hochspannende Wochen bevor. Zuerst geht es am 14. Februar nach London zum britischen Filmpreis. 14 Tage später steht die Oscar-Verleihung in Los Angelos an.

„Den Umgang mit Stars wie George Clooney bin ich gewohnt. Das sind alles ziemlich normale Menschen“, sagt er. „Aber die Oscars und die Baftas sind für mich total außerirdisch. Ich muss mich andauernd kneifen, um zu begreifen, dass ich nicht träume.“


dpa/sh