Deutschlandtrend

Deutsche sehnen sich nach großer Koalition

Die FDP schwächelt, die große Koalition gewinnt. Auf vielen wichtigen Feldern werden CDU und SPD die größten Lösungskompetenzen zugesprochen.

In der Sonntagsfrage des Deutschlandtrends für die ARD-"Tagesthemen“ und die "Welt“ zeigen sich die politischen Lager in diesem Monat weitgehend stabil. In der veröffentlichten Umfrage kommt die Union auf 35 Prozent. Das ist ein Punkt mehr als in der Umfrage vom Vormonat.

Die Schwäche des Koalitionspartners FDP setzt sich fort: Sie gibt einen Punkt ab und kommt auf drei Prozent. Die SPD verliert einen Punkt und kommt auf 30 Prozent, die Grünen legen um einen Punkt zu und erreichen 16 Prozent. Die Linkspartei kommt auf sieben Prozent (plus eins), die Piratenpartei auf sechs Prozent (minus eins).

Geht es um die Kompetenz der deutschen Parteien wird die Sehnsucht der Bürger nach einer großen Koalition deutlich. Auf allen wichtigen Feldern wird entweder Union oder SPD die größte Lösungskompetenz zugesprochen, abgesehen vom Thema Energiepolitik. Hier punkten die Grünen.

Mehr als ein Viertel der Befragten (22 Prozent) gaben an, sich vorstellen zu können, eine vom früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gegründete Partei zu wählen.

Die Mehrheit der Befragten zeigt aber Vorbehalte gegen den wegen eines Plagiatsskandals zurückgetretenen Minister. Zwei Drittel sind der Meinung, Guttenberg könne seine Fehler „nicht einfach mit einer Entschuldigung aus der Welt schaffen“. 43 Prozent würden eine Rückkehr Guttenbergs in die Politik begrüßen, 55 Prozent sind dagegen. Immerhin 60 Prozent geben aber an, rückblickend mit Guttenbergs Arbeit als Minister zufrieden gewesen zu sein.

Damit wird Guttenberg besser bewertet als alle derzeit amtierenden Politiker. Am beliebtesten sind derzeit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), mit deren Arbeit 57 Prozent der Befragten zufrieden sind.

Auf Platz drei folgt mit 56 Prozent Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Auf den weiteren Plätzen liegen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit 55 Prozent und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit 54 Prozent. Schlusslicht der abgefragten Politiker ist FDP-Chef Philipp Rösler mit 22 Prozent Zustimmung. Er liegt knapp vor seinem Parteifreund, Außenminister Guido Westerwelle, der auf 24 Prozent kommt.

Vor dem Hintergrund der Mordserie einer rechtsextremen Gruppe zeigen viele Befragte Vorbehalte gegen die Sicherheitsbehörden. Eine Mehrheit von 58 Prozent findet, „Polizei und Verfassungsschutz sind auf dem rechten Auge blind“. Die Aufklärungsarbeit der Behörden nach Bekanntwerden der Mordserie beurteilen 33 Prozent als „gut“, 51 Prozent als „weniger gut“ oder „schlecht“. Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) sprechen sich dafür aus, die rechtsextreme NPD zu verbieten. 81 Prozent sind der Ansicht, „der Staat lässt Neonazis und Rechtsextremen zu oft freie Bahn“.

Der Erhebung zufolge wächst die Sorge wegen der Euro-Schuldenkrise. 84 Prozent äußerten die Erwartung, „der schlimmste Teil der Euro- und Schuldenkrise steht uns noch bevor“. Das waren zwei Punkte mehr als im Vormonat. Allerdings sagt eine Mehrheit der Deutschen von 55 Prozent, „ich persönlich bin von der Krise nicht betroffen“. 58 Prozent finden, „die Bundesregierung hat angesichts des Ausmaßes der Krise den Überblick verloren.“