Konzert

Bacon Brothers gewinnen in Berlin neue Fans

Kevin Costner macht es, Juliette Lewis auch: Etliche erfolgreiche US-Schauspieler versuchen sich immer wieder mal als Musiker - mal mehr, mal weniger erfolgreich. Zu welcher Gruppe Kevin Bacon und sein Bruder Michael gehören, zeigten sie in Berlin.

Foto: dpa / dpa/DPA

Wenn Schauspieler im Musikbusiness fremdgehen, drängen sich unwillkürlich Fragen auf wie: Sind sie nicht ausgelastet? Oder: Klappt es nicht mehr so richtig mit dem Job? Als ein überraschend zum Rockmusiker konvertierter Kevin Costner beispielsweise im vergangenen Jahr im Tempodrom auftrat und dem Publikum anstelle eines Vorprogramms auf einer Großleinwand erst einmal nicht enden wollende Ausschnitte aus seinen einstigen Kinoerfolgen aufdrängte, schienen solche Verdachtsmomente durchaus bestätigt. Dass es auch anders geht, bewies zuletzt Tim Robbins mit seiner furiosen Rogues Gallery Band im Frannz Club.

Und auch Schauspieler Kevin Bacon ("JFK", "Mystic River"), der seine Kinokarriere mit dem Filmmusical "Footloose" begonnen hatte und in diesem Jahr als Bösewicht in "X-Men 4" auf die Leinwand zurückkehrt, ist über jeden Verdacht des leichtfertigen Nebenerwerbs erhaben. Er war am Montagabend gemeinsam mit seinem älteren Bruder Michael als The Bacon Brothers im Kleinen Sendesaal des RBB erstmals in Berlin zu erleben. Und begeisterte die gut 200 Besucher mit einer kompakten, treibenden, überzeugenden Show mit - nahezu ausnahmslos - eigenen Songs.

Natürlich waren viele zunächst gekommen, um Kevin Bacon einmal aus der Nähe zu sehen. Doch schnell verblasst der Schauspieler mit den markanten Gesichtszügen, den man in der Vergangenheit in so wunderbar fiesen Rollen erleben konnte, hinter dem Sänger und Songschreiber, der sich unprätentiös in die Band integriert.

Da stehen zwei gleichwertige Partner im Sendesaal-Rampenlicht, die sich die Gesangsparts teilen und die die Liebe zur Musik, zu Rock’n’roll, Westcoast-Sound und Philadephia-Soul eint. Michael Bacon eröffnet die Show mit dem neuen Stück "Tell Me What I Have To Do", von Bruder Kevin mit der Mundharmonika gestreichelt und von einer erstklassigen Band veredelt. Gefolgt von "Wild Life", einer pulsierenden Ballade, die Kevin Bacon zum Mikrofon führt.

Es ist einer dieser seltenen Abende, an denen man eine Band kennenlernt, von deren Existenz bisher kaum einer wusste. Und die es versteht, mit unerhörten Songs mehr und mehr in ihren Bann zu ziehen. Es sind poppige Rocksongs, die den Geist der 60er- und 70er-Jahre atmen, Lieder in klassischer Singer/Songwriter-Manier, die Alltäglichkeiten und Beziehungsprobleme, juveniles Aufbegehren oder die Last des Erwachsenseins in melodieseligen Songperlen bündelt.

Seit 15 Jahren bereits stehen Kevin und Michael Bacon gemeinsam auf der Bühne. Gerade ist mit "New Years Day" ihr sechstes Album erschienen, Dank des rührigen Plattenlabels Hypertension zum ersten Mal auch in Deutschland.

Obwohl der 52-jährige Kevin Bacon sein Auskommen als Schauspieler hat und sein neun Jahre älterer Bruder Michael als mehrfach ausgezeichneter Komponist von Film- und Fernsehmusik gut im Geschäft ist, finden beide immer wieder Zeit für ihre Band, zu der alte Haudegen wie der Gitarrist Ira Siegel, Bassist Paul Guzzone, Keyboarder Joe Mennonna und Schlagzeuger Frank Vilardi zählen. Wobei Kevin Bacon der produktivere Songschreiber der beiden ist und mitunter kuriose Songideen wie "Architeutis", ein Lied über einen siebenarmigen Oktopus, umzusetzen versteht.

Es sei eine große Herausforderung, in Deutschland Songs zu spielen, die hier kein Mensch kenne, sagt Kevin Bacon im Lauf des Abends. Aber zu Hause in Amerika kenne die auch keiner, setzt er grinsend hinzu: "So join the Club". Mit "Bunch of Words" groovt die Band inzwischen durch einen swingenden Reggae, "Go My Way" ist eine schmutzige Funk-Nummer, bei der man sich langsam wundert, dass das Publikum noch immer auf den Stühlen sitzt und mit George Harrisons "If I Needed Someone" gibt es die einzige Coverversion im Hauptprogramm. Der leichtfüßige Rock’n’roll "New England Girls" brilliert durch perlenden Satzgesang und "New Years Day", der Titelsong des neuen Albums, bringt endlich Bewegung in den wogenden Saal.

"In Amerika kommen fast nur Frauen in unsere Konzerte", sagt Kevin Bacon. "Danke Berlin, dass hier auch so viele Männer gekommen sind." Für sie spielen die Bacon Brothers "Only A Good Woman", einen fingerschnipsenden Blues-Stampfer, der zu einem der Höhepunkte des an Höhepunkten reichen Abends wird. Längst haben die Bacon Brothers neue Fans gewonnen und das Publikum auf ihrer Seite.

Der frenetische Applaus reicht noch für zwei Zugaben, und hier wird noch einmal tief in die Lieblingsliederkiste gegriffen mit "The Last Time" der Rolling Stones und Bob Dylans viel gecoverter Ballade "I Shall Be Released", bei der die Satzgesang-Qualitäten der Brüderband noch einmal großartig zum Einsatz kommen.