Film

George Clooney – nicht nur Problem-Regisseur

In letzter Zeit, so sagt George Clooney im ausführlichen Gespräch mit Morgenpost Online, seien ihm nur noch Filme angeboten worden, in denen es um um Probleme und Streitfragen ging. Doch Clooney wollte nicht mit bedeutungsschwangerem Gesicht herumlaufen, daher drehte er eine Screwball-Komödie.

Foto: dd sam bs / dpa

Er ist einer der letzten seiner Art, obwohl er vor ein paar Tagen gerade mal 47 geworden ist. Aber man muss George Clooney einen Hansdampf in allen Gassen nennen. Ob als Schauspieler in erst- und zweitklassigen Filmen, als Produzent und Regisseur, selbst in der ungeliebten Rolle als Star macht er eine gute Figur. An diesem Donnerstag kommt nun seine dritte Regiearbeit in die Kinos: "Ein verlockendes Spiel". Wieder mal ganz anders als das, was man erwarten durfte.

Morgenpost Online: Warum der Film jetzt zu dieser Zeit - eine lockere leichte Komödie. Zufall?

George Clooney: Nein. Bei allen Filmen, die mir in letzter Zeit so angeboten wurden, ging es vor allem um zwei Dinge: um Probleme und Streitfragen. Je tiefer, desto besser. Irgendwie war ich auf dem besten Weg, einer dieser Problem-Regisseure zu werden, die mit bedeutungsschwangerem Gesicht rumlaufen und ständig befragt werden, wie man die Krisen dieser Zeit löst. Da musste ich einfach die Bremse ziehen.

Morgenpost Online: War es ein Fehler, hintereinander "Syriana", "Good Night, and Good Luck" und andere "Problemfilme' zu machen?

Clooney: Nein, auf keinen Fall. Aber man muss als Regisseur verdammt aufpassen. Jetzt tue ich schon, als wäre ich der Filmemacher, der für alle Filmemacher sprechen muss. Sehen Sie, so entsteht das.

Morgenpost Online: Entsteht was?

Clooney: Dass die Probleme größer werden als der Film. Und das darf man nicht zulassen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist richtig und wichtig, politische Filme zu machen. Aber hin und wieder muss man dann mal etwas ganz anderes dazwischen schieben.

Morgenpost Online: Eine romantische Komödie, wie es sie schon tonnenweise gibt?

Clooney: Na, ganz so ist es sicher nicht. Wäre es nur eine dieser Komödien gewesen, hätte ich's nicht gemacht. Aber ich bin nun mal ein Fan alter Screwball-Komödien.

Morgenpost Online: Wie bei Howard Hawks und Frank Capra: Mann und Frau bekriegen sich, aber ohne Waffen, sondern mit herrlich spitzen Dialogen.

Clooney: Genau! Diese Kunst - und es war genau das, eine Kunst und nichts anderes - ist heute fast ausgestorben. Ich wollte sie wiederbeleben. Außerdem verbindet man den Namen George Clooney eben nicht mit Screwball. Das heißt, es würde eine Überraschung sein für die Zuschauer. Und nichts ist so schön wie eine Überraschung.

Morgenpost Online: Auch sich selbst zu überraschen.

Clooney: Hm, das ist verdammt schwer. Ich kenne mich ja schon ein Weilchen. Weiß also recht genau, was ich von mir zu erwarten habe. Aber ich gebe gern zu, dass ich momentan sehr zufrieden bin.

Morgenpost Online: Das war nicht immer so. Sie hatten lange Jahre das Gefühl, der Ruhm könne schnell wieder vorbei sein.

Clooney: Allerdings. Liegt vielleicht auch daran, dass ich nicht in allen Filmen brillant war? Hätte ich also zwischendurch mal einen astreinen Karriereknick abbekommen, mich hätte das nicht gewundert. Aber nun stehe ich mal da, wo ich stehe. Und bin zufrieden.


Morgenpost Online: Der nächste Schritt könnte sein: Clooney ist zu zufrieden mit sich und fängt an, Mist zu bauen.


