Berühmte Hitler-Kopie

Chaplins "Großer Diktator" am Brandenburger Tor

Zum Auftakt des Stummfilmfestival "Chaplin Complete" wurde der Film "Der große Diktator" am Brandenburger Tor unter freiem Himmel gezeigt. Mit dabei waren nicht nur zahlreiche Berliner, sondern auch Chaplins älteste Tochter, die Schauspielerin Geraldine Chaplin.

"Der große Diktator“ am Brandenburger Tor: Mit einer Open-Air-Vorführung von Charlie Chaplins legendärer Hitler-Satire ist am Freitagabend in Berlin das Filmfestival „Chaplin Complete“ eröffnet worden. In einer einmaligen Retrospektive zeigt das Babylon Kino bis zum 7. August alle 80 Filme des großen US-Komikers, einige davon mit Live-Musik.

Zum Auftakt begrüßte Chaplins älteste Tochter, die Schauspielerin Geraldine Chaplin („Doktor Schiwago“), bei durchwachsenem Wetter mehrere hundert Gäste zu der Freiluftaufführung und erinnerte an den Besuch ihres Vaters in Berlin vor 80 Jahren.

Es sei ein historischer Moment, den „Großen Diktator“ am Brandenburger Tor zu sehen, sagte sie dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, der den Film als Partner des Festivals zeitgleich im Fernsehen zeigte. „Man spürt förmlich, wie die Zeit vergangen ist. Mein Vater wird heute hier sein, aber dieser andere Kerl ist tot.“

Charlie Chaplin war im März 1931 zur Vorstellung seines Films „Lichter der Großstadt“ nach Berlin gekommen. Unzählige Fans, die ihn schon aus „Goldrausch“ kannten, säumten seinen Weg vom Bahnhof Friedrichstraße bis zum Hotel Adlon am Brandenburger Tor. Nur zwei Jahre später feierten die Nazis dort mit einem Fackelzug durch das Tor ihre Machtergreifung.

Geraldine Chaplin erzählte, ihr Vater habe den „Großen Diktator“ Ende der 30er Jahre aus eigenem Geld finanzieren müssen. „Jeder hat ihn davor gewarnt.“ Nach der Premiere in London 1940 hätten die Menschen die Hitler-Satire jedoch geliebt. „Plötzlich konnten sie über dieses Monster lachen.“

Chaplin selbst beurteilte sein Werk später eher selbstkritisch. In seiner Autobiografie schrieb er: „Hätte ich von den Schrecken in den deutschen Konzentrationslagern gewusst, ich hätte „Der große Diktator“ nicht zustande bringen, hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können.“

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