Terrorzelle Zwickau

ARD-Doku gibt Opfern der "Döner-Morde" ein Gesicht

Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin sind als Opfer der "Döner-Morde" bekannt. Eine ARD-Doku über die Zwickauer Terrorzelle beleuchtet nun die Schicksale.

In einer Dokumentation über die Mordserie der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) lässt die ARD die Hinterbliebenen der Opfer zu Wort kommen. Die Ermordeten seien unter dem Begriff „Döner-Morde“ lange in einen Topf geworfen worden, sagte einer der Autoren des Films, Matthias Deiß. Die Doku lasse die Familien zu Wort kommen, für die sich lange niemand interessiert habe.

Die Autoren besuchten die Familien und Bekannten der ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter, des Blumengroßhändlers Enver Simsek, des Kioskbesitzers Mehmet Kubasik, des aus Griechenland stammenden Theodoros Boulgarides sowie des 2004 in Rostock ermordeten Döner-Verkäufers. Den Behörden sei nicht aufgefallen, dass es sich hierbei um Mehmet Turgut handele und nicht um dessen Bruder Yunus, sagte Deiß.

Das Filmteam reiste in dessen Heimatort in Ost-Anatolien, wo Mehmet Turgut begraben ist. Nach Angaben der Familie seien die Passfotos der beiden von den türkischen Behörden verwechselt worden, sagte Deiß. Die Brüder hätten daraufhin ihre Pässe getauscht. Yunus habe zum Tatzeitpunkt ebenfalls in Deutschland gewohnt und sei später abgeschoben worden.

LKA wusste von Identitätstausch

Das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern bestätigte, dass Mehmet Turgut mit den Personalien seines Bruders nach Deutschland eingereist sei. Die wahre Identität des Opfers sei der Polizei aber „seit Beginn der Ermittlungen bekannt“ gewesen. Die Generalbundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt (BKA) wollten sich zunächst nicht äußern. In einem Fahndungsaufruf auf der Homepage des BKA wird Yunus Turgut als fünftes Opfer der Mordserie aufgeführt.

Die Dokumentation beschäftigt sich zudem mit dem Nagelbomben-Anschlag am 9. Juni 2004 in Köln. Die Gemeinschaftsproduktion von RBB, WDR und NDR mit dem Titel „Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin - Die Opfer der Rechtsterroristen“ wird am Montag (12. Dezember) um 22.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt.