Schon zwei Mal hatte Otto Waalkes die Zipfelmütze auf, vor zehn Jahren in „7 Zwerge - Männer allein im Wald“ und 2006 in „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“. Jetzt kommt ein dritter Teil, aber „Der 7te Zwerg“ ist kein Realfilm mehr, sondern eine Computeranimation. Alle Comedians der früheren Filme sind dennoch wieder dabei: als Sprecher. Allen voran Otto Waalkes als Bubi. Am 21. September hat der Film Weltpremiere im Berliner Zoo-Palast, am 25. kommt er dann in die Kinos. Wir haben vorab den Alt-Comedian im Berliner Savoy-Hotel getroffen.

Berliner Morgenpost: Herr Waalkes, Sie...

Otto Waalkes: Otto, ich heiße Otto. Und bitte „du“, nicht „Sie“. Das macht mich ein Jahr jünger. Als Älterer darf ich das Du anbieten.

Sie sind – du bist im Juli 66 geworden. Hat Udo Jürgens recht? Fängt jetzt erst das Leben an?

Hat er gesungen damals, mag man ja kaum noch glauben. Hat das Leben schon angefangen? Ich weiß es nicht. Wenn du 40 Jahre im Showbiz bist, dann weißt du nicht mehr, ob du 30 oder 70 bist. Da flutscht die Zeit so weg. Wenn du überlegst: Loriot hat mit 65 seinen ersten Film gemacht! Also fange ich gerade erst an.

2007 gab es die Fernsehshow „Unsere Besten – Komiker & Co.“. Da kamst du auf Platz drei, nach Loriot und Heinz Erhard. Glaubst du diesen Bestenlisten noch nach den jüngsten Manipulationsskandalen?

Von mir aus sollen die ruhig weitermanipulieren! Dann komm ich vielleicht noch weiter nach vorne. Ich will an die Spitze.

Das ist jetzt dein dritter Zwergenfilm. Kannst du nicht mehr ohne Zipfelmütze?

Das ist nicht mein dritter Zwergenfilm, es ist mein erster Animationsfilm. Den eigentlich dritten Zwergenfilm, das Prequel zu den anderen beiden Teilen, will ich ja noch machen. Aber das zeigt dann wohl: Die Mütze trag ich gern.

Wie ist das, wenn man plötzlich Trickfigur ist? Fühlst du dich gut getroffen?

So eitel bin ich nicht. Es geht jetzt nicht darum, ob du gut getroffen bist. Sondern ob der Charakter liebevoll gestaltet ist. Und das finde ich schon. Für mich ist das nicht ungewohnt, ich habe ja schon den Sid in den „Ice Age“-Filmen synchronisiert. Synchronsprechen ist aber eine Spur komplizierter. Das muss ja verwachsen. Das darf dann nicht Otto sein, der ein Faultier spricht, das muss eins werden. Das ist eine Herausforderung. Bei Bubi jetzt in „Der 7te Zwerg“ war es einfacher, da sprichst du erst. Und die Figur wird dann nach den Dialogen animiert. Das wird aber auch im Ausland gezeigt, der ist ja in 80 Länder verkauft. Da hat der Bubi dann ganz andere Stimmen. Da muss der kleine Zwerg auch ohne den Otto auskommen.

Früher hättest du alle Rollen selber gesprochen. Stand das je zur Diskussion?

Es stand mal zur Diskussion, dass ich beim ersten Zwergenfilm alle sieben Zwerge spiele. Aber das wäre zu aufwändig gewesen. Und jetzt sind wir so ne hübsche Crew, das müssen dann auch wieder alle zusammen machen.

Die ersten beiden Zwergenfilme haben zehn Millionen eingebracht...

… elf!

... steht man da unter Erfolgszwang?

Och nö. Man würde sich natürlich schon freuen, wenns wieder so läuft. Aber da müssen so viele Komponenten stimmen: Der muss zur richtigen Zeit kommen, der muss den Zeitgeist treffen. Und und und. Das ist ganz kompliziert. Es gibt Leute, die glauben, das kann man steuern. Nee. Das ist wie in der Lotterie: Mal hast du einen Gewinn, mal gar nicht. Da spielen auch Sachen mit rein, da kommst du nicht mal drauf. Da gibt es eine Schneekatastrophe, und keiner geht ins Kino. Hats alles schon gegeben. Oder du bist bei Gottschalk und willst Promotion machen, und dann verunglückt da ein Wettkandidat.

Du bist nach wie vor der Spitzenreiter des deutschen Kinos mit 14 Millionen Zuschauer beim ersten „Otto“-Film. Und das war damals nur in Westdeutschland.

Ja, das war unerreicht. Das hab ich aber auch selber nicht mehr geschafft. Da musst du dich freuen. Aber nicht unter Druck setzen.

In der Zwergen-WG seid ihr zu siebt. Du selbst hast einst in einer legendären WG gelebt, in der Villa Kunterbunt mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen. Wieviele wart ihr damals? 14?

