Pflaume-Show

Kais ungelenke Gaga-Suche nach klugen Deutschen

Im ARD-Quiz sucht Kai Pflaume den "klügsten Deutschen 2011". Statt Champions-League-Niveau gab es jedoch einen ungelenken Wust aus altbekannten TV-Spielchen.

Die Ankündigung zu Beginn der Show war großspurig – Jurymitglied Matthias Opdenhövel versprach für das zweite Halbfinale von „Der klügste Deutsche 2011“ Champions-League-Niveau.

Doch leider konnte das Team um Moderator Kai Pflaume das Versprechen nicht einlösen. Wie es sich für ein richtiges Halbfinale gehört, wurde zunächst viel Spannung aufgebaut – von Schnelligkeit, Kombinationsfähigkeit und Allgemeinwissen wurde gesprochen, und dass von den Kandidaten viel abverlangt würde. Es gehe schließlich um 100.000 Euro.

Doch bei der zweiten Ausgabe der Quiz-Show blieben Schnelligkeit und Spielfluss in der Anfangsphase stecken.

Unmittelbar nach dem Vorspann werden die Zuschauer noch einmal in die wunderbare Welt des Kandidaten-Castings mitgenommen. Das ist ungefähr so, als wenn nach dem Anstoß der Halbfinalpartie Deutschland gegen Spanien bei der Fußball-WM in kurzen Einspielfilmen der Weg beider Mannschaften nochmals aufgezeigt wird – das eigentliche Spiel erstmal ignoriert wird.

Und so dürfen die Zuschauer sich den tollen Casting-Bus ansehen, der durch Deutschland fährt und in dem Tausende potentielle Kandidaten Tausende Fragen gestellt bekommen, die Anhänger von Quiz-Shows schon tausendfach gehört haben. Einige sind tatsächlich schwierig, denn nur fünf von 200 Befragten beantworten die Frage nach dem zweiten Vornamen von Bundeskanzlerin Angela Merkel richtig – Dorothea.

Ein Mikrofon mit Burn-out

Banaler Höhepunkt des Vorgeplänkels ist ein Filmbericht über ein Mikrofon. Einem Mikrofon, das den potentiellen Kandidaten bei den Castings quer durch Deutschland unter die Nase gehalten wurde. Es leide nun an Burn-out, und trotzdem leuchtet über ihm ein Heiligenschein – es geht hier tatsächlich nur um ein Mikrofon.

Die Spielregeln werden erklärt, weitere Einspielfilme werden gezeigt, die Jury und der wissenschaftliche Beistand werden vorgestellt. Und so zieht sich der Spielbeginn in die Länge. Nach einer scheinbar unendlichen Phase des Abtastens bringt Spielmacher Kai Pflaume den ersten Kandidaten live und wahrhaftig auf die Bühne.

Für eine kurze Phase von 90 Sekunden wird das Spiel schnell gemacht. Die drei Jurymitglieder – das sind neben Matthias Obdenhövel noch die Tagesschausprecherin Judith Rakers und der Humormediziner Eckart von Hirschhausen – stellen einem Werbefachmann und Marathonläufer aus Nürnberg Fragen.

Hier kommt auch der Zuschauer ins Spiel. Denn was wäre eine Quiz-Show ohne das beliebte Mitraten und Mitfiebern auf der heimischen Couch. Doch die Fragerunde dauert nur 90 Sekunden, und schon geht es in die zweite Abteilung. Hier müssen die klugen Deutschen unter anderem ihre „emotionale Intelligenz“ beweisen, in dem sie beispielsweise ein richtiges von einem aufgesetzten Lächeln unterscheiden.

"Nur die Liebe zählt", ick hör dir trapsen

Kai Pflaume findet während der gesamten Sendung keine wirkliche Bindung zum Spiel. In den kurzen Begegnungen mit seinen Kandidaten springt der Funke nie so richtig über. Er wirkt seltsam ungelenkt und distanziert. Oft greift er auf Altbewährtes zurück – seinen Kandidaten lässt er per Botschaft auf dem Tablet-PC ausrichten, sie hätten sich fürs Halbfinale qualifiziert. "Nur die Liebe zählt", ick hör dir trapsen.

Und einmal wird auch die gute alte Herzblattwand zumindest verbal aus dem Fernseharchiv geholt. Überhaupt erinnert viel an das Programm vergangener Tage, das die ARD uns mit „Der klügste Deutsche 2011“ serviert.

Die 70er Jahre boten tollen Fußball mit Müller, Beckenbauer und Netzer, aber auch Straßenfegershows mit Kulenkampff, Carrell und Frankenfeld. Das Fußballspiel hat sich erheblich verändert, es ist dynamischer, athletischer und schneller geworden. Die neuen Stars heißen Özil, Müller und Schweinsteiger.

Auch viele Shows sind moderner und schneller – wenn auch nicht immer besser – geworden. Doch der Spielshow-Gestalter Kai Pflaume greift auf längst Vergilbtes zurück.

So darf ein Kandidat Passanten zählen, die einen Zebrastreifen überqueren. Eine andere Kandidatin muss einem Gespräch von vier Barbesuchern lauschen. Die gestelzten Sätze dieser Leute erinnern stark an die Schulbücher aus dem Sprachunterricht – erste Lektion. „Ich verreise mit meinem Freund Michael“. Anschließend muss sie dann beantworten, wer dieser Barbesucher Geige spielt.

Die nächste Show ist immer die Schwerste

Der eigentliche Spielanteil bei „Der klügste Deutsche 2011“ ist gering. Nicht einmal ein Fünftel der Zeit wird geraten, überlegt, gerechnet und gespielt. Kandidat folgt auf Kandidat, ohne dass einer wirklich im Gedächtnis bleibt – bis auf den Versicherungsfachwirt aus Pulheim.

Er weiß in der Schnellraterunde 14 Antworten und rechnet bei der getanzten Mathematik alles korrekt zusammen. Da blieb die Jury nur staunend zurück – „super“ – „der hat's drauf“. Dann kam der eigentlich spannendste Teil der Show: Wer von den sechs Kandidaten schafft den Sprung ins Finale?

Den ersten bestimmte die Jury, und was Wunder, der Versicherungsfachwirt zieht als erster ein. Dann darf das Publikum ran, per Knopfdruck entscheidet es über die restlichen drei Plätze.

Bevor auf der großen Studioleinwand das Ergebnis verkündet wird, weiß Matthias Obdenhövel schon, wer am Samstag dabei ist: „Der Kai ist sicher im Finale“.

Überhaupt ist Obdenhövel der einzige, der so etwas wie Spielwitz mitbringt und selbstironische Bemerkungen einwirft: „Es darf wieder geweint werden bei Kai Pflaume“. Schlusspfiff. Bleibt noch das Finale von „Der klügste Deutsche 2011“.

Dann werden die acht Kandidaten aus den beiden Halbfinals gegeneinander antreten. Hoffentlich mit mehr Spielanteilen. Anstoß ist am Samstag, 29. Oktober 2011, um 20:15 Uhr in der ARD.