Er hört sich schlecht an. Daniel Brühl hat es erwischt. Deshalb zieht er auch im Café nicht die Mütze ab. Bei den Dreharbeiten zu „The Zookeeper’s Wife“ in Prag hat sich der Schauspieler schlimm erkältet und mit tschechischen Megablockern irgendwie bis zur letzten Klappe durchgehalten. Er hat auch gerade einen Film nach dem anderen gedreht, „Alone in America“, „Captain America“. Deshalb freut sich der Berliner jetzt „wie ein Zwölfjähriger bei Hitzefrei“, dass er eine Auszeit hat, bis mindestens Februar. Davor muss er uns aber noch etwas über seinen aktuellen US-Film „Im Rausch der Sterne“ verraten, in dem er den Besitzer eines Sterne-Restaurants spielt. Da liegen Parallelen nah: In Kreuzberg unterhält der Berliner ja eine eigene Tapas-Bar. Michelin-Sterne wären ihm allerdings ein Graus.
Berliner Morgenpost: Darf ich die Mädchenfrage zuerst stellen? Wie war es, von Bradley Cooper geküsst zu werden?
Daniel Brühl: Das war erstaunlich angenehm. (lacht) Das Einzige, was ich ihm danach vorwarf, war, dass er sich den Hummus vor der Aufnahme hätte sparen können. Das schmeckte eindeutig nach Kichererbsen. Aber es gab da keinen Krampf bei der Szene. Schon am ersten Drehtag zeigte sich, dass Bradley ganz locker drauf ist und nicht irgendwelche Starallüren an den Tag legt. Da war klar, das wird was mit uns. Und die Szene lag erst im letzten Drittel des Films, bis dahin hatten wir schon viel Zeit miteinander verbracht. Nicht nur am Set. Das ist ein Kollege, der sich auch abends mal meldet.
In „Im Rausch der Sterne“ spielen Sie einen schwulen Restaurantbesitzer und Bradley Cooper Ihren Sterne-Koch. Ist das was für Sie, die Drei-Sterne-Küche?
Regelmäßig mache ich das sicher nicht. Aber ich muss schon sagen: Die wenigen Male, die ich das erleben durfte, sind mir in Erinnerung geblieben als fantastische, rauschartige Erlebnisse. Viele schimpfen: überteuert, Firlefanz, Molekular-Schwachsinn. Aber das ist echt ein Wahnsinn, was diese Köche da veranstalten, Ich kann das sehr genießen. Du hast danach nicht das Gefühl, du warst essen. Es ist irgendwas anderes, das alle Sinne anspricht.

Aber im wahren Leben ist Ihnen so was wie Ihre eigene Tapas-Bar lieber?
Es war einfach mein Traum, spanische Esskultur nach Berlin zu bringen. Vielleicht war das auch eine etwas egoistische Idee, einen Ort aufzubauen, wo du weißt, da kannst du gut essen und wirst an Spanien erinnert. Das hätte auch schiefgehen können. Ist aber zum Glück aufgegangen.
Wo gehen Sie denn sonst hin, wenn Sie in Berlin essen wollen? Darf man das fragen? Oder setzt man sich als Restaurantbetreiber damit in die Nesseln?
Ach was. Einer der besten Läden ist das „Florian“ in Charlottenburg mit seiner deutsch-französischen Küche. Bei mir im Kreuzberger Viertel bin ich sehr gern im „Signor Rossi“, ein extrem netter Italiener. Ich staune ansonsten über die Vielfalt in Neukölln, was da so alles aus dem Boden geschossen ist. Obwohl ich in letzter Zeit so viel weg war, dass das wohl schon wieder passé ist.
Wie viel haben Sie während der Dreharbeiten zugenommen?
Das ging noch so. Das Catering war eigentlich schlimm. Die Komparsen bei uns waren aber alles richtige Köche, da habe ich irgendwann gefragt: Was passiert eigentlich mit dem, was die da pausenlos kochen? Das haben die selbst mittags gegessen. Ich habe mich dann immer zu denen gesetzt.

