Comic-Festival

Berliner Zeichner beim Comic-Festival in Angoulême nominiert

Auf dem renommierten französischen Comic-Festival in Angoulême sind wieder zahlreiche Berliner Künstler vertreten – und nominiert. Das Festival steht im Zeichen des Attentats auf Charlie Hebdo.

Foto: Mawil Kinderland Reprodukt Verlag

Am Donnerstag hat im Französischen Angoulême das größte europäische Comicfestival begonnen. Die Branche steht seit dem Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo am 7.Januar 2015 in Paris im Fokus, sie gilt als bedroht. Entsprechend scharf sind die Reaktionen. Als am Donnerstagabend im Musée de la Bande Dessinée ein Fehlalarm erklang, wurde umgehend das ganze Areal geräumt. In den Räumen ist eine „Charlie Hebdo“-Ausstellung zu sehen.

Doch das Festival, es läuft. Unter den zahlreichen Besuchern und Ausstellern sind erneut auch Berliner Zeichner und Verleger vertreten. Dirk Rehm von Reprodukt oder Johannes Ulrich vom avant-verlag knüpfen Kontakte und verhandeln um Lizenzen.

Zu den Berliner Künstlern gehört Mawil. Sein autobiografisch eingefärbtes “Kinderland“ zur Kindheit in der DDR ist im November als französische Version bei Gallimard erschienen.

Jens Harder mit „Beta“ nominiert

Der Berliner Jens Harder ist mit „Beta“ in der „Sélecion officielle“ nominiert (auf Deutsch bei Carlsen erschienen). Die Graphic Novel ist der zweite Teil von Harders Geschichte der Bilder. „Beta“ beginnt mit der Geschichte der Säugetiere und Urmenschen und endet mit dem Beginn unserer Zeitrechnung. In mehr als 2.000 Bildern erzählt Harder von den Ideen und Vorstellungen – den Bildern, die sich die Menschen von der Natur und Kultur gemacht haben

Auf dem Festival werden zahlreiche Preise vergeben. Der Große Preis von Angoulême ist bereits weg: Mit dem japanischen Mangaka Katsuhiro Otomo (berühmt durch „Akira“) erhält ihn zum ersten Mal ein asiatischer Künstler. Erstmals gab es sogar zwei Große Preise: An „Charlie Hebdo“ wurde eine Spezialauszeichnung verliehen.

Aus der Berliner Graphic-Novel-Szene vertreten sind in Angoulême weiterhin Ulli Lust und Kai Pfeiffer. Ulli Lust mit ihrem Klassiker "Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens" dabei und Kai Pfeiffer mit “Bei Gefallen auch mehr ..." mit Dominique Goblet. Das Buch erscheint im April 2015.

Unter den Nominierten auch Grüffalo-2-Regisseur Uwe Heidschötter

Dazu kommt Till Thomas mit "Rezzo und Elisabeth". Außerdem ist im Wettbewerb für den Kinder-Preis die französische Übersetzung des Kinder-Comics „Kiste: Fluchtmücken und Wetterzauber“ von Patrick Wirbeleit und Uwe Heidschötter nominiert. Heidschötter ist ebenfalls Berliner, er hat Regie geführt bei "Grüffalo 2".

Ebenfalls in Angoulême vertreten ist Barbara Yelin. Ihre hochgelobte Graphic Novel „Irmina“ – über das Leben einer von der NS-Zeit geprägten Frau - spielt in weiten Teilen in Berlin. Sie hat in Frankreich eben erst einen wichtigen Preis, den „prix artemisia“, für "Irmina" erhalten.