"Drei bei Kai"

Kaffeeklatsch-Quiz mit Gehüpfe und vielen Küsschen

Die ARD setzt voll auf Pflaume: Drei Generationen kämpfen jetzt in "Drei bei Kai" jeden Freitag um 300.000 Euro. Und bald folgt noch seine ARD-Show Nummer Fünf.

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Jetzt haben sie den Kai endgültig zum Jörg gemacht, die bei der ARD. Vielleicht stand das sogar in der Jobbeschreibung von Herrn Pflaume, als der Anfang des Jahres von Sat.1 zu den Öffentlich-Rechtlichen wechselte – könnte doch sein. Schließlich klaffte da eine große Lücke, die die frühere Allzweckwaffe Jörg Pilawa mit der Abwanderung zum ZDF im Herbst 2010 hinterlassen hatte, und die Pflaume nun wohl füllen muss.

Eigentlich sind dessen Spezialgebiet ja die Liebenden: Tränen und Trennungen, Heiratsanträge und Herzschmerz – 18 Jahre „Nur die Liebe zählt“ müssen Spuren hinterlassen. Doch jetzt heißt die Parole: Familie, Familie, Familie.

Man gab ihm das „Star Quiz“, „Klein gegen Groß – Das unglaubliche Duell“ und „Dalli Dalli“ (NDR). Und vertraut darauf, dass Kai Pflaume damit die Teenager von Sarah Connor und die „Best Ager“ von Carmen Nebel wegholt. Die Zielgruppe: alle, von 0 bis 99.

So ist das auch bei „Drei bei Kai“, Pflaumes Show Nummer Vier für den neuen Arbeitgeber. Zur besten Vorabendsendezeit um 18.50 Uhr lässt er von nun an jeden Freitag drei Familienteams mit jeweils drei Kandidaten aus drei Generationen um bis zu 300.000 Euro spielen. Und auch Joker gibt es – wer hätte es gedacht? – drei.

Jahrzehntelang von Kulenkampff, Jauch & Co. erprobt

In einer Qualifikationsrunde, in der es auf „Wissen und Schnelligkeit“ ankommen soll, treten dieses Mal ein Frauen-, ein Männer- und ein gemischtes Familienteam gegeneinander an. Moderator Kai bezeichnet das als „spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen“. Doch es zieht sich ganz schön lange, bis sich Enkelin Anna-Maria, Mutter Eva-Maria und Oma Anneliese mit viel Gekreische und Gehüpfe durchsetzen und damit als erstes ans Quiz-Pult dürfen.

Die Älteste ist schon jetzt vor Aufregung ganz fertig. „Braucht Oma mal einen Stuhl zwischendurch?“, fragt Pflaume galant und macht sich damit bei den Schwiegermüttern im Publikum wohl noch beliebter, als er es, laut übereinstimmenden Umfragen, sowieso schon ist. Die verzeihen bestimmt auch, dass er sich nach dem Alter der Frau – Anneliese ist 79 – erkundigt, obwohl man das bei Damen ja nun wirklich nicht macht.

Jede darf sich nun pro Gewinnstufe für eine angebotene Kategorie entscheiden und muss dann alleine die richtige Antwort erraten. Und geraten wird viel: Bei der Frage „Wie oft am Tag liegen der Stunden- und der Minutenzeiger einer Uhr übereinander?“ rechnet man zum Beispiel nicht etwa nach, sondern vertraut auf die weibliche Intuition. Immerhin mit Erfolg: Bei „22-mal“ hatten alle drei Frauen ein übereinstimmend gutes Gefühl.

In jahrzehntelang von Kulenkampff, Jauch & Co. erprobter Quizmaster-Manier versucht Kai Pflaume bei jeder schon eingeloggten Antwort mehr Spannung zu erzeugen, indem er verunsichernd nachfragt und seinen Kandidatinnen bedeutungsschwangere Blicke zuwirft. Das sowieso schon wenig temporeiche Spiel wird dadurch aber leider nicht aufregender, sondern noch mehr eingebremst.

Klassisches Quiz mit Pflaume im Konfirmanden-Look

Bei jeder richtigen Antwort gibt es reihum Küsschen. Als dann „Überraschungsjoker“ Bauer Wilhelm, ein Nachbar der Familie, der einst Mutter Eva-Maria (49) mit ihrem Mann verkuppelt hat, unerwartet im Studio erscheint, ist die Kaffeeklatsch-Stimmung perfekt.

Erst bei der Frage, was es mit den über Berlin verstreuten „Café Achteck“ auf sich hat, ist es mit der guten Laune vorerst vorbei. Tochter Anna-Maria (25) war noch nie in der Hauptstadt und weiß nicht, dass es sich hierbei um historische öffentliche Toiletten handelt. Die Joker sind alle verballert, also hört die Familie vernünftigerweise auf und geht mit 12.000 Euro nach Hause.

Müsste man diese 55 Minuten am Vorabend mit einem Wort zusammenfassen, dann wäre das „harmlos“. Harmlose Fragen, harmlose Gäste – und ein harmloser Moderator, der im schwarzen Zweireiher, Eton-Hemd, mit gestreifter Krawatte und gestriegeltem Haupthaar wie immer ein bisschen aussah wie ein Konfirmand.

Wer aber von „Drei bei Kai“ nicht mehr und nicht weniger erwartet als eine klassische Quiz-Show, bei der er mitraten und sein eigenes Allgemeinwissen überprüfen kann, der wird durchaus gut unterhalten.

Der 44-Jährige selbst dürfte sich auf diesem Sendeplatz ganz besonders wohlfühlen: Schließlich hatte er vor genau 20 Jahren an einem Freitagabend seinen allerersten Fernsehauftritt – als Kandidat bei „Herzblatt“.

Dass die ARD voll und ganz hinter ihrem neuen Allrounder steht, beweist die Tatsache, dass bereits am Samstag, den 22. Oktober, eine fünfte große Show mit Kai Pflaume als Moderator startet: „Der klügste Deutsche 2011“, eine Sendung für die ganze Familie. Was auch sonst.