Sudan

George Clooney engagiert sich als Menschenrechtler

Wo Konflikte sind, sind Filmstars oft nicht weit. Viele meinen es aber durchaus ernst mit ihren Bemühungen. So auch Schauspieler George Clooney, der sich im Sudan engagiert.

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Mit eingängigen Zitaten kennt sich Hollywoodstar George Clooney bestens aus, zu seinem Geschäft zählen schließlich neben der Schauspielerei auch Dutzende Interviews jährlich. Und so fasste der 49-Jährige seine Mission im Sudan griffig zusammen: Jeder Satellit in der Luft sei „ein Anti-Genozid-Paparazzi“, diktierte er den Reportern in der südsudanesischen Stadt Juba in die Blöcke. Druckreif nennt man so etwas im Medienjargon. Am frühen Morgen fliegt Clooney an diesem Dienstag zurück nach Los Angeles. Sechs Tage hat er im Süden Sudans verbracht, wo seit Sonntag rund acht Millionen Menschen über eine Abspaltung vom Norden abstimmen. Den ersten Eindrücken zufolge gilt die Gründung eines neuen Staates nach der Bekanntgabe der Ergebnisse am 1. Februar als sicher. Schließlich war das flächengrößte afrikanische Land Schauplatz einiger der blutigsten Konflikte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Furcht vor neuen Massakern

Manchmal war es die Religion – der Norden ist mehrheitlich arabisch-muslimisch, der Süden christlich –, manchmal die ethnische Zugehörigkeit, oft der schnöde Kampf um rare Ressourcen. Am Ende standen mindestens zwei Millionen Tote allein während der Jahre 1983 und 2005. Neun von zehn Überlebenden bleibt weniger als ein Dollar am Tag. Viele fürchten nach der Gründung des neuen Staates neue Massaker. Gegen Präsident Omar al-Baschir liegt nach seinen Gräueltaten in der Darfur-Region bereits ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofes wegen Völkermords vor.

Wo großes Leid herrscht, da ist die Elite des Show-Geschäfts erfahrungsgemäß nicht fern. Schauspielerin Salma Hayek ließ sich beim Stillen eines Babys in Sierra Leone filmen, ihr Kollege Sean Penn, wegen einer Prügelei zu 300 Sozialstunden verurteilt, schleppte, von Fotografen dokumentiert, Hilfspakete in Haiti. Angelina Jolie engagiert sich gleich in einem Dutzend Länder. Und U2-Sänger Bono heimste für seine humanitäre Arbeit in Afrika gar eine Oscar-Nominierung ein.

Kaum ein Boulevard-Magazin ohne Gutmensch-Bilder der Stars, die sich des Image fördernden Effekts durchaus bewusst sein dürften. Derartiger „Zynismus“ ärgere ihn, sagte Clooney. „Ich habe davon die Nase voll“, sagte der Schauspieler der kanadischen Zeitung „Globe and Mail“, „wir versuchen hier, Leben zu retten, wir arbeiten. Wer zynisch genug ist und das nicht versteht, soll seinen Arsch hochkriegen und selbst etwas tun.“

Selten klang ein Statement aus dem Mund eines Prominenten so glaubwürdig. Nicht etwa, weil er im Südsudan ohne private Bodyguards reiste, selbst in die Abyei-Region an der Grenze von Norden und Süden, wo Unruhen am wahrscheinlichsten sind. Wichtiger ist, dass selten ein Engagement so systematisch durchdacht wirkt wie das seine. Seit zwei Wochen ist das „Satellite Sentinel Projekt“ in Betrieb. Clooney hat zusammen mit anderen Prominenten 750000 US-Dollar (581000 Euro) aufgebracht und kooperierte mit dem Satelliten-Programm der UN, Menschenrechtsexperten der Harvard-Universität und dem Internet-Riesen Google, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf das Referendum zu lenken.

Privat betriebene Satelliten nehmen Aufnahmen der Grenzregion auf, die auf der Internet-Seite www.satsentinel.org abgerufen werden können. So sollen gewaltsame Handlungen beinahe umgehend nachvollzogen werden und die Verantwortlichen unter Druck gesetzt werden. „Man kann über Google Earth mein Haus finden“, sagte Clooney, „ich habe mir gedacht, dass Kriegsverbrecher, besonders die Regierung von Sudan, das gleiche Level an Prominenz genießen sollten.“ Sie seien schließlich Personen des öffentlichen Lebens. Die kritische Phase für den Südsudan beginnt wohl erst während der Transformation der kommenden Monate, bis dahin ist die Finanzierung gesichert.

