Theater am Kurfürstendamm

Walter Plathe in Uraufführung als "Zille" gefeiert

Die Rolle des 1929 gestorbenen Zeichners und Malers der kleinen Leute aus dem Berliner Arbeitermilieu, Heinrich Zille, ist dem am Alexanderplatz aufgewachsenen Schauspieler Walter Plathe wie auf den Leib geschrieben. Schließlich war das Stück, das am Abend am Kudamm Premiere feierte, seine Idee.

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m Berliner Theater am Kurfürstendamm ist der Schauspieler Walter Plathe („Der Landarzt“) am Sonntagabend als Heinrich Zille in der Uraufführung des neuen Theaterstücks „Zille“ von Horst Pillau stürmisch gefeiert worden. Die Rolle des 1929 gestorbenen Zeichners und Malers der kleinen Leute aus dem Berliner Arbeitermilieu ist dem am Alexanderplatz aufgewachsenen Schauspieler Plathe wie auf den Leib geschrieben.

Eigentlich ist das neue Stück von Pillau, dem Autor von Volksstücken wie „Der Kaiser vom Alexanderplatz“, eher ein Bilderbogen einzelner Szenen aus dem Leben des „Rinnsteinmalers“, wie Zille im kaiserlichen Berlin von „höheren Kreisen“ abfällig genannt wurde. Die Szenen schildern den Weg Zilles vom unbekannten Zeichner aus der Welt der Berliner Kneipen und Hinterhöfe bis zum anerkannten Künstler der Reichshauptstadt.

Dabei treten auch Zeitgenossen und Weggefährten wie der Malerkollege und Akademiepräsident Max Liebermann, die Berliner Chansonsängerin Claire Waldoff („Wer schmeißt denn da mit Lehm“) und Kaiser Wilhelm persönlich auf. Zu den Mitwirkenden gehören unter anderem Maria Mallé, Luise Schnittert, Reiner Heise und Oliver Trautwein, die allesamt mehrere Rollen übernehmen. Musikalisch untermalt wird die Zille-Revue natürlich mit der „urberliner“ Musik von Walter und Willi Kollo.

Wie Zille, der im Scheunenviertel lebte und arbeitete, wuchs auch Plathe im Scheunenviertel auf. "Ich kenne die Hinterhöfe aus eigener Anschauung", so Plathe, der dank seiner Fernseh- und Theaterkarriere heute in Köpenick in einem Häuschen am Wasser wohnt. Allein mit Dackel Polonius ("mein dritter Dackel in Folge"), seit seine Frau, die Schauspielerin Victoria Sturm (35), auszog.

Seit einem Jahr sind beide geschieden, ganz ohne Rosenkrieg. Ja, sie hätten noch Kontakt zueinander. Nein, einen neuen Partner gebe es nicht, zumindest wisse er nichts davon. Mehr will der Charakterdarsteller, der mit TV-Sendungen wie "Treffpunkt Flughafen" bereits Mitte der 80er-Jahre ein Liebling vor allem der weiblichen Fernsehzuschauer war, zu seiner Scheidung nicht sagen.

Zu seiner Titelrolle als "Pinselheinrich" ist Plathe durch sein Engagement als Mitbegründer und Mitglied der Zille-Gesellschaft gekommen. Heinrich Zille habe mit seinen Bildern und Skizzen aus dem "Milljöh" Zeitgeschichte geschrieben. "Man müsste ihm ein Denkmal setzen, schreib doch mal ein Stück" - mit dieser Idee trat er an Autor Pillau heran. In dessen "Kaiser vom Alexanderplatz" spielte Plathe bereits 1996 an den Kudamm-Bühnen. Was schätzt Plathe besonders an der Rolle? "Heinrich Zille war ein unangepasster Charakter, hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Das ist uns beiden zu eigen." Rasieren darf sich der Darsteller vorläufig nicht, denn der Bart gehört zur Rolle.

Zur Premiere am Abend kamen neben anderen die Schauspieler Angelika Mann, Edith Hancke, Hans-Jürgen Schatz, Achim Wolff, Ex-Krimi-Kommissar Rolf Schimpf ("Der Alte") und Opernsänger René Kollo auch Zille-Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille.

dpa/jän/sei

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