Der Graf gehört mit seiner Band Unheilig zur Schwarzen Szene und wird oft mit der Genre-Bezeichnung Neue Deutsche Härte bedacht. Von Härte war bei den letzten Alben allerdings wenig zu spüren und so ist der Graf zum deutschen Superstar geworden.
Aber, so sagte er in einem Interview, bei seinen Konzerten seien die ersten Reihen immer noch schwarz. Doch hier ist das anders. Hier gehören die ersten Reihen in die Preiskategorie Gold. Da sind höchstens die Anzüge schwarz. Für Unheilig ist es das erste bestuhlte Konzert ihrer Karriere.
Punkt 19.30 Uhr geht es los. Die erste Worte vom Veranstalter Gerhard Kämpfe gelten dem Wetter. Es wird nicht regnen, verspricht er, höchstens ein paar Tropfen. Applaus schallt ihm entgegen. Der Gendarmenmarkt ist ausverkauft, drum herum sitzen Menschen in Picknickstühlen, neben sich die Kühlboxen.
Wie viele Hände hat Berlin?
Der Gute-Laune-Song „Lichter der Stadt“ ertönt, alle klatschen mit. „Wie viele Hände hat Berlin?“, ruft der Graf, die ersten springen von den Stühlen.
Könnt ihr mich hören?, fragt er. Nein!, brüllt das Publikum zurück. Lauter! Ja, Der Lärmschutz ist ein Spaßverderber. Doch der Graf fragt auch gar nicht wirklich, er kündigt bloß das nächste Stück an. „Freiheit“ heißt es, und darin: „Wenn du sagst, was du denkst, sollst du leise sein. Wenn du weißt, wer du bist, sollst du leise sein. Wenn du spürst, dass du anders bist, dann musst du lauter schreien. Freiheit! Freiheit, ich will nicht leise sein.“ Doch sein „Danke schön!“ bleibt das Lauteste an diesem Abend.
Nach einer knappen Stunde gibt es die Pause und den Wolkenbruch, der nicht angekündigt war. Die zweite Hälfte eröffnet Kämpfer dann auch mit einer Nachricht von der Wetterwarte: Jetzt wird es aber wirklich nicht mehr regnen, richtet er aus. Das Publikum blickt in den schweren Himmel.
„Wie laut kann Berlin sein?“, ertönt der Ruf des Grafen, und er singt: „Das sind unsere besten Jahre und unsere beste Zeit“, und die Regencapes singen mit. Immer mehr Menschen stehen auf, werfen die Arme in die Luft.
Fans weinen, der Himmel hält dicht
Er kündigt ein neues Album für das nächste Jahr an und spielt daraus „Goldrausch“. Es ist der schnellste Song heute. Den meisten offensichtlich zu schnell. Wer da noch rhythmisch die Arme in die Luft werfen will, braucht Training.
Zum Abschluss gibt es den größten Hit „Geboren, um zu leben“. Ohne den hätte er auch nicht gehen dürfen. Dreiviertel des Publikums kennt den Text auswendig. Manche fangen an, zu weinen. Der Himmel hält dicht. Morgen steht der Graf gleich wieder auf dieser Bühne, als Gast bei dem Konzert von Schiller.

