Konzert in Berlin

Im Saunaclub mit den Jungs von Mando Diao

Die Retro-Rocker setzen statt auf Musik mehr auf Inszenierung. Die Band ist erwachsen geworden. Das geht in der Berliner Columbiahalle auf den Hormonhaushalt der Fans.

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Als zwei fast nackte Männer gegen 21 Uhr auf der Bühne der Columbiahalle stehen, ist man zunächst sehr verwundert. Und doch ist man hier richtig. Mando Diao, eine Band, die früher mal eine Rockband war, mit Gitarren, mit Bass, mit Leder- oder Jeansjacken, mit Yeah, Yeah, Yeah und allem Zubehör, diese Band Mando Diao sieht jetzt aus wie Männer im Saunabereich des Hotels Deutsche Eiche in München und macht nur noch am Rande Rock and Roll.

Gustaf Norén und Björn Hans Dixgård, sie waren vor zehn Jahren die Sex-Symbole der jungen Mädchen und Jungs, die Sex-Symbole eigentlich ablehnten. Indie-Rock war gerade das Ding. Teenager fingen an, Chucks und enge Hosen zu tragen. Es wurde wieder verzerrte Gitarrenmusik gehört. Die ersten zwei Alben der schwedischen Band Mando Diao, sie bedienten genau das. Sie zitierten Soul, Garagenrock, die Rolling Stones. Die Girls wollten mit ihnen schlafen, die Boys wollten sie sein, um mit den Girls zu schlafen.

In der Columbiahalle ist von dieser Euphorie, von diesem Fieber, dem Begehren nicht mehr all zu viel zu spüren. Eine Band ist erwachsen geworden. Klar, dass der Hormonhaushalt von Fans und and gleichermaßen runterfährt. Es ist eher ein Sehnen, dass Mando Diao als Duo heraufbeschwören.

Songs wie „Loneley Driver“ und „Sweet Wet Dreams“ eröffnen den Abend. Dixgård und Norén stehen immer noch alleine auf der Bühne. Norén mit Gitarre. Dixgård ohne. Weiß sind sie. Die Bühne ist weiß. Rechts und links sind ionische Säulen angeordnet. Die mit den Zwirbelschnecken. Die, die auf der Akropolis zu sehen sind oder am Monopteros im englischen Garten.Um die Hüften eben die Handtücher und diese Singer-Songwriter-Performance.

Kein Konzert, sondern Theater

Schwül ist es. Lasziv jetzt. Der Rest der Band kommt hinzu. Und doch bleiben nur die beiden Frontmänner beleuchtet. Der Schlagzeuger spielt für das Publikum unsichtbar hinter einer Wand. Die anderen Mitglieder im Schatten. „Make You mine“, „Romeo“. Es pluckert und tuckert. Der Sound Mando Diaos ist zwischen Synthie-Pop und Roxy Music angekommen. Alles ist wie eine Nacht in Miami, oder so, wie man sich Miami aus deutscher Sicht vorstellt. Schweißperlen laufen unbehaarte Brustkörbe herunter, überall sind Diskokugeln und irgendjemand wird gleich geküsst.

Ganz ehrlich, das ist kein Konzert. Das ist ein Theater. Eine Inszenierung. Dixgård trägt inzwischen knappe Tennis-Shorts. Im Lab.oratory im Berghain gibt es regelmäßig Sportswear-Partys für Männer, die eben genau diese Art der Kleidung schätzen. Heute Abend findet sie zum ersten Mal in der Columbiahalle statt. Frauen sind auch zugelassen. Und Gustav Norén spritzt mit einer Champagnerflasche zum Stück „Money doesn't make you a man“. Er springt wie ein Derwisch im Kreis.

Als die Theatergruppe Mand Diao zum letzten Akt ansetzt, das große Gitarrenlied aus vergangenen Zeiten anspielt - „Down In The Past – mimt das Publikum die Rolle eines Konzertpublikums. Sie tanzen. Brechen aus. Jubeln. Rufen: „Yeah, yeah, yeah!“. Der Regisseur ruft von der Seite „Dance With Somebody“, die Schauspieler ziehen mit. Und für einen ganz kurzen Moment glaubt man, man ist auf einem Mando-Diao-Konzert. Aber nur ganz kurz.