Das Deutsche Symphonie Orchester unter Ingo Metzmacher, programmatisch heuer permanent in Aufbruchstimmung, beschloss sein Konzert in der Philharmonie mit der 4. Sinfonie von Johannes Brahms.
Nanu, hätte man fragen können. Aber natürlich berief man sich auf Schönbergs Aufsatz "Brahms der Fortschrittliche" von 1933. Möglicherweise hätte Brahms entschieden dagegen protestiert, von Schönberg bei dessen Ritt in die musikalische Zukunft mit in die Satteltasche gestopft zu werden.
Das neue Jahrtausend jedenfalls kam deutlicher, begeisternder, frenetisch geradezu in der Passacaglia von Anton Webern zu Gehör, seinem offiziellen Opus Eins, 1908 geschrieben. Wahrlich ein Schlüsselwerk des Jahrhunderts, an dem Schönberg, Weberns Lehrmeister, mitgeschliffen hat. Die Tür zu einer neuen Welt der Musik sprang damit sperrangelweit auf und ließ wahre Meisterwerke passieren, unter ihnen das Violinkonzert von Alban Berg, dem Christian Tetzlaff eine kaum zu überbietende, mitreißende Wiedergabe zuteil werden ließ.
Es ist von Berg "dem Andenken eines Engels" gewidmet. Dieser Engel war auf den Namen der an Kinderlähmung 18-jährig verstorbenen Manon Gropius getauft, der Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius. Da der Geiger Louis Krasner gerade ein Werk bei Berg in Auftrag gegeben hatte, flossen alle Trauer, aller Zorn, alle Liebe Bergs ein in dieses Konzert und formten es zu einem Gipfelwerk der Violinliteratur. Tetzlaff spielte es geradezu mit einer Ausdrucksraserei.
Gtl.



