Konzert in Berlin

Cat "Yusuf" Stevens feiert ein starkes Comeback

Unglaubliche 35 Jahre war Cat "Yusuf" Stevens nicht auf deutschen Bühnen zu erleben gewesen. Nun ist der Wanderprediger im Laternenschein zurück. Nie sah eine Konzertbühne unaufgeräumter aus als an seinem Abend in der Berliner O2 World.

Im Dunkeln hört man besser, und so wandelt Yusuf singend durch die Finsternis im Saal, hinauf zur Bühne, wo zwei schiefe Gaslaternen stehen. Er trägt einen Mantel wie ein Wanderprediger oder ein Westernheld. Zur Brille und zum Bart trägt er seine Gitarre. Als er „Blackness Of The Night“ anstimmt, ein Lied von 1967 über seine ewige Pilgerfahrt zum Licht, leuchten zwei Videoschirme auf. Der Künstler, der früher bekannt war als Cat Stevens, blickt als dreifache Erscheinung auf 11.000 Menschen. Freundlich spricht er über seine Lebensreise, auch von Ab- und Irrwegen. Aber nun sei er wieder da für alle, sagt er. 35 Jahre nach der letzten Tour, die damals abgebrochen worden war, weil sich die Stadien nicht mehr zufrieden stellend füllen wollten.

In Berlin ist die O2 World ausverkauft. Er ist ein Anderer als 1976, und zugleich ist er der Alte. „Yusuf alias Cat Stevens“, steht auf den Plakaten, zuletzt hieß er noch Yusuf Islam.

Als vor zehn Jahren in New York die Türme stürzten, trat Cat Stevens wieder aus seinem muslimischen Exil. Er fühlte sich zum Schlichter im Kulturenkampf berufen. Er kannte sich aus im Pop, der Welt der Sinnlichkeit und Sünde. Nachdem er beim Baden 1974 fast ertrunken wäre, hätte Gott ihn nicht zurück an Land geworfen, las er im Koran, trat Heiligabend 1977 zum Islam über, entsagte allem Westlichen und fand im Herbst 2001, dass ihn die Menschheit wieder nötig haben könnte. Yusuf rief zur Toleranz auf. Yusuf sang in Bosnien vom „Peace Train“. Yusuf nahm CDs auf. Ernst nahm man ihn weder in der Popkultur noch in den Kriegerschulen Pakistans. Die Zeit fegte hinweg über den Sänger, doch nun steht er in den Mehrzweckhallen Europas, mittendrin in der Geschichte und der Gegenwart. Man hofft, dass mit Osama auch der böse Blick des Glaubens an Allah verschwunden ist. Arabien holt die Popaufstände nach. Cat Stevens singt den Glaubensbrüdern mit „My People“ Mut zu auf seiner Tournee. Plötzlich ist er zur rechten Zeit am richtigen Ort.

Wie jeder engagierte Popsänger nimmt er die Weltläufe persönlich. Yusuf trägt nicht einfach seine schönsten Lieder im Konzert als gütiger Muslim vor. Sondern in einer Bildungsgeschichte in fünf Akten, die beweist, dass all seine Inkarnationen heute gute Freunde sind. Am Anfang steht er wie ein heiliger Straßensänger im Laternenschein. Da greift er auf die frühen Hits zurück, die ihm sein Leben erst ermöglicht haben: „Here Comes My Baby“ für die Tremeloes, „The First Cut Is The Deepest“ für P.P. Arnold und „I Love My Dog“ für sich selbst, wo er erklärt, dass ihm die Frau so lieb sei wie sein Hund. Er habe weisere Songs verfasst, räumt Yusuf ein, sogar im Sturm und Drang der Sechziger in London.

Erstmals nahm er 1968 Abschied von der Welt. Tuberkulosekrank ging er auf Reisen, und als er gesund zurück kehrte, befasste er sich mit den Heilslehren der Zeit. Mit Yoga, Zen und Kommunismus. Heute ist Cat Stevens 62. Die altväterliche, junge Folkbewegung feiert ihn als Stil-Propheten. Aber hinter seiner Barttracht, hinter Herrenwesten und dem Lächeln der Erleuchtung lebt das kindliche Gemüt, ohne das Lieder wie „Moonshadow“ nicht zu haben sind. Nie sah eine Konzertbühne unaufgeräumter aus als heute bei Cat Stevens. Musiker gesellen sich hinzu, sie sitzen zwischen Mülltonnen und Kisten, Warnschildern und Mauern. 1977, mit dem Übertritt, hatte Cat Stevens sämtliche Gitarren versteigern lassen. Er hielt sie für unrein. Als er allerdings erfuhr, dass die Gitarre von der Ud abstammt, der Laute aus Arabien, entschied er kurzerhand, dass sich Gitarren und Islam vertragen. Er lässt sie sich auf die Bühne reichen, prächtige Kunstwerke, verziert mit Friedenstauben und aus Zedernholz. Den dritten Akt nennt er „Return“.

Yusuf singt „Morning Has Broken“, das auf einem mittelalterlichen Weihnachtslied beruht. Er fragt, wohin es führt, wenn keine Kerzen mehr empor gehalten werden in der Dunkelheit, sondern nur noch mobile Telefone. Vielleicht wird es heller in der Welt.