Film

Schlachtfeld Küche: Bradley Cooper wirft mit Töpfen um sich

Hoch geht es her in den Spitzenküchen der Welt. Das zeigt der Film „Im Rausch der Sterne“ recht drastisch. Mit lauter Stars am Herd.

Es ist angerichtet: Star-Koch Adam Jones (Bradley Cooper) in seinem Reich – der Küche

Es ist angerichtet: Star-Koch Adam Jones (Bradley Cooper) in seinem Reich – der Küche

Foto: Alex Bailey / dpa

Es gibt diverse Möglichkeiten, wie man erklärt, was Michelin-Sterne für Restaurants bedeuten. Man könnte einfach die Beschreibung des jährlich erscheinenden Michelin-Führers zitieren. Sehr plastisch und ganz kino-affin erläutert das aber der Film „Im Rausch der Sterne“, in dem es, der Titel deutet es an, um ebenjene Auszeichnungen geht.

„Um nur einen Michelin-Stern zu kriegen“, erklärt ein Jungkoch seiner Freundin, „musst du sein wie Luke Skywalker. Um zwei zu bekommen, musst du sein wie – wer immer Alec Guinness war. Aber, wenn du es schaffst, drei zu erlangen – bist du Yoda!“ Er spielt damit auf seinen Chef an. Den hält seine Freundin aber eher für Darth Vader.

Damit ist eigentlich schon alles über den Meisterkoch dieses Films, Adam Jones (Bradley Cooper) gesagt. Er ist ein Genie, eine Legende, ein Rockstar seiner Zunft. Aber der alltägliche Druck, der auf so einer Star-Küche lastet, hat seine Spuren hinterlassen. Er hat zuviel von allem konsumiert, zuviel Drogen, Alkohol, Frauen. Er hat im Rausch seine Mitstreiter ruiniert. Hat sich dann einfach aus dem Staub gemacht. Und in Amerika in Austernbars gejobbt.

Jetzt, nach drei Jahren, ist er zurück. Und will ausgerechnet in London bei seinem früheren Partner Tony (Daniel Brühl) einsteigen, den er einst in Paris hat sitzen lassen. Der weist ihm erst mal die kalte Schulter. Aber da schickt Jones ihm eine gefürchtete Restaurant-Kritikerin (Uma Thurman) auf den Hals. Und steht schon in Koch-Montur in dessen Küche bereit. Um ihm aus der Patsche zu helfen.

Sein größtes Hindernis ist er selbst

Um im Bild zu bleiben: Ein Alec Guinness ist dieser Adam Jones längst, jetzt will er aber noch Yoda werden. Dafür braucht er ein angemessenes Experimentierfeld. Tony sagt schließlich zu, obwohl er weiß, wie nah Genie und Wahnsinn in seinem alten Kumpel schlummern. Mit ähnlich unlauteren Mitteln wirbt Jones auch seine neuen Mitarbeiter an, darunter seinen Sous-Chef aus Paris (Omar Sy) und eine allein erziehende Saucière Köchin (Sienna Miller), mit der auch etwas „Bella Martha“ angerührt wird.

Es sind aber noch ein paar alte Rechnungen von früher offen, die dem Chefkoch den Brei verderben könnten. Sein größtes Hindernis freilich ist er selbst: Der Kontrollfreak neigt zu Jähzorn, Tellerwerferei und Handgreiflichkeiten. Und muss erst lernen, im Team zu arbeiten.

Der Originaltitel bringt den Film sehr viel knapper und klarer auf den Punkt. „Burnt“ meint sowohl „verbrannt“ im Sinne eines verdorbenen Gerichts, aber auch „ausgebrannt“, womit der enorme Leistungsdruck gemeint ist, unter dem die Herren über Töpfe und Pfannen bestehen müssen.

Drehbuchautor Steven Knight hat Serien wie „Emergency Room“ und „West Wing“ kreiert und stets dafür gesorgt, dass da Leute vom Fach am Set waren. Um eine ähnliche Authentizität auch hier herzustellen, konnte man als Berater Marcus Wareing gewinnen, den Sterne-Koch und Star der BBC-Kochshow „Master Chef“.

Wie in einer echten Gourmetküche

Und Regisseur John Wells hat, wie schon in seinem Vorfilm „Im August in Osage County“, eine grandiose Star-Besetzung um den Tisch bzw. hier den Herd versammelt. Bradley Cooper, Sienna Miller und Omar Sy liefern sich nicht nur tolle schauspielerische Gefechte, sie haben sich auch alle sichtlich in die Materie eingearbeitet.

Das sieht, das fühlt man dem Film auch an, der immer dann am besten ist, wenn man einfach mit in der Küche steht und sieht, wie da Köche unter Hochdruck stehen. Eine merkwürdige Welt, in der das Schenken von Messern der größte Zuneigungsbeweis ist.

Dass man das Ganze auch noch mit einer Prise Mafia­Gefahr würzen musste, ist indes ein bisschen zu viel des Guten und verfälscht den Geschmack. Da scheint das Drehbuch seinem Thema nicht ganz vertraut zu haben. Ein Drei-Sterne-Film zur Gourmet-Küche steht somit nach wie vor aus.