"Germany’s Next Topmodel"

Heidis Model-Horrorshow mit Ratten und Rülpsern

Ein Hauch von "Dschungelcamp" bei Heidi Klums Model-Wettstreit: Bei einem Grusel-Shooting werden die Kandidatinnen mit Ekel-Ratten und künstlichem Blut traktiert.

Für manche TV-Zuschauer ist “Germany's Next Topmodel“ der blanke Horror, doch als Motto hatte Heidi Klum den Grusel noch nie in ihrer Sendung. In der dritten Folge der neuen Staffel war es nun soweit, und deshalb sollten sich die Mädchen vor allem gruselig und weniger lieblich präsentieren.

In den Katakomben Londons standen sie für einen alten Bekannten der Show vor der Linse: Starfotograf Rankin, der laut Heidi „das Potenzial eines Mädchens auf Anhieb erkennt“, lichtete die Nachwuchsmodels in Zweier- und Dreiergruppen mit künstlichem Blut, geschminkten Narben, Wunden und lebenden Ratten ab. Über Amelie verkündete er verzückt „I love her“.

Die Ansage der Jury kam gleich zu Beginn allerdings mit weniger Enthusiasmus aus. Wenn eines der Mädels nicht mitspiele, werde es direkt nach Hause geschickt.

Schauspielerische Leistung war die Aufgabe, die gefordert war. Die Kandidatinnen sollten ihr Talent beweisen und panische Angst auf einer Flucht darstellen. Doch bei Marie-Luise und Lisa-Marie sah dies trotz Horrorszenario eher nach Ententanz und Zahnweh aus – das zumindest war die wenig nette Zusammenfassung von Oberjurorin Heidi.

Eine deutsche Dita Von Teese?

Auch die restliche Jury warf den beiden Maries vor, das Thema verfehlt zu haben. Trotzdem schafften die Kandidatinnen es am Ende eine Runde weiter. Das mag auch daran gelegen haben, dass Marie-Luise ihre schauerliche Burlesque-Darbietung aus der ersten Folge verbessern konnte. Wer weiß, vielleicht will die Jury am Ende dieser Staffel eine ebenbürtige deutsche Version einer Dita Von Teese sehen.

Zu einer wirklich Furcht einflößenden Zerreißprobe wurden die vielen Ratten für Paulina. Sie schrie, wand und ekelte sich, drehte fast durch und konnte sich kaum auf ihr Shooting konzentrieren. Und sobald sie eines der Tiere an ihrer Haut spürte, löste das eine erneute Nervenkrise aus. Ihre Teamkollegin Aleksandra musste die tränenaufgelöste Paulina danach kräftig trösten.

Dem Mienenspiel von Concetta ließ sich nur schwer entnehmen, ob ihr das unterirdische Gruselkabinett zu schaffen machte. Auf jedem Foto hatte sie angeblich das „gleiche Gesicht“. Heidi warnte, wenn das so weitergehe, müsse sie nach Hause gehen – aber selbst diese Drohung brachte Pokerface Concetta nur kurz aus der Fassung. Dafür machte immerhin das Crew-Mitglied, das die Windmaschine bediente, ein filmreifes Gesicht, das vor allem schreckliche Langeweile ausdrückte. Für Concetta ging der Horror vermutlich erst richtig los, als sie wegen ihrer starren Visage am Ende tatsächlich die Show verlassen musste.

Das Nachspielen unechter Gruselszenarien mit lebendigen Ratten bedeutete aber nicht für alle Mädchen den blanken Horror: Anna-Lena und Rebecca gingen mit den Tieren auf Kuschelkurs. Dafür gab es aufmunternde und lobende Worte von Seiten der Jury, die allesamt in grauen Strickmützen in die Katakomben hinab stiegen.

Ein britischer Wachposten wird traktiert

Auch die sogenannte “Challenge“ der Woche präsentierte eine Fülle unheimlicher Momente. Und das nicht nur für den britischen Royal Guard, den die Kandidatinnen aus seiner dienstlich vorgeschriebenen Reserve locken sollten (Video hier ). Marie-Luise schaffte es, ihm ein winziges Lächeln abzuringen, und zwar durch ihr schräges Outfit und ihre gewohnt linkische, aber sympathische Art.

Tahnee setzte, wenig kreativ, ihre Reize in Unterwäsche zu Schau. Sarah klaute Anna-Lenas Idee und bemalte die Wache mit rotem Lippenstift. So blieb Anna-Lena wiederum nichts anderes übrig, als sich zuerst aufzuregen und dann doch auszuziehen, obwohl sie vorher angekündigt hatte, das auf keinen Fall tun zu wollen. Ihre Bikinishow wurde dafür jedoch mit einem breiten Lächeln belohnt.

Einen ziemlich furchtbaren Einfall hatte die Jüngste unter den Nachwuchsmodels, Amelie. Sie rülpste dem armen Mann ins Gesicht und in die Ohren. Am kreativsten zeigte sich Isabel. Mit russischem Akzent fragte sie die royale Wache „Have you seen my breast?“, was seine Mundwinkel merklich zucken ließ.

In jedem Horrorfilm spielt Dunkelheit eine tragende Rolle. Deshalb mussten die Mädchen ihr Lauftraining und später auch den Live-Walk natürlich im Dunkeln bzw. mit verbundenen Augen absolvieren (Video hier ). Eines der Mädchen nörgelte dabei scharfsinnig: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir jemals im Dunkeln laufen müssen. Da sieht uns der Zuschauer ja gar nicht.“

"Wer auf diesem Foto ist kein Zombie?"

Dafür sah die Jury umso besser die „Spleens und Ticks“, die auf dem Catwalk zum Vorschein kamen. Joana wurde gerügt, ihren Mund beim Laufen unschön zu verziehen. Und Tahnee und Paulina traktierten ihr jeweils anderes Teammitglied mit grauenvollen Blicken, weil diese von den Juroren mit Lob überschüttet wurden, im Gegensatz zu ihnen.

Als Horrorteam im eigentlichen Sinn des Wortes stellten sich die Zombiegruppen heraus: Jil, Simone und Ivon sollten derart ausstaffiert gemeinsam fotografiert werden. Doch Ivon wollte einfach nicht ins Bild passen. Auf Anweisung von Heidi wurde sie deshalb umgeschminkt und in die nächstfolgende Gruppe geschickt. Doch auch bei Florence und Christien fiel Ivon aus dem Rahmen.

Das dadurch verursachte Gezicke war aber nicht Ivons Hauptproblem, wie sich herausstellen sollte – vielmehr musste sie mehrmals von Heidi und auch Rankin dazu ermahnt werden, nicht zu lachen. Am Schluss wurden daraufhin Christien, Florence und Ivon zur schwächsten Gruppe der Woche gekürt. Es folgte die süffisante Frage der Jury: „Wer ist auf diesem Foto kein Zombie?“

Als Antwort warf Ivon den Juroren wiederholt ihr strahlendstes Lächeln zu. Und eben deshalb musste sie gehen.