Classic Open Air

Schiller auf dem Gendarmenmarkt - im Regen, aber glücklich

Auf seinem Album „Opus“ ging Schiller die Verbindung mit klassischer Musik ein. Nun spielte der Elektro-Ambient-Musiker auf dem Gendarmenmarkt - und ließ sein Fans nass, aber dankbar zurück.

Foto: Paul Zinken / dpa

Da wird jetzt, erklärt draußen ein Ahnungsloser dem anderen, der Schiller vertont. Offensichtlich gehören die beiden nicht zu den härtesten Fans. Schiller ist der Komponist Christopher von Deylen, der seit nunmehr 15 Jahren enorm erfolgreich Elektro-Ambient-Musik produziert. Entspannte Musik für entspannte Abende, für, man muss es leider sagen, Sommerabende.

Auf seinem letzten Album "Opus" ging Schiller die Verbindung mit klassischer Musik ein und es ist die logische Fortführung, dass er jetzt mit dem Symphonic Pop Orchestra und illustren Gästen den Abschlussabend der Classic Open Air gestaltet.

Es ist kalt, es ist feucht, doch als die russische Sängerin Eva Mali die Bühne in einem umwerfenden Kleid betritt und mit ihrer Stimme "Ein schöner Tag" begleitet, lässt sich das für einen Moment vergessen.

Nach der ersten halben Stunde müssen die Instrumente neu gestimmt werden, die Feuchtigkeit macht auch ihnen zu schaffen. Schon der vorherige Song "Hochland" klang nicht optimal und wird jetzt ein zweites Mal gespielt. Musikerehre. Der Dank dafür: Der erste Wolkenbruch.

Pathos im Regen

Wer kann und darf rettet sich in die einzig trockene Zone, ins VIP-Zelt. Dort knallen die Sektkorken und das Büffet ist noch warm. Zehn Minuten später ist es wieder trocken. Doch nicht alle Geflohenen kehren zurück. Der Regen, die Schirme, die Menschen in durchsichtigen Plastikfolien, die dem Klangkünstler und dem Orchester lauschen, das hat eine eigene Melancholie.

Es ist das tapferste Publikum, es kann auch vollkommen durchnässt noch begeistert klatschen. Man merkt Schiller seine Dankbarkeit an. Er ist, wie die meisten Komponisten elektronischer Musik, ein ruhiger, freundlicher Mann.

Neben der Bühne tanzt ein einsames Mädchen, als wäre sie tatsächlich bei Vollmond am Strand von Ibiza.

Eva Mali betritt die Bühne erneut, singt ein Ballade, die gesättigt ist von Schmerz. "Pathos ist großartig", sagte Stiller einmal. "Für mich kann Musik gar nicht pathetisch genug sein."

80er-Jahre-Legende Midge Ure als Gast

Weniger pathetisch, umso mehr legendär ist der britische Produzent und Musiker Midge Ure, der als nächster Gast aufritt. Das verbliebene Publikum tobt.

Ure war unter anderem mitverantwortlich für den 80er-Jahre-Welthit "Fade to Grey" von Visage. Zudem war er Sänger, Songschreiber, Gitarrist und Keyboarder der New-Wave-Band Ultravox. Leider verschwindet er nach einem Song wieder, um einem weiteren Gast die Bühne zu überlassen.

Erstmalig präsentieren Der Graf von Unheilig und Schiller live ihr gemeinsames Stück "Sonne". Pfiffe der Freude werden laut. "Du bist die Sonne", singt er. "Es tut gut, dich zu spüren an diesem schönen Tag." Da müssen manche lächeln unter den Kapuzen.

Nach "Berlin, Berlin" nass, aber glücklich

Als Schiller das Konzert nach zwei Stunden beendet, gibt es Standing Ovations und das dröhnenden Rufen nach einer Zugabe. Tatsächlich kommt noch einmal Midge Ure auf die Bühne, noch dazu mit "Vienna", einem alten Ultravox-Hit.

Es ist das imposanteste Stück des Abends. Doch mit "Vienna" kann man sich hier natürlich nicht verabschieden und so ist das letzte Lied ein neues mit dem Titel "Berlin, Berlin". Nass, aber glücklich verlässt das Publikum diese n letzten Abend der Open Air Classics.

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