Charlies Enkelin

"Ich liebe den Namen Chaplin"

Dolores Chaplin trägt einen Namen, der eng mit dem Filmgeschäft verbunden ist. Und tatsächlich: Sie dreht Filme! Derzeit ist sie in "Die Fälscher" im Kino zu sehen. Ein Gespräch über Romantik, Essen und ihren Großvater Charlie Chaplin.

Dolores Chaplin, 27, hat rein äußerlich nicht viel mit ihrem legendären Großvater Charlie zu tun. Sie geht normal, sie trägt keinen Hut, und trotz Dutzender Termine gibt sie ihrem Gesprächspartner das Gefühl, alle Zeit der Welt zu haben.

Immerhin, sie versucht sich zurzeit in den Fußstapfen des Großvaters: Sie hat einen neuen Film gedreht. In „Die Fälscher“ spielt sie eine geheimnisvolle Fremde, die dem Protagonisten im Casino in Monte Carlo den Kopf verdreht.

Morgenpost Online: Sie heißen Chaplin, ist mit so einem Nachnamen der Weg ins Filmgeschäft vorbestimmt?

Dolores Chaplin: (lacht) Nein, eigentlich nicht. Als Kind hatte ich keinerlei Berührung mit dem Film. Meine Eltern wollten es so. Mein Vater ist Schriftsteller und meine Mutter Malerin. Ich bin auf dem Land groß geworden, und bis ich neun Jahre alt war, bin ich nicht zur Schule gegangen. Stattdessen reiste ich mit meinen Eltern um die Welt. Sie waren waschechte Hippies. Die einzige Schauspielerin, mit der ich als Kind Kontakt hatte, war Geraldine Chaplin. Manchmal lud Geraldine auch ein paar Schauspielerfreunde ein. Ich war natürlich beeindruckt, aber mir war damals nicht bewusst, dass der Name Chaplin so eng mit dem Filmgeschäft verbunden ist.

Morgenpost Online: Wann haben Sie denn zum ersten Mal realisiert, wie berühmt Ihr Großvater ist?

Chaplin: Um ehrlich zu sein, ist das noch gar nicht so lange her. Die Erkenntnis über die Bedeutung meines Großvaters hat sich erst allmählich eingestellt. Es gab nie den Augenblick, in dem ich wie vom Donner gerührt plötzlich wusste, dass er eine Berühmtheit ist. Außerdem war mein Großvater ja leider schon tot, als ich zur Welt kam.

Morgenpost Online: An so einem Namen muss man sich messen lassen. Haben Sie jemals darüber nachgedacht, ihn zu ändern?

Chaplin: Nein, theoretisch hätte ich den Namen meiner Mutter annehmen können, aber das ist mir nie in den Sinn gekommen. Ich liebe den Namen Chaplin, weil mein Vater so heißt und ich ihn sehr bewundere. Er ist für mich der tollste Mann auf der Welt. Wenn ich an Chaplin denke, assoziiere ich zuerst ihn und nicht meinen Großvater. Ich könnte mir nicht vorstellen, zu ihm zu gehen und zu sagen: „Papa, ich will deinen Namen nicht mehr.“

Morgenpost Online: Welchen Film Ihres Großvaters mögen Sie am liebsten?

Chaplin: „The Kid“ hat tief berührt. Und auch „Der König von New York“ gefällt mir sehr, schließlich ist der Junge, der darin mitspielt, mein Vater. Ich fand es faszinierend, ihn als Kind zu sehen.

Morgenpost Online: Der Chaplin-Clan ist ziemlich weit verzweigt...

Chaplin: Sie haben recht. Mein Vater kommt aus einer sehr großen Familie. Ich habe selbst vier Geschwister, und als Kind hatte ich den Eindruck, dass meine Mutter ständig schwanger war. Ich bin selbst ein sehr mütterlicher Typ, aber im Moment habe ich nicht das Bedürfnis, ein Kind zu bekommen. Trotzdem hoffe ich, dass es sich irgendwann einstellen wird. Dafür braucht man natürlich auch den richtigen Partner.

Morgenpost Online: Sind Sie denn Single?

Chaplin: Nein, ich habe einen Freund. Aber es ist ein Unterschied, ob man mit jemand ein Kind haben will oder ob man in jemanden verliebt ist. Er lebt wie ich in Paris. Aber er begleitet mich nicht auf Festivals oder Interviewreisen. Es macht nicht so viel Spaß, wenn der eine den ganzen Tag arbeitet und der andere Ferien hat. Als ich ihn zum Filmfestival nach Cannes mitgenommen habe, war ich die ganze Zeit angespannt, weil er sich vernachlässigt fühlte. Es ist schöner, die Ferien miteinander zu verbringen.

Morgenpost Online: Arbeitet Ihr Freund auch beim Film?

Chaplin: Nein, er spielt Basketball. Er hat lange Zeit für einen französischen Profiklub gespielt. Aber jetzt hat er aufgehört, weil er eine schwere Verletzung hatte.

Morgenpost Online: Sie arbeiten auch als Model. Ist das nur ein weiterer Job, oder interessieren Sie sich für Mode?

Chaplin: Einige der Schauen in Paris schaue ich mir gern an. Ich mag den ganzen Rummel drum herum und interessiere mich für schöne Kleidung. Mode ist Spaß, aber manchmal kann man davon auch Kopfschmerzen bekommen. Es wird eben oft zu viel Aufhebens um nichts gemacht. Aber natürlich liebe ich es, schöne Kleider zu tragen.

Morgenpost Online: Wer ist Ihr Lieblingsdesigner?

