Brücke-Museum in Dahlem

Aquarell-Schau zeigt Heckel und Schmidt-Rottluff

Die Aquarelle von Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff sind so verschieden wie Tag und Nacht. Trotzdem stellt das Brücke-Museum in Dahlem die Arbeiten beider Expressionisten zusammen aus.

Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2010; Foto: Christoph Irrgang / © VG Bild-Kunst, Bonn 2010; Foto: Christoph Irrgang/Barlach-Haus

Unterschiedlicher könnten sie kaum sein, die Aquarelle von Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff. Jene beiden Maler, die in den Jahren 1905 bis 1913 als Mitglieder und Begründer der Künstlergruppe „Brücke“ den Expressionismus einläuteten und damit einen wesentlichen frühen Beitrag zur klassischen Moderne leisteten. Mit mehr als hundert Werken zeigt das Brücke Museum in Dahlem, das sich ganz der Ausstellung von Arbeiten der berühmten Expressionisten-Gruppe widmet, zwei Werkschauen der besonderen Art, wenn es sich ganz auf die Aquarellarbeiten der beiden Maler konzentriert.

Das Aquarell als Retter in Not

Der Schwerpunkt liegt dabei auf Erich Heckel, der mit etwa 70 Werken vertreten ist, etliche davon neben den Sammlungsbeständen des Hauses aus einer Privatsammlung, darunter auch ein paar Gemälde, da bei Heckel die Aquarelle oft als Vorstudie für die Öl- oder Temperamalerei dienten. Zunächst entstanden meist Skizzen in der Natur, im Atelier dann viele der Aquarelle und in einem dritten Schritt die motivisch ähnlichen Gemälde. Anhand einiger Beispiele in der Ausstellung kann man sehen, wie Heckel mit der unterschiedlichen Wirkung der Farben experimentierte, wie skizzenhaft lebendig das Motiv einer Landschaft im zarten Aquarell wirken kann, wie unmittelbar es den Eindruck des Gesehenen festhält. In der Bearbeitung beispielsweise des Motivs „Die Au“ gleichen sich die Bilder in Farbgebung und Komposition, doch im Aquarell (1921) herrscht ein viel leichterer Pinselstrich, die Farben sind abgestufter und unruhiger aufgetragen, die Komposition wirkt insgesamt noch lebendiger als in der Leinwandarbeit (1922). Bei anderen Motivbearbeitungen wechselt Heckel aber oftmals auch Farben aus, verändert den Bildausschnitt oder wählt andere Details für die Komposition.

Im Laufe seines sechs Jahrzehnte andauernden Aquarellschaffens malte Heckel Landschaften und Stadtansichten, Eindrücke von Reisen durch Deutschland, Frankreich und Italien, Stillleben und die Zirkuswelt mit Clowns und Reitartisten. Immer wieder taucht das Motiv der Badenden auf, das schon zu Brücke-Zeiten eine große Rolle spielte. Die schrillen expressionistischen Farben und gezackten Linien der Brücke-Zeit weichen jedoch in späteren Jahren gedeckten Farben und einer eher naturgetreuen Wiedergabe des Gesehenen.

Gedeckte Farben und naturgetreue Darstellungen prägen hingegen nicht die etwa dreißig Aquarelle von Schmidt-Rottluff aus Beständen des Brücke Museums. Hier herrschen Farbenpracht und expressionistischer Strich. In frühen Stillleben und Porträts, die allesamt keinen Konturstrich aufweisen, entsteht der Gegenstand aus der Farbe selbst, sie explodiert förmlich auf dem Papier. Deutlich zu sehen ist auch, dass Schmidt-Rottluff, im Gegensatz zu Heckel, experimentiert, um die Wirkung der Farbe noch zu steigern. Blumen erblühen förmlich vor unseren Augen, Landschaften entfalten eine Dynamik.

Schon in der Brücke-Zeit war das Aquarell ein Gestaltungsmittel, das besonders dem Ansinnen der Gruppe entsprach, den Gegenstand unmittelbar und unverfälscht zu erfassen. Wiederzugeben, was sie sahen und fühlten und dies möglichst ungefiltert auf Papier zu bringen, war der Impuls für das künstlerische Programm der Expressionisten. Farbe, Form und Linie werden Ausdruckträger für inneres Erleben. Das Aquarell war dabei das geeignete Medium für das schnelle Notat. Der selbstverständliche Einsatz des Aquarells durch die Brücke-Mitglieder hat dieser Technik im letzten Jahrhundert zu hohem Ansehen als eigenständiges Medium verholfen. Zur Zeit des Nationalsozialismus war es für sie, die als Vertreter der sogenannten „Entarteten Kunst“ verfemt waren, aufgrund des Berufsverbotes und der damit verbunden Schwierigkeit, an Malutensilien zu kommen, sogar die einzige Möglichkeit, weiterhin tätig zu sein. Im Laufe ihres Lebens, so lässt sich in der Ausstellung deutlich sehen, haben die einzelnen Brücke-Mitglieder dieses Gestaltungsmittel ganz unterschiedlich genutzt und ihren eigenen unverwechselbaren Stil gefunden.