Filmfestspiele

So albert George Clooney in Venedig herum

Bei der ersten Pressekonferenz der Filmfestspiele beantwortete George Clooney nicht nur die an ihn gestellten Fragen, sondern sprach gleich für den anwesenden Kollegen Brad Pitt mit. Eine Dame wollte wissen, wie sie in dieses prominente Team kommen könne. Clooney hatte die passende Antwort.

Sensation in Venedig: George Clooney hat geheiratet! Er hat sogar schon Kinder gekriegt! Und alles am selben Tag. Stimmt natürlich gar nicht. Alle Frauen dürfen sich jetzt wieder beruhigen. Es ist nur so die Art, wie George sein Spiel mit der Presse spielt. Und mit blöden Fragen.

Es ist ja so: Alle wollen George mal aus nächster Nähe erleben. Ein durchaus nachvollziehbarer Wunsch. Aber die wenigen Auserwählten, denen das vorbehalten ist, die an den kreischenden Mädels vor der Absperrung passieren dürfen, die versagen dann. Stehen genauso verzückt da wie die Fans. Und haben nichts zu fragen. Blamage für die Weltfilmjournaille.

George kommt als erster, lässig in hellblauem Hemd. Gefolgt von Tilda Swinton in brüllend gelber Bluse. Schließlich Brad Pitt, wie ein leibhaftiger Roy-Black-Schlager ganz in Weiß, sehr cool mit Strohhut. Und dann zwei etwas müde wirkende Zausel. Das müssen die Filmemacher sein, Ethan und Joel Coen, die die ganze Last des Films auf ihren Schultern tragen. Oder auch nur unter Jetlag leiden. An ihrer Seite Joels Frau, Frances McDormand.

Alle zusammen haben sie „Burn After Reading“ gedreht, den Eröffnungsfilm der Filmfestspiele in Venedig. Alle präsentieren ihn nun hier, auf der ersten Pressekonferenz des Festivals, zum Platzen gefüllt. Und dann gibt es kaum Fragen. Und keiner kann die stoppen, die sich trotzdem trauen.

Wann heiratet George?

Zum Beispiel jenen, der wissen will, wann George (alle nennen ihn kumpelhaft nur George) denn heirate. Antwort siehe oben. Oder die Asiatin, die von Brad wissen will, wie es denn den Zwillingen gehe. „Den Zwillingen geht es gut.“ Sagt aber George, nicht Brad. Eine sehr blonde Frau stellt die peinliche Frage, was sie tun müsse, um in dieses Team aufgenommen zu werden. Joggen vielleicht? Sie fängt denn auch tatsächlich an, vor ihnen herzuwalken. Das ist einer dieser Momente, in denen man sich ärgert, dass man Journalist und nicht doch etwas Vernünftiges geworden ist.

Aber George ist cool. George kontert das lässig: Sie solle bloß aufpassen, dass nicht gleich alle vor ihr weglaufen würden. Und hey, hier noch eine Frage des seriös gekleideten Brasilianers an alle Jungs auf dem Podium: Wie wär das denn mit all den schönen Frauen am Lido…? „Brad, don’t answer that“, auch das stammt wieder, ganz cool, von Clooney. Und Frances McDormand versucht die Stimmung zu retten: „Ich, ich habe mich in eine schöne Italienerin verknallt.“

Die Damen und Herren auf dem Podium haben es aber auch sonst nicht leicht. Sie hatten ein Drehbuch, das nur so strotzt vor Pointen. Wie soll man das jetzt, spontan, noch übertreffen? Vor allem mit diesem Jetlag. Eine Frage immerhin bringt auch die Coen-Kultbrüder mal zum Schmunzeln. Warum sie im Film all diese komischen deutschen Namen ge-braucht hätten?

McDormand spielt eine Linda Litzke, Clooney einen Harry Pfarrer, Pitt einen Chad Feldheimer. Sie hätten sich wirklich nichts dabei gedacht, verrät uns der verdutzte Ethan. Sie hätten auch nichts speziell Deutsches im Sinne gehabt. „Die Namen hingen einfach so in der Luft.“. Dann auch noch was Politisches. Ob George jetzt nicht lieber in den USA wäre, bei der Wahl des demokratischen Präsidentschaftskandidaten? Nein, er sei gern hier, Venedig sei einer der schönsten Orte der Welt. Das hört das Festival sehr gerne. Und er sei sehr optimistisch über die politischen Aussichten in den USA. Das hört der Rest der Welt noch lieber.

Draußen kreischen die Mädchen

Dann geht es aber schon wieder an die andere Front. Die da draußen, bei den kreischenden Mädels. Man hört sie drinnen auch noch, als schon die nächsten auf die Bühne gebeten werden: die Internationale Jury des Festivals. Marco Müller, Chef des Ganzen seit fünf Jahren, vergisst in der Aufregung erst mal, seine sieben Geschworenen vorzustellen.

Als er es doch tut, vergisst er ausgerechnet den Präsidenten, Wim Wenders. Der schüttelt das lässig mit seinem Wallehaar weg, ist überhaupt ganz gelassen. Das sei nämlich ganz prima, mal auf der anderen Seite, in der Jury und nicht im Wettbewerb vertreten zu sein. Man hat nichts zu verlieren. Und man bekommt auch mal andere Filme zu sehen. Dafür ist sonst ja keine Zeit.

Wir Deutsche gelten ja als sehr regelfixiert; ob er seiner Jury Regeln vorschreiben wird? Ja, er sei deutsch, aber nein, nicht so regelversessen wie viele seiner Landsmänner. Seine Kriterien? „Wir werden sehen, was den Frauen gefällt, und dann werden wir Männer für sie wählen.“ Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass das als höfliche Verbeugung vor den Damen in der Jury gemeint ist.

Die sind nämlich nur zu zweit und damit deutlich in der Minderheit. Aber so ganz gentleman-like kommt das dann doch nicht rüber. Wenn die Jury wirklich wählen wollte, was den Frauen gefällt, dann müssten sie sich für den Clooney-Film entscheiden. Geht zwar gar nicht, denn der läuft ja nicht im Wettbewerb, sondern außer Konkurrenz. Aber die Frauen draußen kreischen noch immer so laut, dass man die Herren drinnen kaum hört.

Fassen wir zusammen: Den Zwillingen (George & Brad) geht es gut. Joggen ist nicht das richtige Mittel, um Film-stars rumzukriegen. In Amerika liegt Deutsches in der Luft. Und wenn die Schauspieler in Hollywood demnächst wirklich streiken wollen, sollten sie bei ihrem Forderungskatalog ernsthaft über die Aufnahme einer Schmerzzulage für Pres-sekonferenzen nachdenken. An-sonsten üben wir jetzt alle noch mal. Wir Journalisten feilen an schlaueren Fragen, die Jury an geschlechtsneutra-len Kriterien und Marco Müller daran, wie man seine Gäste vorstellt. Wir haben noch viel Zeit zum Üben, das Festival hat ja gerade erst begonnen…