Partner Harvard-Universität

Es ist nicht zuletzt die Reputation der Partner, die Hoffnung auf einen langfristigen Einfluss macht. Satelliten-Bilder seien inzwischen „entmystifiziert“, sagt Patrick Meier, der Mitbegründer des Krisenkarten-Projekts der Harvard-Universität. Man sei inzwischen in der Lage, offen Daten zur Verfügung zu stellen und „als Teil eines größeren Systems für Haftbarkeit“ zu sorgen. Sie können nur dazu beitragen, andere Informationen zu ergänzen, oft sind die Bilder nicht eindeutig genug, um eine Situation ganz zu erfassen. Gewalt lasse sich so vielleicht nicht verhindern. Aber eindämmen.

Clooney übertreibt zweifellos, wenn er die Idee als die seine darstellt. Regierungen benutzten diese Technik seit Jahrzehnten, um andere Länder auszuspionieren. Schon seit 1999 gibt es kommerzielle Sender mit hochauflösenden Bildern. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) setzte sie bei den russischen Angriffen auf Georgien im Jahr 2008 ein. So konnten damals Berichte bestätigt werden, denen zufolge bei Bombenangriffen 100 private Häuser in der abtrünnigen Region Südossetien zerstört wurden. Auch nach den ethnischen Übergriffen im Süden von Kirgistan im vergangenen Jahr wurden Satellitenbilder der UN benutzt, um das Ausmaß der Gewalt zu erfassen. Damals hatten Anwohner sogar große SOS-Zeichen in Feldern platziert, mit der Hoffnung, über Luftaufnahmen Hilfe alarmieren zu können. Ganz neu ist die Initiative also nicht, doch Clooneys Verdienst ist fraglos, sie weltweit verbreitet und dem Referendum zu mehr Medienpräsenz verholfen zu haben. Sieben Mal war er im Sudan. Das erste Mal 2006. Was für ein Kontrast zu seiner Welt: Kurz zuvor hatte ihn das „People“-Magazin zum attraktivsten Mann der Welt gekürt.

Der Amerikaner bereiste Krisenregionen, hat Nummern von Rebellenführern in seinem Handy gespeichert. Einmal versuchte er (erfolglos), einen zu Friedensgesprächen zu überredete, indem er dessen Vater Geld für sein Schuhgeschäft gab. Er arbeitete kontinuierlich mit Hilfsorganisationen und Mitarbeitern der Vereinten Nationen zusammen. 2008 wurde er sogar von US-Präsident Barack Obama empfangen, der sich für seine Einschätzung zur Krisenregion interessierte. Längst hat Clooney so sein Playboy-Image abgelegt, doch diesen angenehmen PR-Effekt halten Analysten in Afrika für überbewertet.

Nachhaltige Veränderung

Der Bürger könne durchaus unterscheiden zwischen ernsthaftem und kontinuierlichem Engagement und „jemandem, der außer für sich selbst für keinen etwas geändert hat“, hofft Jenkins. Ihm sind in den 30 Jahren seines Berufes viele Prominente letzteren Kalibers begegnet, Namen will er lieber nicht nennen. Aber es gebe auch reichlich Prominente, deren Projekte das Leben der Menschen nachhaltig verändert hätten. Oft seien Initiativen die eindrucksvollsten, um die ihre Gründer wenig Aufhebens machen, trotz der eigenen Bekanntheit. Am Ende zählt das Ergebnis.

Im Südsudan wurden in den vergangenen Tagen bei Auseinandersetzungen an der Grenzregion zwischen arabischen Nomaden aus dem Norden und Anwohnern des Südens 36 Menschen getötet. Politiker auf beiden Seiten verurteilten die Taten, doch insgeheim hatte man Schlimmeres befürchtet. Bisher laufen die Wahlen geordneter als erwartet. Der Präsident des Sudan al-Baschir ließ zwar verlauten, er halte den strukturschwachen Süden nicht bereit für einen eigenen Staat. Doch er betonte mehrfach, das Ergebnis der Abstimmung zu akzeptieren. Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter berichtete, al-Baschir habe ihm in einem Gespräch versichert, der Norden werde in diesem Fall alle Schulden des Landes übernehmen. Beobachter halten diesen Erlass, sollte er bestätigt werden, für eine wichtige Geste der Versöhnung.