Stadtschloss

Berliner Museumsinsel soll 2028 saniert sein

Hinter der barocken Kulisse des Stadtschlosses soll mit dem Humboldt-Forum ein neuer Museumstyp entstehen, ein Ort des Wissens, Spektakels und Genusses, ein Platz, an dem sich Kulturen der Welt begegnen. Für Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, wird das Humboldtforum ein Ort zum Lernen, Staunen und Verweilen.

Foto: Massimo Rodari

Morgenpost Online: Herr Parzinger, wie fällt nach nunmehr bald eineinhalb Jahren in Ihrem derzeitigen Amt das Resümee aus?

Hermann Parzinger: Es ist eine Menge geschehen. Vieles ist neu auf den Weg gebracht worden und nimmt Gestalt an, anderes ist seit Jahren in vollem Gange und gewinnt weiter an Dynamik. Denken Sie etwa an die Generalsanierung, Erweiterung und Modernisierung der Museumsinsel und der Staatsbibliothek Unter den Linden. Oder denken Sie an das Humboldt-Forum, das zwar vor meinem Amtsantritt beschlossen war, jetzt aber konkret geplant wird. Und ich habe mir zum Ziel gesetzt, die Stiftung als Gesamtkomplex sichtbarer zu machen. Ein neues Corporate Design, ein neues Magazin und Projekte, die übergreifend angesiedelt sind, werden dazu beitragen.

Morgenpost Online: Wie steht es mit Forschungsvorhaben?

Hermann Parzinger: Große Aufmerksamkeit richten wir auf Themen wie NS-Raubkunst und die Restitution von Kunst- und Kulturgütern und eben auch Beutekunst, Bestände, die sich heute noch in Russland befinden. Zudem haben wir auf der Leitungsebene einen Generationenwechsel organisiert, wir haben einen neuen Generaldirektor für die Museen installiert und frei werdende Direktionsposten neu besetzt.

Morgenpost Online: Restitution ist ein gutes Stichwort. Vor einigen Wochen spekulierte die Presse über eine Rückgabe des Welfenschatzes, den jüdische Kunsthändler in den 30er-Jahren verkauft hatten und der heute im Besitz der Stiftung ist. Wie ist der Stand der Dinge?

Hermann Parzinger: Wir haben gründlich recherchiert und sind zu der Auffassung gekommen, dass hier, nach allem was wir heute wissen, nicht die Voraussetzungen gegeben sind, die zur Restitution führen. Sollten in Zukunft Unterlagen ermittelt werden, die zu einer anderen Einschätzung führen, würden wir den Welfenschatz zurückgeben, wie wir es in anderen Fällen getan haben. Die Stiftung hat vor Jahren klare Richtlinien erarbeitet, nach denen sie diese Fälle bewertet. Wir haben eine Verpflichtung angesichts unserer deutschen Vergangenheit, aber auch eine Verpflichtung unseren Sammlungen gegenüber, die ein öffentliches Gut sind.

Morgenpost Online: Laufen die Planungen für die Museumsinsel im zeitlichen Rahmen?

Hermann Parzinger: Das Neue Museum wird im Oktober eröffnet. Zurzeit wird auf dem benachbarten Gelände die Gründung der James-Simon-Galerie, des künftigen Eingangsgebäudes, vorbereitet. 2013 soll sie fertig sein, das wird ein weiterer Meilenstein sein. In dem Jahr werden wir auch mit den Bauarbeiten beim Pergamonmuseum beginnen, das 2028 als letztes Haus auf der Insel fertig sein wird. Das Haus wird einen vierten Flügel erhalten. Dann werden die Monumente der antiken Architektur – Pergamonaltar, Ischtartor, Mschatta-Fassade und Kalabsha-Tor – in einem großen Rundgang zu erleben sein.

