Wowereit warnte davor, die Zukunft des Theaterstandortes Kurfürstendamm mit zu hohen Anforderungen an Bauinvestoren zu gefährden. „In der jetzigen Situation sollten wir mit Investoren, die offensichtlich noch Geld haben, auch konstruktiv umgehen“, so Wowereit. Im Zusammenhang mit den Planungen am Kudamm-Karree mit der Komödie und dem Theater warnte der Regierungschef vor einer längeren „Hängepartie“ und forderte eine „Grundsatzentscheidung“, an der auch der zuständige Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf konstruktiv mitwirken müsse.

Der jetzige irische Investor sei bereit, 500 Millionen Euro im Kudamm-Karree zu investieren und ein Theater neu zu bauen. Dabei spielten auch „vernünftige Konditionen und eine langfristige Mietgarantie für die Familie Wölffer“ eine wichtige Rolle. „Ich glaube aber, dass der Erhalt der beiden Theater und die notwendigen Investitionen ins Kudamm-Karree zurzeit in einem unauflöslichen Widerspruch stehen“, sagte der SPD-Politiker.

Es gehe aber nicht nur um die Bühnen, „sondern um den gesamten Bereich, der sich zurzeit in einem katastrophalen Zustand befindet“, sagte Wowereit. Da müsse jetzt endlich eine Entscheidung getroffen werden. Der Bezirk sei offenbar an keiner Lösung interessiert, die nicht den Erhalt beider Bühnen vorsehe, „alles andere scheint ihm egal zu sein“, meinte der Regierende Bürgermeister. „Das ist langfristig keine tragfähige Lösung. Man muss sich überlegen, ob man neben der Situation der Kudammtheater die Situation des gesamten Kudamm-Karrees weiter vor sich hindümpeln lassen will. Das halte ich aus stadtpolitischen Gründen für keine gute Lösung. Insofern hoffe ich, dass da bald mal der Knoten durchschlagen werden kann.“

Der irische Investor Ballymore ist nach eigenen Angaben „nach wie vor zuversichtlich, dass wir alle gemeinsam eine machbare Lösung hinbekommen“ und dass zumindest bis Oktober „Fortschritte im Hinblick auf eine Baugenehmigung“ erzielt werden können. „Es ist klar, dass sich auch das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung damit noch eingehend befassen müssen“, sagte ein Sprecher des Investors am Mittwoch. "Es ist auch klar, dass es für Berlin einen emotionalen Abschied von zwei traditionsreichen Bühnen bedeutet, aber wir wollen ein neues schönes Theater bauen und es geht auch um die Rettung eines Kudamm- Areals, das inzwischen zur Ödnis verkommen ist. Der Kudamm endet zurzeit an der Uhlandstraße, das ist doch ein Unding, wenn man den Boulevard mit den Pariser Champs-Elysées vergleichen will. Es gilt, die städtebauliche Achse vom KaDeWe über das Kudamm-Karree bis nach Halensee noch attraktiver zu machen.“

Ballymore hatte Anfang April dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf überraschend ein Ultimatum bis Oktober gestellt. Sollte sich bei der Baugenehmigung bis dahin nichts bewegen, stünden die beiden Theater „voraussichtlich vor einer endgültigen Schließung“. Der Investor plant umfangreiche Umbauten und hat angeboten, auch ein neues Theater „im alten Stil“ mit reduzierter Platzzahl zu errichten. Bezirksstadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) sagte dazu, „der Bezirk und das Land Berlin lassen sich nicht erpressen“. Es komme nicht in Frage, dass beide Theater, für deren Erhalt in der Vergangenheit mehrfach Demonstrationen stattfanden, abgerissen werden.

dpa,/caro