Ausstellung

3D-Film lässt in Berlin Pergamon auferstehen

Die antike Stadt Pergamon steht von Herbst an für ein Jahr im Mittelpunkt einer umfangreichen Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel. Krönung der Exposition ist ein 24 Meter hohes und 103 Meter langes Rundbild.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die erste umfassende Schau zum Thema Pergamon wird derzeit auf der Berliner Museumsinsel vorbereitet. Titel der Ausstellung: „Pergamon – Panorama der antiken Metropole“. Es ist davon auszugehen, dass die große Pergamon-Schau im Herbst für die Staatlichen Museen zum Highlight des Jahres werden wird. Obgleich das Pergamonmuseum herausragende Großarchitekturen wie den Pergamonaltar besitzt, gab es zu diesem Thema in Berlin noch keine umfassende Schau. 1,8 Millionen Besucher erwartet die Stiftung während der Laufzeit vom 30. September 2011 bis September 2012. Auf einer Ausstellungsfläche von 4000 Quadratmetern im Nordflügel sollen rund 450 Exponate facettenreich das „Panorama der antiken Metropole“ spiegeln.

Kulturpolitisch gesehen bewegt sich das Projekt derzeit allerdings nicht in ruhigem Fahrwasser. Die Türkei hatte erst kürzlich die Rückgabe einer hethitischen Sphinx aus dem Pergamonmuseum gefordert. Der türkische Kulturminister Ertugrul Günay drohte bei Nichteinhaltung des Ultimatums gar mit dem Entzug der Grabungslizenz für das Deutsche Archäologische Institut (DAI) in Hattuscha, rund 150 Kilometer östlich von Ankara entfernt. Auch wenn die Stiftung versuchte, keinen Bezug zwischen der Sphinx und Pergamon aufkommen zu lassen, so fährt die Türkei offensichtlich doch einen harten Kurs. Trotz Unterstützung der Botschaft in Ankara und frühzeitiger Bemühungen um Leihgaben aus Bergamo (der türkische Name für Pergamon) und dem Nationalmuseum in Istanbul stießen die Berliner Experten auf eine „deutlich spürbare Reserviertheit“, wie es Antikendirektor Andreas Scholl diplomatisch erklärt.

Kurz: Leihgabenersuche für einige Stücke stehen noch aus, „ein konkretes Entgegenkommen zeigt sich bislang noch nicht“. Dennoch sei die Ausstellung trotz fehlender türkischer Leihgaben definitiv nicht gefährdet, weil die Objekte durch Abgüsse und Fotografien ersetzt werden können. Es stelle sich die Frage, warum die Türkei diese Präsentation mit Weltpublikum nicht als große Bühne nutze, um sich als offene Kulturnation darzustellen.

Ein Panorama das Pergamon wieder aufleben lässt

Die Ausgrabungen in Pergamon begannen im Jahr 1878 im Auftrag der Königlichen Museen zu Berlin und wurden dann ab 1900 vom DAI übernommen. Die ersten Grabungen galten dem berühmten Pergamonaltar. Bei den Untersuchungen bis 1900 wurde der größte Teil der antiken Bauten auf dem oberen Burgberg freigelegt: die Königspaläste, das Theater, der Athenatempel, der Pergamonaltar, der Trajan-Tempel und der obere Markt mit dem Zeustempel. Demnach werden in der Ausstellung auch Fragen zur Entdeckung- und Grabungsgeschichte durchgespielt: Wie kamen die Objekte nach Berlin, wie überhaupt entstand Pergamon als Königsstadt? Wie wurde die Stadt damals organisiert? Weitere Schwerpunkte sind die Götter & Kulte, die Räume der Macht und die der Bürger.

Diese Architekturen versucht der Berliner Künstler Yadegar Asisi mit einem 24 Meter hohen und über 100 Meter langen imposanten Panorama wiederzubeleben. Die Ausstellung beginnt im Ehrenhof über dieses monumentale Rundbild, das einen einzigartigen Blick von der hohen Akropolis direkt auf die Stadt verspricht. Jeder Grashalm solle sichtbar werden, verspricht der Künstler. Gezeigt wird ein Tag im April des Jahres 129 n. Chr., Kaiser Hadrian ist mit seinem Gefolge in der Stadt. Der Besucher sieht Menschen in ihren alltäglichen Verrichtungen, Bildhauer bei der Arbeit, die Landschaft, die Vorbereitungen zu einem Theaterabend; 70 kostümierte Komparsen wurden am Originalschauplatz engagiert. Die Rekonstruktion Pergamons basiert auf dem aktuellen Forschungsstand im Maßstab 1:1 – drei Millionen Euro sind dafür veranschlagt, vier Jahre brauchte die Planung.

„Wir lassen es richtig krachen!“, sagt Generaldirektor Michael Eissenhauer. Und wenn man ihm glaubt, dann wird das Panorama sicher die (pädagogische) Sensation der Schau. Jede Skulptur im Panorama findet sich auch in der Ausstellung wieder – lebendiger kann ein historischer Kontext wohl kaum vermittelt werden.