Bradley Cooper und Sienna Miller mussten extra für den Film beim Sterne-Koch Marcus Wareing in die Lehre gehen. Sie auch?
Bradley und Sienna haben tatsächlich alle einen Kurs bei ihm gemacht. Das hat mich echt beeindruckt. Es gab nicht eine Szene mit Hand-Double. Ich spiele einen Maitre d’. Von daher wurde ich nur als solcher eingearbeitet. Ich hätte das aber besser mitmachen sollen. Meine Kochkünste sind nämlich extrem bescheiden.
Wurden Sie denn auch von Ihren Co-Stars bekocht?
Es war lustig, wie nach und nach nationale Befindlichkeiten ausbrachen. Bradley und ich konnten uns stundenlang amüsieren, wie sich Omar Sy und Riccardo Scamarcio übers Kochen stritten. Riccardo hat alles niedergemacht, was mit französischer Küche zu tun hat. Er hat dann auch für uns gekocht, abends bei Bradley zu Hause. Und ich muss zugeben, dass seine Pasta wirklich fantastisch war. Wir haben ihn auserkoren als einzigen wirklichen Koch in unserer Runde. Wir anderen waren nur Nulpen.
Dabei haben Sie doch erst im vergangenen Jahr ein Kochbuch herausgebracht. Ist das nicht ein innerer Widerspruch?
Erwischt! (lacht) Die Idee war damals einfach, dass mein Geschäftspartner Atilano und ich unsere Lieblingstapas vorstellen, die wir in unserer Bar kredenzen. Ich bin ein leidenschaftlicher Esser, aber kein begnadeter Koch. Aber tatsächlich möchte ich nächstes Jahr einen richtigen langen Kochkurs besuchen. Mit meinem Bruder. Das haben wir uns für Spanien vorgenommen, bei einem alten Ehepaar auf dem Land. Das ist bitter nötig, ich bin da eine echte Niete. Ich darf immer nur die Sklavenjobs machen, Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden. Wobei: Es ist auch wieder nicht so, dass ich gar nichts kann.
Was kocht Daniel Brühl denn, wenn er abends zu Hause ist?
Die simpelsten Dinge. Pasta. Ich bin ganz gut in Bolognese. Neulich ist mir auch eine perfekte Gans gelungen. Dafür stand ich aber auch 15 Stunden unter Hochanspannung in der Küche. Aber es gibt Grenzen, wo ich weiß, da geht es schief. Ganz irre macht mich das Einkaufen, dieses Überangebot. Aber das eigentliche Problem ist, ich bin einfach zu faul.
Inwiefern?
Als ich noch Single war, bin ich viel essen gegangen. Weil ich das so deprimierend fand, für mich allein zu kochen. Ich habe mir damals angewöhnt, essen zu gehen. Das hat sich leider gehalten. Ich gehe lieber aus, als dass ich koche.
Hat sich durch den Film Ihre Einstellung zum Kochen noch einmal verändert?
Ja, schon. Ich bin ja eigentlich ein Schlinger. Ein echter Schnellesser. Ich lerne jetzt gerade, aufmerksamer zu essen. Mehr zu genießen. Und die Arbeit zu schätzen, die dahintersteckt.
Ein Drei-Sterne-Restaurant – wäre das was für Sie?
Bloß nicht. Ich war nach dem Dreh echt froh, dass ich bloß eine Tapas-Bar habe. Ich weiß, welchen Druck schon meine Jungs in der Küche haben. Aber dieser Stress, der Druck in einer Sterne-Küche, das ist echter Irrwitz. Viele werfen ja auch das Handtuch. Du musst echt leidenschaftlich, auch masochistisch veranlagt sein, sonst bestehst du da nicht.
Und wenn man so einen Film gedreht hat, steht dann gleich „Das perfekte Promi-Dinner“ da und fragt bei Ihnen an?
Bislang noch nicht. Zum Glück. Ich würde dankend absagen.





