Mauritius

Berlin zeigt die berühmtesten Briefmarken der Welt

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Foto: picture-alliance/ dpa

18 der weltweit 27 noch existierenden Exemplare der Blauen und Roten Mauritius sind ab Freitag im Berliner Museum für Kommunikation zu sehen. Die dreiwöchige Schau ist eine Weltsensation - nicht nur für Philatelisten.

Das Abbild der englischen Königin Victoria (1819-1901) ist schlicht gehalten. Ihr Seitenprofil gibt es in Blau und Rot. Seit 1847 landete das Porträt als Postwertzeichen in unzähligen Briefkästen. Heute würde jeder Philatelist wohl Luftsprünge machen, wenn ihm der Postbote einen Brief mit einer „Blauen Mauritius“ zustellen würde. Das Berliner Museum für Kommunikation widmet dieser legendären Briefmarke nun eine eigene Ausstellung und hofft so auch eine Antwort auf die Frage zu finden, warum die Marke so berühmt ist.

Kurator Veit Didczuneit wartet auf die Kurier-Fahrer. Er wird eine nicht einmal ein Gramm schwere Fracht in Empfang nehmen. Für die weltbekannten Mauritius-Briefmarken gilt Sicherheitsstufe eins. Die Postwertzeichen werden rund um die Uhr bewacht und in einer 18 Grad kühlen Vitrine bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent ausgestellt. Hinter dem Glas werden wahre Kostbarkeiten gezeigt: „Für rund 6,5 Millionen D-Mark war 1993 ein Brief mit einer blauen und roten Mauritius-Marke bei einer Auktion ersteigert worden“, berichtet der Kurator. Im vergangenen Jahr sei für eine Marke über eine Million Euro erzielt worden.

Weltweit gibt es nur noch 27 dieser Marken

Weltweit gibt es nur noch wenige dieser berühmten Briefmarken. Andreas Hahn, Leiter des Archivs für Philatelie in Bonn, beziffert den Bestand auf 27. Eine werde seit Anfang des 20. Jahrhunderts vermisst. Umso erfreuter sind die beiden Experten, dass in der Ausstellung ab Freitag (2. September 2011, 9 Uhr) gleich 18 dieser seltenen Exemplare zu sehen sind.

Die einstige britische Kronkolonie Mauritius hatte die Briefmarken 1847 erstmals in Auftrag gegeben, sagt Kurator Didczuneit. 500 blaue und 500 rote seien damals gedruckt worden. „Die Druckplatte der ersten Serie war zunächst verschwunden, tauchte 1912 wieder auf und ist Mitte der 1930er Jahre abermals abhandengekommen“, sagt der Kurator.

Das Besondere dieser ersten kleinen Auflage war: Auf den Marken stand nicht wie üblich „POST PAID“, sondern „POST OFFICE“. Die roten Ein-Penny-Marken und die blauen Zwei-Pence-Marken wurden als „rote Mauritius“ und als „blaue Mauritius“ schnell berühmt und erzielten bei philatelistischen Auktionen immer neue Rekordpreise.

Letze Briefmarke vor mehr als 60 Jahren entdeckt

Die wenigen erhalten gebliebenen Originale befinden sich entweder in Privatbesitz oder gehören Museen wie dem Berliner Kommunikationsmuseum, das seinen Besuchern ein blaues und ein rotes Exemplar zeigen kann. Eine weitere Marke gehört Queen Elizabeth II. „Die Königin hat uns ihre als Leihgabe zur Verfügung gestellt“, sagt der Kurator stolz. Der Beauftragte der königlichen Briefmarkensammlung werde sie persönlich nach Berlin bringen.

Dort dürften die Interessierten vor den Wertzeichen Schlange stehen. „Wir rechnen mit mehreren Zehntausend Besuchern“, sagt Didczuneit. Reservierungen im Internet werden deshalb empfohlen. „Die Mauritius-Marken verzaubern trotz ihrer Schlichtheit die Sammler.“ Nicht zuletzt auch deshalb, weil es nach Ansicht des Experten durchaus realistisch ist, „dass jemand irgendwo noch eine verschollene Marke aufspüren könnte“.

Die letzte wurde Ende der 1940er Jahre in Großbritannien entdeckt. Seither ist keine weitere mehr aufgetaucht. „In Deutschland ist zwar nie eine gefunden worden, aber hier dürften sich mittlerweile mindestens sechs bis acht dieser seltenen Postwertzeichen befinden“, sagt Hahn. Eine Erklärung für die Faszination der Deutschen für diese Briefmarke habe er noch nicht. Aber vermutlich sei es ihre Farbe.

( dapd/sei )