Benefiz

Ein Fall für den Morgenstern – Wenn Künstler Künstlern helfen

Der Fotograf Andreas Bromba leitet seit 2009 eine Galerie in der Budapester Straße 14, deren Erlös an Berliner Künstler in Not geht. Vier Ausstellungen pro Jahr stemmt er - und putzt auch die Toilette.

Foto: Amin Akhtar

Einen reichen Onkel hat er nicht. Für das, was Andreas Bromba auf die Beine gestellt hat, braucht man eigentlich Geld im Rücken. Organisationen, Institutionen und Stiftungen, die sich um Benefiz in verschiedenen sozialen Bereichen kümmern, gibt es einige in der Stadt. Mit „Morgenstern“ aber hat Andreas Bromba, selbst Fotograf, eine Galerie gegründet, die sich ausschließlich einsetzt für Künstler in Not.

„Die unverschuldet in Not geraten“, ergänzt Bromba. Etwa durch schwere Krankheit, Unfall oder den Brand des Ateliers, wenn also künstlerisches Arbeiten schlicht nicht mehr möglich ist oder die Werke zerstört sind. Rund 10.000 bildende Künstler leben in Berlin, da ist, weiß Bromba, manchmal weder das soziale noch das finanzielle Netz engmaschig genug.

Bromba erklärt das sehr genau, weil ihm da schon unmögliche Sachen untergekommen sind. Da rief ein junger Künstler an, es muss kurz vor Weihnachten gewesen sein, der war einfach blank, fragte bei „Morgenstern“ nach Zuschuss und argumentierte, ohne Geld könne er schließlich sein Studio nicht mehr zahlen, halt auch keine Kunst mehr machen. Über diese Haltung kann Bromba sich mächtig aufregen.

50 Prozent gehen an den Künstler

Das Modell von Morgenstern funktioniert wie in einer anderen Galerie auch. Der Gewinn aus dem Verkauf von Kunstwerken geht zu 50 Prozent an den ausstellenden Künstler, die andere Hälfte fließt in die Morgenstern-Stiftung, die dann schaut, wer wirklich Zuwendung braucht. 400 Galerien gibt es in der Stadt, die Konkurrenz ist damit stark.

„Ich bin kein Galerist, auf gar keinen Fall!“, ruft Bromba, Jahrgang 1967, der in seinem total schwarzen Outfit mit den spitzen schwarzen Schuhen samt Metallapplikation durchgehen könnte als sympathischer Edelpunker auf Opernbesuch. Er will wohl damit sagen, dass der Kommerz zweitrangig ist, der Kunstmarkt kein Bezugspunkt, gleichwohl er natürlich das Geld braucht. Als die Morgenstern-Galerie 2009 begann, bekamen der oder die Künstler/in in Not hier eine Ausstellung, damit sie wieder durchstarten konnten.

Doch das Konzept wurde geändert. Nun stellen bekannte und junge Künstler aus („auf Empfehlung“), Leute, die das Projekt einfach gut finden, denen es weniger ums Prestige geht. Klein hat Bromba angefangen, 5000 Euro flossen ins Stiftungskapital, ein Dienstleister gab zweimal 5000 Euro in den Topf dazu. So hangelt man sich durch, das verschweigt Bromba nicht.

Die Galerie muss an den Öffnungstagen betreut werden

Bromba führt durch die charmante Ladengalerie im Maisonettestil, Budapester Straße 14, unweit des Bikini-Hauses und nahe des Interconti Hotels. Eine Gegend, die gerade wieder lebendig wird. Die Kolonnaden-Zeile gehört zum Immobilienfundus der Hotelgruppe, was gut ist für Bromba, denn diese sponsert die Miete, unterstützt manchmal bei Büroarbeiten.

Wir steigen die Wendeltreppe hinunter. Diese reduzierte Architektur im Bauhaus-Stil erlebt gerade wieder ihre Renaissance. Im Keller befindet sich die Kochnische und alles, was man rund um eine Vernissage braucht, vom Plastikbecher bis zur Kleiderstange, in den alten Einbauschränken aus Holz findet es seinen Platz.

Es wird improvisiert, alles schlicht und einfach, der große Mäzen fehlt (noch). Alles Ehrenamt, die Galerie muss an den Öffnungstagen betreut werden, Planung, Verwaltung, was eben anfällt. Sieben sind sie, inklusive Brombas Freundin Cindy, die ist Psychologin, macht die Buchhaltung, springt schon mal ein, wenn Künstler auch seelisch unter Druck geraten.

Einem ersten Künstler konnten sie bereits helfen

„Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt, hätte ich das Projekt gar nicht angefangen“, gibt Bromba zu. Dazu gibt er noch das Morgenstern-Magazin heraus, eine Art Kunstführer mit Interviews und Berichten. Das vertreibt er auch selbst in Etablissements und Häusern wie dem Capital Club oder dem Museum für Fotografie.

Außerhalb Berlins werden Kunstvereine beliefert. Das Netzwerk ist wichtig. 10.000 Exemplare werden pro Ausgabe gedruckt, die Kosten gleichen sich aus durch Anzeigen. „Ein paar Krümel bleiben noch übrig für die Versicherung und den Betrieb“, sagt Bromba. Klingt mühsam. Vier Ausstellungen pro Jahr stemmt er. Bromba hält dann die Eröffnungsrede, und ja, die Toiletten putzt er, schließlich spart man damit die Ausgaben für eine Putzfrau.

Einem ersten Künstler konnten sie bereits helfen, Werner Lorenz, der mittlerweile verstorben ist. Bei dem Bildhauer kam einiges zusammen, eine schwere Lungenkrankheit, die ihn extrem schwächte, ein Feuer zerstörte sein Atelier, seine Frau verließ in. Ein Fall also für Morgenstern.

Keine Zeit für eigene Fotografie

Bromba hat schon gemerkt, so richtig kommt er vor lauter Planung nicht mehr zu seiner eigenen Kunst, um Ausstellungen vorzubereiten bräuchte er mehr Zeit. Sein Studio hat er bei Ex-Rota-Print im Wedding, dort arbeiten viele Künstler. Freunde haben neulich geunkt, „wenn du so weiter machst, kannst du dich selber in die Schlange stellen.“

Draußen eilen Leute vorbei, wahrscheinlich Hotelgäste auf dem Weg zum Termin oder zurück ins Zimmer; Morgenstern hat keine Laufkundschaft. So verpassen sie dieser Wochen die Künstlerin Meta Keppler. Ihre Spielwiese sind Formen, Symmentrien und Geometrien, das muss man mögen. Vier Quadrate aus Blattgold dekorieren die Wand im Erdgeschoss. 18.000 Euro kostet das Ensemble. Wir rechnen: 9000 Euro gingen also in die Stiftungskasse – sollte sich ein Käufer finden.

Morgenstern-Galerie, Budapester Str. 14, Mi-Fr von 15-19 Uhr. Bis 28. Februar