Bernhard Heinrich

Berliner wird vom Dekorateur zum Oscar-Kandidaten

Der Berliner ist einer der besten Filmdekorateure weltweit. Doch von seiner Oscar-Nominierung ist er überwältigt.

Im Internet verfolgte Bernhard Heinrich die Oscar-Nominierungen: „Als ich meinen Namen gelesen habe, hat mich glatt der Schlag getroffen.“

Im Internet verfolgte Bernhard Heinrich die Oscar-Nominierungen: „Als ich meinen Namen gelesen habe, hat mich glatt der Schlag getroffen.“

Foto: Paul Zinken / dpa

Für ihn war es, als würden Weihnachten und Neujahr auf einen Tag fallen: Mit Bernhard Henrich ist auch die Hauptstadtregion im Rennen um die begehrten Oscars. Der 63-Jährige ist in der Kategorie „Production Design“ für den vom Studio Babelsberg koproduzierten Film „Bridge of Spies“ des Regisseurs Steven Spielberg nominiert.

„Ich habe die Bekanntgabe in meiner Berliner Wohnung über das Internet verfolgt. Als ich meinen Namen gelesen habe, hat mich glatt der Schlag getroffen“, erzählt Henrich, der in Babelsberg arbeitet. „Welcher Deutsche wurde als Set Decorator schon einmal für einen Oscar nominiert?“

„Mein Gott, jetzt muss ich mir auch einen Smoking zulegen“

Viel Zeit, um sich von dieser Überraschung zu erholen, hatte der 63-Jährige nicht. „Plötzlich klingelte das Telefon.

Der große amerikanische Production Designer Adam Stockhausen war am Apparat und sagte, dass ich auch nach London zum britischen Filmpreis Bafta kommen müsste. Auch hier würde ich auf der Nominiertenliste stehen.“ Wieder musste Henrich kräftig schlucken.

„Mein Gott, jetzt muss ich mir auch einen Smoking zulegen. Die Verleihung findet im Kensington Palace statt. Vielleicht sind da ja auch Royals.“

Einst war Theaterplastiker am Schiller-Theater

Henrich wurde 1952 in saarländischen Niederwürzbach geboren. Früh habe er seinen Hang zum Gestalten und Dekorieren entdeckt. Als er sich zum Schaufensterdekorateur ausbilden ließ, waren seine Eltern vom Berufswunsch ihres Jungen wenig begeistert. Später zog es ihn nach Berlin, er wurde als Theaterplastiker vom Schiller-Theater engagiert.

„Normalerweise ist das ein Studienberuf. Aber ich konnte durch meine Ideen und Entwürfe überzeugen“, sagt er.

Mitte der 1970er wechselte er zum deutschen Film. „Als das Angebot kam, dort als Requisiteur anzufangen, habe ich nicht lange überlegen müssen.“ Mit der Literaturverfilmung „Der Zauberberg“ von Regisseur Hans W. Geißendörfer feierte Henrich seinen internationalen Durchbruch.

Auswahl, Budgetierung und Platzierung ist sein Job

In den 1990er Jahren stieg er zum Set Decorator auf, wie der Beruf in der US-Filmsprache heißt. Während der Requisiteur lediglich für die Beschaffung von beweglichen Ausstattungsgegenständen zuständig ist, sei der Set Decorator einige Stufen weiter oben angesiedelt.

„Ich trage konzeptionell mit Sorge dafür, dass die Vision von Szenenbild und Regie sich in der Einrichtung der Sets wiederfindet.“ Dazu gehöre die Auswahl, Budgetierung und Platzierung aller Dekorationsgegenstände, die die zu erzählende Geschichte unterstützen.

Studio Babelsberg: „Die machen alles möglich“

Henrich zählt heute in Europa zu den Führenden seiner Zunft. An 34 Filmen war er beteiligt - darunter Blockbustern wie „Monuments Men“ von Regisseur George Clooney, „Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat“ mit Tom Cruise und „Die Bourne Verschwörung“ mit Matt Damon.

Den Großteil seiner Filme hat Henrich mit Hilfe des Studios Babelsberg bewältigt. Die künstlerische Abteilung dort sei phänomenal. „Die machen alles das möglich, was woanders überhaupt nicht gehen würde“, sagt er.

„Auch Steven Spielberg schwärmt von dem Studio. Die Babelsberger haben es ihm ermöglicht, am Originalschauplatz auf der Glienicker Brücke zu drehen .“ Das habe allen Beteiligten einen „Extra-Kick“ versetzt.

„Oscars und die Baftas sind für mich total außerirdisch“

Dem 63-Jährigen stehen im Februar zwei hochspannende Wochen bevor. Zuerst geht es am 14. Februar nach London zum britischen Filmpreis. 14 Tage später steht die Oscar-Verleihung in Los Angelos an.

„Den Umgang mit Stars wie George Clooney bin ich gewohnt. Das sind alles ziemlich normale Menschen“, sagt er. „Aber die Oscars und die Baftas sind für mich total außerirdisch. Ich muss mich andauernd kneifen, um zu begreifen, dass ich nicht träume.“