Ja, das war ein Abenteuer. Ich kam da als Kunststudent rein. Ich hatte gerade meine ersten Auftritte im Audimax, nur deshalb konnte ich mir das überhaupt leisten. Das war ja ein elitäres, mondänes Haus in Hamburg. Der Chaot Udo hat Schlagzeug gespielt. So Uff duff duff. Und ich hatte das Zimmer darunter! Dann kam der Wessternhagen mit der Gitarre. Ich bin auch miteingestiegen. Und dann kam der Hans in Unterhosen runter und brüllte: „Ich zieh aus.“ Udo hatte ein Wasserbett, werde ich nie vergessen. Der hatte ja immer ne Kippe im Mund und ist dann oft weggenickt. Da hat das Ding geleckt und bei mir kam plötzlich das Wasser von der Decke.

Gab es dann auch die klassischen WG-Probleme: Wer geht einkaufen, wer macht den Abwasch?

Na klar. Und ich Idiot habe ja als Erster verdient und hab von meinem Geld eine Spülmaschine gekauft. Und ich wohnte im Stock, wo die Küche stand. Hab die immer schlurfen gehört. Aber das waren drei, vier tolle Jahre. Da wuchs eine richtige Szene heran. Wir sind ja auch zusammen aufgetreten in Hamburg. Das war schon eine Basis. Und verbindet uns bis heute. Ich geh zu jedem Konzert vom Udo, und das sind noch immer viele. So im Atlantic wohnen wie er heute, das wär aber nicht so mein Ding.

Hat dich diese WG-Erfahrung gerüstet?

Fürs Leben! Ich war ja bis dahin immer ein Einzelgänger. Und immer der Schwächere. Hab dann aber gemerkt, dass auch der vermeintlich Schwache in der Gruppe stark sein kann.

„Sieben Zwerge“, „Otto’s Eleven“ – funktioniert Otto solo nicht mehr?

Aber ja doch. Ich toure ja solo. Und ich will auch wieder einen Solo-Film machen. „Der Bibabutzelmann“. Leute sitzen in einer Kneipe. Einer sagt: „Ich habe ihn gesehen.“ Ein zweiter: „Hat er dich gesehen.“ - „Nein, er hat mich nicht gesehen.“ „Bist du dir ganz sicher.“ Dann klopfts. (haut auf den Tisch) Holederidi. „Niemand ist vor ihm sicher. Otto ist der Bibabutzelmann.“ Ich habe noch keine Idee fürs Drehbuch. Aber das wär schon mal ein Trailer.

Stichwort Holederidi: Es gibt Leute, die meinen, du machst seit 40 Jahren dieselben Witze.

Ach, die Leute, die das sagen, waren ja noch nie in meinen Shows. Ich mache immer ein neues Programm, zwei Stunden lang. Das würd’ mich doch selbst langweilen, wenn ich mich da immer wiederholen täte. Würde ja auch keiner kommen. Neenee, das ist schon immer was anderes. Natürlich wollen die alle ihren Otto sehen. Aber mit alten Witzen die Leute neu zum Lachen zu bringen, das ist die große Kunst. Und, pardon, das funktioniert.

Du bist der ungekrönte Vater der deutschen Comedy. Wie nimmst du die heutige Comedian-Szene wahr?

Ich weiß nicht. Die stehen ja heute alle so ohne alles auf der Bühne. Ich hatte damals meine Gitarre und habe Scherze mit gepflegten Reimen gemacht. Ein Witzeerzähler war ich eigentlich nie. Ich finde das aber immer eine große Bereicherung, neue Talente zu sehen. Die haben ja heute auch ein Forum, durch all die vielen Fernsehsender und die Comedianbühnen. Gabs bei mir damals noch nicht. Da kristallisieren sich auch richtig gute Leute heraus. Sich mit denen austauschen oder gar zusammenarbeiten, allen Zipfelmützen aufsetzen, das ist dann ein Riesenspaß. Für mich ist das wie ein Füllhorn: Kann ich immer was Neues draus machen.

Du wurdest damals noch nicht als Comedian bezeichnet, sondern als Blödelbarde. Heute klingt das ziemlich bieder. War das Etikett eigentlich verletzend?

Aber nein, das traf es doch auf den Punkt. Es gab halt noch keine Bezeichnung dafür. Barden waren Musiker, und das mit dem Nonsens zu verbinden, war doch eine hübsche Wortschöpfung. Comedian hatte ja anfangs auch eher so was Anrüchiges. Aber ehrlich: Ist mir egal, wie man das bezeichnet. Hauptsache, die Leute kommen und lachen. „Geboren, um zu blödeln“ hieß ja meine letzte Tour.

Stellt sich bei 66 die Frage, wie lange man das noch macht? Denkst du übers Aufhören nach.

Ich mach doch schon sehr wenig. Die nächste Tour mach ich erst wieder 2016. Und vielleicht noch einen Film. Ansonsten habe ich angefangen zu malen. Das ist sehr ruhig und sehr gesund.

Naja, mit 68 noch mal auf Tournee...

Aber das macht Mick Jagger doch auch. Oder schau dir Udo Jürgens an. Die zeigen dir, wie’s geht. Die hören doch überhaupt nicht mehr auf. Und wie heißt noch der Holländer...? Johannes Heesters! Der ging noch mit 105 auf die Bühne und sang: „Heut geh ich ins Maxim“. Ich habs erlebt, live. Also: Bis 105 wird durchgeblödelt. Das wäre auch ein guter Progammtitel.