Zu einem Konzert des Kitzbüheler Sängers Hansi Hinterseer zu gehen, ist, als wäre man auf einer Wallfahrt, und der Herrgott persönlich erschiene den Pilgern. Am Fanshop ist ein großes Plakat vom Hansi. Er hat die Arme ausgebreitet wie Gottes Sohn am Kreuz. Und an seinem linken Arm hängt ein Schal mit Hansis Konterfei. Der ist eierschalenfarben und außen herum läuft eine goldene Bordüre - und unten eben der Hansi. Wer früher Messdiener war, muss an die Stola des Pfarrers denken und wie das nach Weihrauch gerochen hat jeden Sonntag um halb elf. Der Schal kostet 15 Euro.

Und dann gibt es noch Armbänder, die kosten einen Euro. Die kennt man noch aus den Geschäften unweit des Petersdoms. Schutzheiligenarmbänder sind dort der Renner. Von jeweils zwei Perlen getrennt, auf kleine Holzrechtecke gedruckt, schützen einen dann mehrere Heilige, die auf elastische Schnüre aufgezogen das Handgelenk umschließen. Gleich zwölf kleine Schutz-Hansis bekommen die Wallfahrer für ihren erarbeiteten Euro an diesem Abend.

Dem Hansi bringt man Geschenke mit

Im Inneren der Spielstätte ist der Erwartung groß. Hansi-Rufe hier, Hansi-Rufe dort. Damen drücken sich die sorgsam verpackten Geschenken an die Brust. Dem Hansi bringt man Geschenke mit. Rosen, Bücher, Pralinen, Bilder von sich selbst. Was da wohl drin sein mag, fragt man sich. „Rattengift!“, antwortet eine Dame und lacht. Sie korrigiert sich nochmal. „Ein Parfüm, da hat man Sex von“, sagt sie und schaut wieder nach vorne. Die Weste über der weit aufgeknöpften Bluse rückt sie zurecht.

Der Vorhang fällt. Und Hansi steht im Licht, wie einer, der von ganz oben geschickt wurde. Im weißen Hemd. In einem Herz, aus einem Lorbeerkranz geformt ist eine große „20“ und darunter steht „H. H.“. Was für eine Symbolik. Hansi Hinterseer feiert sein zwanzigjähriges Bühnenjubiläum. Ein Geiger ist dort, zwei dralle Madel, die sich zur Musik in Trachten drehen. Zwei Akkordeons spielen höllisch schnell, und im nächsten Moment sind schon die Berge auf die Leinwand projiziert, Hansi steht in seinem Tirol.

„Viva Tirol“, was für ein Song. „Viva, oh viva Tirol/ Lederhosen, Dirndl, Hände an den Po“, und Hansi jagt durch die Halle. Er sing sein „Männer aus den Bergen“. „Ja, alle wollen mit mir gehen/ warum das ist doch klar/ Männer aus den Bergen haben alle Frauen gern/ stark wie Dynamit, härter wie Granit/ aber mit an weichen Kern“. Und alle klatschen. Die Zivis, die Ordner, die Damen und Herren. Ein Konzert von Hanis Hinterseer ist eine ganzheitliche Erfahrung.

Glucksendes Glück im Schunkeltakt

Hansi geht durch die Reihen. Die Dame mit dem Parfüm hinterher. Sie wird vom Bodyguard gestoppt. Ein Ordner bringt sie an ihren Platz zurück. Bald darauf strömen über hundert Damen mit Rosen und ihren Geschenken nach vorne. Auch wieder unsere Freundin mit dem Parfüm. Sie berührt und sogar kurz. Hansi hält ein Herz nach oben. Er bedankt sich. „Mei ist das bärig mit euch“, sagt er. Zwischen Akkordeons, im Engtanz mit der Nachbarin, beim dreifachen Olé - das ruft er häufig an diesem Abend – findet Berlin sein glucksendes Glück im Schunkeltakt.

Nach der Pause kommt er vor einem Sternenhimmel wieder. Dunkles Jackett, dunkle Hosen, Stiefeletten. Wiederauferstanden als Zauberer und ganz ohne Hokus-Pokus legt Hansi Hinterseer der Gesellschaft Sterne in die Augen, nur um wenig später Schlafsand zu zerstreuen. Kalt ist die Nacht vor dem Tempodrom. Sternenklar. Der hellste Stern am Himmel aber, stand an diesem Abend auf der Bühne.