Film

Broadway Therapy - Ein Film wie von Woody Allen

Jennifer Anniston und Owen Wilson - Mit Starbesetzung begeistert die großartige Komödie „Broadway Therapy“ von Peter Bogdanovichs.

Dieser Film sieht aus wie ein Woody-Allen-Film. Lauter New Yorker, lauter Intellektuelle, lauter Neurosen. Die Psychocouch darf auch nicht fehlen. Und dass Owen Wilson erst kürzlich in Allens „Midnight in Paris“ mitgespielt hat, tut ein Übriges. Aber „Broadway Therapy“, der am Donnerstag in die Kinos kommt, ist ein herzlich komischer Film. Und das unterscheidet ihn – leider – doch von dem Stadtneurotiker. „Broadway Therapy“ sieht eher aus wie ein Film von Woody Allen, als der noch lustig war.

Dieser Film sieht aber auch aus wie ein Lubitsch-Film. Wie eine klassische Screwball Comedy. Das sind diese Komödien um ein Pärchen, von dem jeder weiß, dass es sich am Ende kriegen wird, das sich aber erst mal spinnefeind ist und munter bekriegt, dass die Fetzen fliegen. Und die fliegen so angeschnitten und unerwartet, dass man die Komödie nur mit einem Begriff aus dem Baseball treffend bezeichnen konnte.

Von der einstigen Screwball-Komödie ist heute nur noch die Romantic Comedy übrig geblieben, mit dem erwartbaren Happy End, aber nur noch lauen Pointen. Die Meister von einst, Frank Capra, Preston Sturges und Ernst Lubitsch, haben es dagegen nicht nur bei einem Gag belassen, sie haben immer noch zwei, drei draufgesetzt, und das in einem irrwitzigen Tempo, dass man mit dem Lachen kaum hinterherkam.

Die gute alte Komödienzeit

„Broadway Therapy“ ist damit so etwas wie eine Therapie für das Genre. Weil man hier noch einmal die gute alte Zeit Revue passieren lassen kann. Weil hier noch einmal aufblitzt, was Hollywood einst so unschlagbar gemacht hat. Der das gedreht hat, ist ein Altmeister des New Hollywood, Peter Bogdanovich. Mit „Is’ was, Doc?“ mit Ryan O’Neal und Barbra Streisand ist ihm 1973 schon mal ein echter Komödienklassiker gelungen.

Heute ist Bogdanovich 76. Er ist noch immer aktiv als Schauspieler, gerade ist er in Noah Baumbachs „Gefühlt Mitte Zwanzig“ zu erleben. Als Regisseur hat er aber seit 14 Jahren keinen Spielfilm mehr gedreht, seit „Cat’s Meow“, der kein Höhepunkt mehr war. „Broadway Therapy“ ist nun ein spätes, herrliches Comeback. Und der Beweis, dass der Charme der alten Zeit auch prima in die Gegenwart transponiert werden kann.

Screwball at its best

Eine Inhaltsangabe des Films ist nicht ganz einfach, denn es ist, nun ja, kompliziert. Man könnte nach dem ABC-Muster vorgehen: A ist Izzy (Imogen Poots), ein Escort-Mädchen, das von einer Schauspielkarriere träumt. B ist ihr Kunde Arnold (Owen Wilson), der ihr 30.000 Dollar vermacht, wenn sie mit ihrem Job aufhört. Sie meldet sich daraufhin bei einem Theater-Casting, wo prompt Wilson der Regisseur ist. Und seine Frau Delta (Kathryn Hahn) – C – die Hauptrolle spielt.

D ist der Stückautor Joshua (Will Forte), der sogleich von Izzy angetan ist und mit ihr ausgehen will, weshalb er Krach mit E, seiner Freundin Jane (Jennifer Aniston), bekommt. Die ist zufällig die Psychiaterin von A, aber auch von F, einem alten Richter (Austin Pendleton), der Izzy hinterherhechelt und mit dem Jane nun demonstrativ ausgeht. Ach ja, dann ist da auch noch G, Seth (Rhys Ifans), der Star des Stücks, der A und B im Hotel erwischt hat und hinter C her ist. Und das ist noch lange nicht das Ende der Verwicklungen.

Man könnte den Inhalt freilich auch ganz anders erzählen. Nach den Gag-Akkumulationen. Ständig sitzt da etwa jemand am Telefon und spricht mit einer Partei, während eine andere am Handy klingelt. Bald gibt es so viele Anrufe, dass nicht nur der Angerufene, sondern auch der Zuschauer schon mal den Überblick verliert, wer da jetzt am Hörer ist. Und natürlich verabreden sich alle im selben Restaurant, der Autor mit dem leichten Mädchen, dessen Freundin mit dem Richter, der Regisseur mit seiner Frau, und prallen dort aufeinander. Ein Schlag auf den anderen, und immer noch einen drauf. Screwball at its best.

Ein bisschen Retro-Charme

Bogdanovich hat das Drehbuch schon vor 15 Jahren geschrieben, zusammen mit seiner damaligen Frau Louise Stratten, die ursprünglich auch die Izzy spielen sollte. Sie seien damals in einer schwierigen Phase gewesen, bekennt das Paar, und hätten deshalb eine Komödie konzipiert: „um uns aufzuheitern“. Das hat nicht funktioniert. Die beiden sind inzwischen geschieden. Aber nicht deshalb kam das Projekt ins Stocken, sondern weil der ursprüngliche Hauptdarsteller John Ritter überraschend starb.

Dass der Film nun doch realisiert wurde, liegt noch an zwei anderen, jüngeren Komödienregisseuren, Noah Baumbach und Wes Anderson, die Bogdanovich ermutigt haben und dann auch als Produzenten eingestiegen sind. Sie sagen Paps zu ihm, er nennt sie seine Söhne. Von daher sieht der Film auch ein bisschen wie ein Baumbach- oder ein Anderson-Film aus, hat also nicht nur einen gewissen Retro-Charme, sondern wirkt bei allem auch ganz heutig.

Der Abschied eines Altmeisters

Das ist der wunderbaren Darstellerriege zu verdanken. Vor allem Jennifer Aniston, die sich mal ganz abseits von ihrem Image austoben darf, und Imogen Poots, die so süß ist, dass man davon Karies bekommt. Selbst in kleinen Gastauftritten blitzen dann auch ehemalige Bogdanovich-Weggefährten wie Tatum O’Neal, Joanna Lumley und Austin Pendleton auf. Und die Schlusspointe setzt Quentin Tarantino, der Bogdanovich schon immer verehrt hat und unbedingt mit von der Partie sein wollte.

Ein Spaß für alle Beteiligten also, für die Filmemacher wie für die Zuschauer. Nur einen kleinen Wermutstropfen muss man dabei schlucken: Es lässt sich nicht vermeiden, dass das Ganze auch aussieht wie der Abschied eines Altmeisters. Aber was für einer!