Klassik

Christoph von Dohnányi spielt endlich wieder in Berlin

Kurz seinem 86. Geburtstag gastiert der Dirigent beim Musikfest Berlin. Mit dessen Schwerpunkt hat er aber nicht viel zu schaffen.

Konsequenter Verweigerer jeden Starrummels: Der Beerliner Dirigent Christoph von Dohnányi

Konsequenter Verweigerer jeden Starrummels: Der Beerliner Dirigent Christoph von Dohnányi

Foto: system / Pressebild.de/ Bertold Fabricius

Diesen Dirigenten vergisst man leicht, wenn es um die Bedeutendsten geht: Christoph von Dohnányi, konsequenter Verweigerer jeglichen Pultstar-Rummels, Grandseigneur erlesener Orchesterkultur. Seit mindestens dreieinhalb Jahrzehnten gehört der gebürtige Berliner zur Elite seiner Zunft – dank bemerkenswert konstanter Erfolge und eines fast schon beunruhigend souveränen Niveaus.

Drei Tage nach seinem 86. Geburtstag betritt Christoph von Dohnányi nun guter Dinge das Podium der Philharmonie. Endlich! – möchte man ausrufen. Denn in seiner Geburtsstadt hat sich der Maestro musikalisch zuletzt ziemlich rar gemacht. Dass Christoph von Dohnányi nun anlässlich des Musikfests doch noch nach Berlin kommt, mit dem Philharmonia Orchestra London an seiner Seite – das kann schon als kleine Sensation gewertet werden. Obwohl der Dirigent selbst dies mit Sicherheit nicht so sehen würde: Seine eigene Person ist ihm auch an diesem Abend nur Mittel zum Zweck. Bei Christoph von Dohnányi steht nach wie vor die Musik an erster Stelle, an zweiter und dritter Stelle ebenfalls.

Fern vom Schwerpunkt des Musikfests

Die Londoner Musiker sind ihm spürbar zugetan. Kein Wunder: Ab 1997 war Christoph von Dohnányi zehn Jahre lang ihr Chefdirigent, 2008 haben sie ihn zum Ehrendirigenten auf Lebenszeit ernannt.

Erstaunlich allerdings, wie wenig die Programmzustellung der Londoner mit den Schwerpunkten des diesjährigen Musikfestes zu tun hat. Weder Mahler noch Schönberg, noch Nielsen haben die Musiker mitgebracht. Stattdessen Ives, Berg und Schubert.

Mustergültig atmosphärisch entfalten sie die feinen, weichen Streicherflächen in Charles Ives‘ „The Unanswered Question“. Eine Solotrompete mäandert melancholisch im Zuhörerraum, während sich ein Co-Dirigent um vier immer erregter diskutierende Flöten kümmert.

Die Solistin ist nicht zufrieden

Das Philharmonia Orchestra weilt bereits bei diesem kleinen Ives-Werk in voller Besetzung auf dem Podium. Der Großteil der Musiker kommt erst danach zum klingenden Einsatz – bei Alban Bergs Violinkonzert. Christoph von Dohnányi pflegt hier milde Abgeklärtheit und eher breite Tempi. Es ist ein Berg, der interessanterweise viel vom späten Brahms hat.

Und das scheint gar nicht so weit hergeholt: Mit etwas Fantasie könnte man den Beginn von Brahms‘ vierter Sinfonie und sein Intermezzo op. 119 Nr. 1 zur Inspirationsquelle für Bergs berühmtgewordene Terzen-Ketten erklären. Hier wie dort bilden sie das Grundmaterial für alle weiteren musikalischen Entwicklungen.

Und Solistin Carolin Widmann? Sie gibt sich kaum zufrieden mit dem schmeichelhaften Untergrund, den das Orchester ihr bietet. Widmanns Geigenton ist angesiedelt zwischen herber Süße und strenger Ausdruckskraft, zwischen verletzlicher Intimität und aufmüpfiger Stacheligkeit. Orchester und Solistin lassen sich nicht wirklich aufeinander ein – und so prallen wohlige Vergangenheit und expressive Moderne recht abenteuerlich zusammen.

Das Orchester und sein Ehrendirigent

Unbeschwert genießen lässt sich dagegen Schuberts große C-Dur-Sinfonie D 944 nach der Pause. Die Streicher blühen glücklich auf, die Bläser schillern in festlichen Farben. Es ist ein herzenswarmer, zuversichtlicher Schubert, geprägt von flotten Tempi und leichten Bässen.

Die Londoner Musiker sind ihm spürbar zugetan. Kein Wunder: Ab 1997 war Christoph von Dohnányi zehn Jahre lang ihr Chefdirigent, 2008 haben sie ihn zum Ehrendirigenten auf Lebenszeit ernannt.

Der Großteil hat erst mal Pause

Erstaunlich allerdings, wie wenig die Programmzustellung der Londoner mit den Schwerpunkten des diesjährigen Musikfestes zu tun hat. Weder Mahler noch Schönberg noch Nielsen haben die Musiker mitgebracht. Stattdessen Ives, Berg und Schubert.

Mustergültig atmosphärisch entfalten sie die feinen, weichen Streicherflächen in Charles Ives’ „Unanswered Question“. Eine Solotrompete mäandert melancholisch im Zuhörerraum, während sich ein Co-Dirigent um vier immer erregter diskutierende Flöten kümmert. Das Philharmonia Orchestra weilt bereits bei diesem kleinen Ives-Werk in voller Besetzung auf dem Podium. Der Großteil der Musiker kommt erst danach zum klingenden Einsatz – bei Alban Bergs Violinkonzert.

Unbeschwerter Genuss erst bei Schubert

Christoph von Dohnányi pflegt hier milde Abgeklärtheit und eher breite Tempi. Es ist ein Berg, der interessanterweise viel vom späten Brahms hat. Und Solistin Carolin Widmann? Sie gibt sich kaum zufrieden mit dem schmeichelhaften Untergrund, den das Orchester ihr bietet.

Ihr Geigenton ist angesiedelt zwischen herber Süße und strenger Ausdruckskraft, verletzlicher Intimität und aufmüpfiger Stacheligkeit. Orchester und Solistin lassen sich nicht wirklich aufeinander ein, so prallen wohlige Vergangenheit und expressive Moderne abenteuerlich aufeinander.

Unbeschwert genießen lässt sich dagegen Schuberts große C-Dur-Sinfonie D 944 nach der Pause. Die Streicher blühen auf, die Bläser schillern in festlichen Farben. Es ist ein herzenswarmer, zuversichtlicher Schubert, geprägt von flotten Tempi und leichten Bässen.