Clooney: Kann sein, kann alles passieren. Ich habe in meiner Karriere ja schon alles Mögliche erlebt. Aber ich bin ganz gut gefeit dagegen.


Morgenpost Online: Wodurch?


Clooney: Durch meine Spielsucht, meinen Drang, alles Mögliche auszuprobieren. Wissen Sie, wie toll das ist, wenn man einen Vorschlag macht und fast alle sagen: "OK lass es uns tun!" So etwas setzt meine Fantasie frei, da komme ich ganz schnell auf Tempo 100.

Morgenpost Online: Tempo 100 deutet darauf hin, dass Sie sich immer noch in diesem Spielzimmer befinden, von dem Sie früher so oft geredet haben?

Clooney: Exakt. Nur dass ich jetzt nicht mehr sage, dass man mir die Autos wegnimmt und sie in die Kiste schließt, damit ich später wieder damit spielen kann. Jetzt sage ich offen, dass man mich gleich in Rente schickt. Und eine Rückkehr von dort gibt es sehr selten.

Morgenpost Online: Fühlen Sie manchmal schon das Alter nahen? Ein Tabuthema bei vielen Hollywood-Stars.

Clooney: Sie meinen, dass ich mich im Heim auf den Flur stelle und brülle: "Hallo, wo bleibt mein Toast? Es ist schon nach 15 Uhr!"

Morgenpost Online: Sie machen nun gleich wieder einen Witz daraus.

Clooney: OK, gehen wir es ernster an. Wie lautet die Alternative zur Arbeit? Es ist der Tod! Machen wir uns nichts vor: Ich bin schon so lange in diesem Geschäft, habe meine ganze Familie in diesem und ähnlichen Berufen gesehen, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie es sein wird, mal nichts mehr zu tun. Deshalb lasse ich die Frage mit dem Alter besser nicht zu. Noch bin ich zu beschäftigt dafür.


Morgenpost Online: Über leichte und ernste Stoffe hatten wir schon geredet. Welche Verbindung haben Sie zum Football? Darum geht's ja auch in dem Film.


Clooney: Oh, kaum. Ich wäre bestimmt ein ganz großer Football-Spieler geworden. Alles was mir fehlte, war Talent. Den Rest hätte ich gut auftreiben können. Nein, im Ernst: Wir hatten an meiner Highschool nicht mal ein Footballteam. Aber wir haben andere Arten von Ballspielen gehabt.


Morgenpost Online: Sie haben also nicht daneben gestanden und zynische Kommentare abgegeben?


Clooney: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Ja, ich war auf dem Feld und habe mitgespielt. Football mag ich sehr. Wie überhaupt alle Sportarten, die in einer Mannschaft gespielt werden.


Morgenpost Online: Seit Anfang des Jahres sind Sie Friedensbotschafter der UN. Und wie eigentlich alles, was Sie tun, nehmen Sie auch das sehr ernst. Etwa 2007 Ihr Besuch in Darfur. Konnten Sie da etwas bewegen?


Clooney: Schwer zu sagen. Die Lage dort ist so unübersichtlich. Es hat sich natürlich nicht viel getan. Wir Amerikaner können ja nicht einfach in dieses moslemische Land einmarschieren. Sowas in der Art haben wir je schon mal gemacht. Kommt nicht so gut. Was ich machen kann: mit Regierungsvertretern sprechen. Die empfangen mich auch. Aber ob die auch umsetzen, was sie mir versprechen, das lässt sich eben nicht sagen.

Morgenpost Online: Eine frustrierende Erfahrung?

Clooney: Nein, eigentlich nicht. Ich würde eher sagen, dass es eine Erfahrung ist, von der man Demut lernt. Man kann sich als Mitglied der Hollywood-Showtruppe sehr schnell daran gewöhnen, dass Wünsche unmittelbar umgesetzt werden. Hier lernt man, dass man immer wieder nachbohren muss, bis man etwas erreicht hat.