Chaplin: Ich habe einige Designer, die mir gefallen. Valentino schätze ich sehr. Auch der klassische Stil von Jil Sander gefällt mir. Außerdem werde ich bei Balenciaga und Chloé schwach. Ich lasse mich nicht auf einen Stil festlegen, ich mag die Abwechslung.

Morgenpost Online: Welches Lieblingsstück haben Sie auf Reisen immer im Koffer?

Chaplin: Ich würde nie ohne eine Jeans verreisen. Und natürlich müssen auch High Heels in den Koffer.

Morgenpost Online: Viele Menschen denken, das Leben der Schauspielerinnen und Models sei eine einzige Party. Ihres auch?

Chaplin: Manchmal schon. Aber ich bin eigentlich jemand, der gern früh schlafen geht, am liebsten vor Mitternacht. In der Beziehung bin ich schon sehr langweilig, und mein Freund ist enttäuscht, wenn ich eine Party früh verlassen möchte. Aber ich brauche meinen Schlaf. Es gibt allerdings auch Abende, an denen ich im Mittelpunkt stehen will und bis zum Umfallen tanze – gern auf dem Tisch. Aber ich hasse den Zigarettenqualm in den Clubs. Zu viel Rauch bringt mich um. Ich könnte nicht jede Nacht ausgehen. Ich möchte mich morgens im Spiegel wiedererkennen.

Morgenpost Online Was ist – außer ausreichend Schlaf – Ihr Schönheitsrezept?

Chaplin: Ich trinke viel grünen Tee und versuche, mich gesund zu ernähren. Ich mache mir Gedanken darüber, was ich esse und welche Qualität die Nahrung hat. Ich kaufe meistens Produkte aus ökologischer Landwirtschaft. Es ist schon verrückt, was für ungesundes Zeug wir in uns hineinstopfen. Man muss seinen Körper wie einen Tempel behandeln und ihm nur das Beste geben. Viele Menschen vergiften ihren Körper durch stark belastete Lebensmittel. Als Folge davon bringen wir unser Immunsystem durcheinander und werden krank.

Morgenpost Online: Kochen Sie selbst?

Chaplin: Ja, sehr gern, aber nicht für mich selbst. Wenn ich allein zu Hause bin, stelle ich einen Topf mit Wasser auf den Herd und werfe irgendein Gemüse hinein, schon ist mein fades Abendessen fertig. Aber wenn Freunde zu Besuch kommen, gebe ich mir richtig Mühe und koche sehr aufwendig. Meine Mutter ist Halbinderin. Sie hat mir beigebracht, wie man indische Currys zubereitet. Oder ich probiere auch gern neue Gerichte aus. Wenn ich eine tolle Speise im Restaurant hatte, lasse ich mir das Rezept geben und versuche es zu Hause nachzukochen. Meine Mutter ist eine tolle, kreative Köchin. Sie hat ihre Kochbücher irgendwann zur Seite gelegt und hat die Zutaten nach Gefühl hinzugefügt. Man braucht nur ein paar Basiszutaten, und der Rest ist Gefühl.

Morgenpost Online: Für „Die Fälscher“ haben Sie zum ersten Mal in einer deutschen Produktion mitgespielt. Welche Vorurteile gegenüber deutschem Essen hatten Sie?

Chaplin: Ich hatte gehört, dass die Deutschen am liebsten Würstchen mögen und deswegen ständig welche essen...(lacht).

Morgenpost Online: Und was haben Sie sonst noch über uns gehört?

Chaplin: Dass sie sehr schnell rot werden, wenn sie in der Sonne liegen, so wie die Engländer. Aber mittlerweile sehe ich das differenzierter. Ich glaube, die Deutschen werden nur rot, während die Engländer in Richtung pink changieren. Farblich ist es schon ein gewaltiger Unterschied (lacht).

Morgenpost Online: Im Film tanzen Sie Tango am Strand. Sind Sie selbst auch so romantisch?

Chaplin: Ich bin ein ziemlich romantischer Mensch. Und vor den Dreharbeiten hätte ich mir auch vorstellen können, in einem wunderschönen Abendkleid nachts am Strand zu tanzen. Aber da ich nun weiß, wie anstrengend das ist, würde ich verliebten Paaren eher empfehlen, woanders zu tanzen. Ich bin mir ständig auf den Saum getreten, außerdem bin ich mit meinen Absätzen bei jedem Schritt im Sand versunken. Am Strand zu tanzen ist also eher ein Albtraum.

Morgenpost Online: Das zentrale Thema Ihres Films ist Geld. Glauben Sie, dass Geld Menschen attraktiv macht?

Chaplin : Nein. Ich glaube nicht, dass Geld Menschen attraktiver macht. Es ist die Power, die sie sexy macht. Geld kann einem Menschen zu Macht verhelfen, und das macht attraktiv. Einige Frauen finden es anziehend, wenn Männer Macht haben. Männer, die nur Geld haben, aber keine Macht, sind doch Schwächlinge.

Morgenpost Online: Ist es sexy, viel Geld im Spielkasino zu verlieren?

Chaplin: Ich finde es irgendwie romantisch. Einen Spieler, der viel Geld verloren hat, umgibt ein Hauch von Verzweiflung und Leidenschaft. Das sind sehr intensive Gefühle. Ich hasse es allerdings zu verlieren. Nie im Leben könnte ich eine große Summe verspielen.

Morgenpost Online: Glauben Sie an Happy Ends?

Chaplin : Ja. Und ich finde, jeder sollte daran glauben. Denn wer nicht an ein glückliches Ende glaubt, geht ja vom Gegenteil aus, also einem unglücklichen Ende. Das Leben hat mit Energie zu tun, du ziehst die Dinge an, an die du glaubst. Deshalb versuche ich, die Dinge immer positiv anzugehen und fest an das Happy End zu glauben.

Das Gespräch führte Bettina Aust