Morgenpost Online: Bei diesen Zeiträumen kann man dann ja gleich weitersanieren, weil der Beginn der Arbeiten dann 30 Jahre zurückliegt…

Hermann Parzinger: (lacht) Man sollte nicht vergessen, dass wir bei laufendem Betrieb arbeiten und alles, bis hin zu den Fundamenten, saniert werden muss. Die Museumsinsel ist Unesco-Weltkulturerbe und deshalb spielt die Denkmalpflege, bei allen technischen Modernisierungen, eine große Rolle. Wenn man bedenkt, dass die Realisierung des ersten Masterplans für die Insel einen Zeitraum von 1830 bis 1930 umfasste, sind 30 Jahre im Vergleich nicht so viel.

Morgenpost Online: Wie steht es mit der Finanzierung in Krisenzeiten?

Hermann Parzinger: 2009 ist das finanziell schwierigste Jahr seit Gründung der Stiftung. Die Haushaltsmittel sind seit 1996 nicht erhöht worden, doch unsere Ausgaben steigen. Wir eröffnen neue Häuser, Betriebskosten und Personalkosten wachsen. Aber wir haben Hinweise von Seiten der Politik, dass sich hier etwas positiv ändern wird.

Morgenpost Online: Das Humboldt-Forum wird mit Superlativen belegt, als Schaufenster für die Weltkulturen bezeichnet, sie verglichen es mit dem Centre Pompidou. Ist der Anspruch zu halten?

Hermann Parzinger: Das wird man sehen. Wir begreifen es jedenfalls als großartige Chance, hier etwas Neues zu schaffen, das aus der Integration von Museum, Bibliothek und Veranstaltungsbereich erwächst. Forschung, Bildung und Neue Medien werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Weltweit erfährt das Humboldt-Forum übrigens unter Kollegen schon jetzt hohe Aufmerksamkeit, und ich bin sicher, dass es große Attraktivität haben wird für die Berlin-Besucher aus aller Welt.

Morgenpost Online: Wird man nicht den Begriff des Museums in der alten Schloss-Hülle neu denken müssen?

Hermann Parzinger: Was unser integriertes Modell angeht: Schon Friedrich Wilhelm IV. dachte seinerzeit die Museumsinsel als Freistätte für Kunst und Wissenschaft, also als eine Verknüpfung von Museen, Wissenschaft und Universität. Auf jeden Fall wird es keine Ausstellungen geben, die 30 Jahre und mehr unverändert bleiben. Die Innenarchitektur und die Vitrinen werden wechselnde Präsentationen ermöglichen. Wir werden die Rundgänge so gestalten, dass der Besucher die vielfältigsten Angebote bekommt zum Lernen, Staunen, Schauen und Verweilen.

Morgenpost Online: Sie sprechen von Vitrinen. Schließt sich das nicht aus? Andere Museen wie etwa das Naturkundemuseum setzen auf Hightech bei der Präsentation ihrer Schauen.

Hermann Parzinger: Lassen Sie sich überraschen! Das Humboldt-Forum wird eine einzigartige Erfahrungslandschaft werden, mit Blicken aus verschiedenen Perspektiven auf unsere außereuropäischen Schätze und mit vielen Möglichkeiten, sich zu vertiefen, durch Bücher, moderne Medien und vieles mehr.

Morgenpost Online: Vor ihrem jetzigen Job haben Sie große Ausgrabungen geleitet. Nun haben Sie viel mit Strukturfragen zu tun. Vermissen Sie Ihre „Schliemann“-Phase bisweilen nicht?

Hermann Parzinger: Auch bei großen Ausgrabungsprojekten arbeitet man nicht losgelöst von Strukturen, Personal und Geld. Außerdem: Ich grabe auch heute noch, wenn es die Zeit zulässt, derzeit in Kasachstan, wo eine große Kampagne stattfindet. Wissen Sie, ich mache keinen Urlaub und nutze die Zeit dann auch für die Archäologie. Ich muss darauf nicht ganz verzichten.